Nach Abschuss Putin: Türkei muss sich wegen Abschuss entschuldigen

  • Nach dem Abschuss des russischen Kampfjets durch die Türkei verschärfen beide Seiten ihre Rhetorik. Putins Forderung nach einer Entschuldigung wies Erdoğan scharf zurück.
  • Russland will Lebensmittelimporte aus der Türkei stärker kontrollieren.
  • Die türkische und die russische Darstellung des Abschusses sind widersprüchlich.

Nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets durch die Türkei hat Russlands Präsident Wladimir Putin eine Entschuldigung von der Türkei gefordert. Sie solle "von höchster militär-politischer Stelle" kommen. Zudem forderte Putin Schadensersatz und die Bestrafung der "Verbrecher". Der türkische Präsident Erdoğan erteilte der Forderung eine scharfe Absage. "Ich denke, wenn es eine Seite gibt, die sich entschuldigen muss, dann sind das nicht wir", sagte Erdoğan dem TV-Sender CNN International. "Die, die unseren Luftraum verletzt haben, sind diejenigen, die sich entschuldigen müssen."

Zuvor hatte der Kreml eine terroristische Bedrohung durch die Türkei nicht ausgeschlossen. Die angekündigte Verschärfung der Einfuhrkontrollen für Lebensmittel aus der Türkei habe "mit unterschiedlichen Faktoren" zu tun, erklärte Wladimir Putins Sprecher Dmitri Peskow am Mittag in Moskau. "Die Rolle einer terroristischen Bedrohung kann nicht ausgeschlossen werden."

Nach einer Kabinettssitzung sagte Ministerpräsident Dmitri Medwedew, er habe die Regierung angewiesen, gemeinsame Investmentprojekte einzufrieren. Bereits am Morgen hatte der russische Landwirtschaftsminister Alexander Tkatschew mehr Kontrollen für Lebensmittelimporte aus der Türkei verkündet. Er begründete diese mit "wiederholten Verletzungen russischer Normen durch türkische Hersteller". Er verwies außerdem auf "verbotene und schädliche Substanzen" sowie stark erhöhte Pestizid- und Nitratwerte, die in Lebensmitteln gefunden worden seien.

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Die russische Regierung habe die Behörde für Lebensmittelsicherheit deshalb aufgefordert, die Kontrolle landwirtschaftlicher Produkte aus der Türkei zu verschärfen. Außerdem seien zusätzliche Überprüfungen an der Grenze und an Produktionsstätten in der Türkei geplant. Von den Maßnahmen könnten 15 Prozent der landwirtschaftlichen Importprodukte in Russland betroffen sein.

Im Sommer 2014 hatte Russland bereits ein Embargo auf die meisten Lebensmittel aus EU-Staaten verhängt, nachdem die EU Russland wegen seiner mutmaßlichen Verwicklung in den Ukraine-Konflikt mit Sanktionen belegt hatte.

Türkisches Militär erklärt Russland seine Version des Abschusses

Die Türkei bemüht sich gegenüber Russland um eine nähere Erklärung des Kampfjet-Abschusses am Dienstag. Nach dem Zwischenfall seien russische Militärvertreter in das türkische Armee-Hauptquartier eingeladen worden, hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme des Generalstabschefs der türkischen Armee. Dort sei den Russen erläutert worden, dass eine Einsatzregel befolgt worden sei, weil die Besatzung des russischen Flugzeugs nicht auf Warnungen reagiert habe. Nach dem Abschuss habe sich die Türkei bemüht, die russischen Piloten ausfindig zu machen und zu retten.

Gegenüber Russland sei die Bereitschaft zu jeglicher Kooperation ausgedrückt worden. Um der russischen Seite den Vorfall zu erklären, seien die Radar-Aufzeichnungen verwendet worden. Man habe die Bereitschaft verdeutlicht, alle Informationen zu dem Abschuss zu teilen.

Zuvor hatte die türkische Regierung Tonbänder veröffentlicht, um zu beweisen, dass die Piloten der Maschine gewarnt worden seien, bevor sie abgeschossen wurden. Ob die Funksprüche echt sind, ist noch unklar. Die türkische Nachrichtenagentur DHA stellte sie unter Berufung auf die Armee ins Netz. Zu hören ist darauf die mehrmalige Warnung, nach Süden abzudrehen.

Bewusste Provokation?

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Ein Pilot war bei dem Abschuss gestorben. Der andere hatte im russischen Fernsehen angegeben, nicht gewarnt worden zu sein. Sie seien nie in den türkischen Luftraum eingedrungen, sagte Konstantin Murachtin. Dies widerspricht der türkischen Version, nach der das Flugzeug mehrfach vergeblich zum Verlassen des Luftraums des Landes aufgefordert worden sei.

Die russische Regierung nannte den Abschuss eine bewusste Provokation. Der türkische Staatspräsident Erdoğan hingegen sagte, man habe erst nach dem Abschuss des Kampfjets festgestellt, dass es sich um ein russisches Flugzeug handelte.