Nach Abschluss der Sondierungsgespräche Thüringer SPD im Koalitionsdilemma

SPD-Sondierer: Erfurts Oberbürgermeister und Verhandlungsführer Andreas Bausewein (links) und der Thüringer Landeschef der Partei, Christoph Matschie

(Foto: dpa)

Unnützes Gepolter? Gab es nicht. Große Dispute? Ebensowenig. Nach den Sondierungen will die SPD-Führung in Erfurt ihren Mitgliedern heute mitteilen, ob sie lieber mit Linken und Grünen oder mit der CDU regieren möchte.

Kommentar von Cornelius Pollmer, Dresden

Zum essigsauren Schicksal der SPD in Thüringen gehört es, sich für ihre Erfolge nicht belohnen zu können. Dieses Schicksal hat den Sozialdemokraten nun erneut einen kleinen Schlag versetzt, in Gestalt der paradoxen Zwischenbilanz nach Abschluss aller Sondierungsgespräche. Weil diese sowohl mit der CDU als auch mit Linkspartei und Grünen ordentlich verlaufen sind, ist die SPD am Ende dieser Gespräche im Grunde nicht viel schlauer als zu deren Beginn.

Thüringer Linke "guten Mutes" für Rot-Rot-Grün

Wird Bodo Ramelow der erste Ministerpräsident der Linken in Deutschland? Nach dem Ende der Sondierungsgespräche mit SPD und Grünen zeigt sich seine Partei zuversichtlich. Man habe sich auf vier Leitprojekte verständigt. mehr ...

Rechnerisch sind, nach wie vor, beide Bündnisse möglich: Eine schwarz-rote Koalition hätte genauso eine Stimme Mehrheit wie ein linkes Dreigespann. Keines der zwei Lager hat der SPD den Gefallen getan, ihr den Entschluss zu erleichtern. Es gab kein unnützes Poltern und keinen wesentlichen inhaltlichen Disput, der sich als unüberwindbar erwiesen hätte.

Dies ist die Grundlage, auf welcher der Landesvorstand an diesem Montag zu entscheiden hat. Wahrscheinlicher ist, dass er den zu befragenden Mitgliedern ein Bündnis mit Linken und Grünen empfehlen wird.

Ganz gleich aber, wie der Beschluss ausfällt, er wird nicht getragen sein von der Überzeugung, einen zwingend richtigen Schritt zu gehen - eher von der Ahnung, dass dieser Schritt weniger falsch sein dürfte als seine jeweilige Alternative. Wer auf Basis solcher eher atmosphärischer Unterscheidungen in eine Regierung eintritt, den muss man darum gewiss nicht beneiden.