Machtkampf bei der AfD Petry-Anhänger buhen Lucke aus

Kämpft um die Zukunft der Partei nach seinen Vorstellungen: AfD-Chef Bernd Lucke.

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  • Beim Parteitag in Essen hat AfD-Chef Bernd Lucke zur Beendigung der internen Streitigkeiten aufgefordert.
  • Lucke wurde während seiner Begrüßungsansprache mehrfach durch laute Buh-Rufe der Anhänger seiner Rivalin Frauke Petry unterbrochen.
  • Die AfD-Mitglieder sollen auf dem zweitägigen Parteitag einen neuen Bundesvorstand wählen.

Lucke: Konflikte müssen beendet werden

AfD-Chef Bernd Lucke hat zum Auftakt des Parteitags zur Beendigung der heftigen Konflikte in der Alternative für Deutschland aufgerufen. Es sei in aller Öffentlichkeit gestritten worden, bis die Fetzen geflogen seien, sagte Lucke am Samstag in Essen. Dies sei für die AfD eine Belastung gewesen, die er sehr bedauere. Die Konflikte müssten beendet werden, sagte er vor 3431 Mitgliedern. Der Parteitag sei angesetzt worden, "weil wir der aufgeheizten Stimmung und den verhärteten Fronten nicht noch mehr Raum geben wollen".

Pfiffe für den AfD-Chef

Unter lauten Buh-Rufen und Pfiffen von Anhängern seiner Co-Chefin Frauke Petry verteidigte Lucke den von ihm initiierten "Weckruf 2015". Dies sei kein Versuch, die AfD zu spalten, sondern es gehe darum, "Gefahren von der Partei abzuwenden".

Lucke betonte zudem die Notwendigkeit, sich klar gegen Rechts abzugrenzen. Fremdenfeindlichkeit und Rechtsradikalismus dürften in den Reihen der AfD keinen Platz haben. Die Gegner Luckes sehen in dem Weckruf einen ersten Schritt für eine Abspaltung.

Petry, die ebenfalls einige Buh-Rufe erhielt, erklärte, die AfD habe Angriffe unter der Gürtellinie nicht nötig. Sie wies zudem den Vorwurf zurück, die Partei nicht gegen rechtspopulistische Tendenzen abzugrenzen. "Ich kann in der Tat keinen Rechtsruck dieser Partei erkennen, also sollten wir ihn auch nicht herbeireden."

Petry steht wie der brandenburgische AfD-Chef Alexander Gauland und der dritte AfD-Bundesvorsitzende Konrad Adam für den nationalkonservativen Flügel. Sie hält Lucke und dessen wirtschaftsliberalen Flügel im Kern eine thematische Verengung auf die Ablehnung der Euro-Rettungspolitik vor. Lucke wiederum kritisiert unter anderem Kontakte zur islamkritischen Pegida-Bewegung.

Partei will über künftige Führung entscheiden

Wichtigster Tagesordnungspunkt des bis Sonntag dauernden Parteitags ist die Wahl eines neuen Bundesvorstands, bei dem das bisherige Trio aus drei gleichberechtigten Vorsitzenden durch eine Doppelspitze ersetzt werden soll. Lucke möchte Erster Vorsitzender werden und hat als Zweite Vorsitzende die Landeschefin in Schleswig-Holstein, Ulrike Trebesius, vorgeschlagen.

Sollten die AfD-Mitglieder Luckes Personalvorstellungen folgen, wäre Petry entmachtet. Lucke und Petry hatten vor dem Parteitag erklärt, nicht mehr zusammenarbeiten zu können. Beide relativierten ihre Äußerungen jedoch später.

Kein Generalsekretär gewählt

Bereits beschlossen wurde, auf diesem Parteitag keinen Generalsekretär zu wählen. Lucke hatte einen solchen im Sinne einer Professionalisierung der AfD gefordert - beim letzten Parteitag in Bremen im Januar hatte die Basis auch noch dafür gestimmt. Lucke hatte am Montag bereits seinen Kandidaten für das Amt vorgestellt.