Museum für George W. Bush Vom Buhmann zum Vorbild

Fünf US-Präsidenten und ein Neubau

George W. Bush bekommt seine eigene Präsidentenbibliothek - und ein exklusiver Polit-Zirkel gibt sich die Ehre: Vier ehemalige US-Präsidenten, dazu Amtsinhaber Obama, ehemalige Regierungschefs und ein sonnenhungriger Berlusconi versammeln sich in Dallas. Und Präsidentenmutter Barbara wünscht sich keinen weiteren Bush im Weißen Haus. mehr...

George W. Bush war einst der unbeliebteste US-Präsident - nun ehrt ihn Amerika mit einer großen Gedenkbibliothek und blickt milde auf sein Erbe. Zumal Obama den Krieg gegen den Terror mit den Mitteln fortführt, die ihm sein Vorgänger hinterließ.

Von Christian Wernicke, Washington

Vier Jahre hat er das Rampenlicht gemieden. Nun kehrt er zurück - auf sehr großer Bühne: George W. Bush, Amerikas 43. Präsident, darf am Donnerstag in Dallas seine Gedenkbibliothek eröffnen. Der 250 Millionen teure, klobige Komplex - halb Museum, halb Forschungsstätte - huldigt dem Lebenswerk des Republikaners.

Seine drei noch lebenden Vorgänger sowie der eine Nachfolger haben ihr Erscheinen sowie freundliche Grußworte zugesagt. Und siehe da, auch das Volk blickt mit neuer Milde auf Bush: Beim Abgang 2009 sahen ihn nur noch 33 Prozent seiner Landsleute positiv, inzwischen - so eine Umfrage der Washington Post - genießt Bush wieder 47 Prozent Zustimmung. Das ist derselbe Wert wie für Barack Obama.

Im Museum werben per Videoclip alte Vertraute um Verständnis für Bushs bis heute umstrittene Politik. Die frühere Außenministerin Condoleezza Rice etwa verteidigt die Irak-Invasion und den Krieg gegen den Terror mit dem Schock der Attentate vom 11. September 2001. Die Regierung habe die Nation mit allen Mitteln gegen neue Anschläge wappnen wollen. "Wer am 11. September Verantwortung trug", sagt die Ex-Sicherheitsberaterin, "für den war jeder Tag danach der 12. September."

Obama übernahm die Eckpfeiler von Bushs Anti-Terror-Politik

Als Senator und als Präsidentschaftskandidat hatte Obama den Bush-Kurs leidenschaftlich attackiert. Er wetterte gegen Folter in geheimen CIA-Lagern, geißelte Misshandlungen in Abu Ghraib und Guantanamo und warnte, Amerikas Recht und Freiheit dürften nicht zu Opfern des Anti-Terror-Krieges werden. Spektakulär verbot er am Tag nach seiner Amtseinführung Waterboarding und ähnlich brutale Verhörmethoden; die Anweisung, Guantanamo binnen eines Jahres zu schließen, deutete alle Welt als Signal eines Neuanfangs.

Noch vier Monate später, bei einer Grundsatzrede unter der Kuppel des Nationalarchivs, schien der junge Präsident voller Idealismus zu sein: "Unsere Werte waren stets unser größter Schatz nationaler Sicherheit - in Krieg und Frieden, in sorglosen Zeiten wie in Perioden des Umbruchs."

Nur, rückblickend vollzog genau diese Rede im Mai 2009 den Bruch mit den hehren Versprechungen des Kandidaten. Obama, so deutet es der Ex-Bush-Berater und Rechtsprofessor Matthew Wayman, sei da zum Hüter der Nation, eben zum Präsidenten gereift: "Wenn du im Amt ankommst und mit allen Sicherheitskrisen in der Welt umgehen musst, dann willst du alle notwendigen Machtinstrumente haben, um damit fertigzuwerden."

Im Mai 2009 zeichnete sich bereits ab, was inzwischen viele Kritiker - Staatsskeptiker von rechts wie Bürgerrechtler von links - als Sündenfall sehen: Obama übernahm, ohne dies freilich offen einzuräumen, die Eckpfeiler von Bushs Anti-Terror-Politik. Militärtribunale als Sondergerichte für mutmaßliche Gotteskrieger wurden ebenso beibehalten wie das Ausnahmerecht, Terrorverdächtige ohne Anklage notfalls auf ewig einzukerkern.