Mekka Ägyptens oberster Imam fordert Reform der Religionslehre

Ahmad Mohammad al-Tayyeb (rechts) kondoliert dem koptischen Papst Tawadros II. nach einem Massaker der IS-Terrormiliz an koptischen Christen.

(Foto: AFP)
  • Scheich Ahmad Mohammad al-Tayyeb von der Kairoer Al-Azhar-Universität ruft zu einer radikalen Reform des islamischen Unterrichtens auf.
  • Eine historisch falsche Koran-Auslegung habe zu einer intoleranten Auslegung des Islam geführt.
  • Islamische Extremisten verurteilt er für ihre "wilden und barbarischen Taten"

"Falsche Auslegung" des Korans

Der Kampf gegen den weltweiten Terror im Namen eines islamischen Extremismus ist das Thema einer dreitägigen Konferenz muslimischer Gelehrter in Mekka. Ägyptens oberster sunnitischer Islamgelehrter hat Medienberichten zufolge am ersten Tag des Treffens den Terrorismus scharf verurteilt und zu einer radikalen Reform der islamischen Religionslehre aufgerufen. "Die einzige Hoffnung für die islamische Gemeinschaft, wieder zu einer Einheit zu finden, ist, bereits in Schulen und Universitäten gegen die Tendenz anzugehen, (vermeintliche nicht rechtgläubige; Anm. d. Red.) Muslime als Ungläubige anzusehen." so der Gelehrte. Eine historisch falsche Koran-Auslegung habe zu einer intoleranten Interpretation des Islam geführt, sagte Ahmad Mohammad al-Tayyeb von der Al-Azhar-Universität in Kairo. So sei Extremismus entstanden.

Auch der saudische König und der ägyptische Präsident sagen dem Islamismus den Kampf an

Der saudische König Salman bezeichnete auf der Konferenz in Mekka Terrorismus nicht nur als Bedrohung für alle Muslime und die gesamte Welt, sondern auch "als Plage, die das Produkt extremistischer Ideologie" sei.

Der ägyptische Staatspräsident Abdel Fatah al-Sisi forderte zur Terrorismusbekämpfung eine panarabische Militäreinheit. Die arabische Region sehe sich jeden Tag riesigen Herausforderungen gegenüber, die gemeinsame Streitkräfte immer notwendiger und dringender werden ließen, wurde al-Sisi im ägyptischen Staatsfernsehen zitiert.

Al-Tayyeb verurteilt "wilde und barbarische Taten"

Der Gelehrte Scheich al-Tayyeb hatte bereits vor einigen Tagen den sogenannten Islamischen Staat (IS) aufs Schärfste verurteilt, nachdem die Terroristengruppe einen gefangenen jordanischen Piloten bei lebendigem Leib verbrannt und ein Video von der Tat veröffentlicht hatte. Dabei hatte Tayyeb erklärt, die Dschihadisten hätten den Tod verdient. In Mekka erwähnte er den IS mit keinem Wort, kritisierte aber generell Terroristen-Gruppen für ihre "wilden und barbarischen Taten".

Die Konferenz mit den wichtigsten Geistlichen der islamischen Welt wird von der Islamischen Weltliga organisiert, einer Nichtregierungsorganisation. Drei Tage lang diskutieren die Kleriker über die Frage, wie der Islam gegen den Extremismus vorgehen kann.