Linke: Kongress zum Jahresauftakt Keiner hört die Signale

Die Linken streiten wie die Kesselflicker über Kommunismus, den Porsche von Klaus Ernst sowie übers Regieren und Opponieren. Dabei vergessen sie völlig, dass es im Superwahljahr 2011 um ihre politische Existenz geht.

Eine Analyse von Thorsten Denkler, Berlin

Ein realsozialistischer Fries ziert das "Haus des Lehrers" am Berliner Alexanderplatz. Wer an diesem Montag zum Jahresauftakt der Linken ins Berliner Congress Centrum geht, kann es kaum übersehen.

Der DDR-Künstler Walter Womacka hat das 125 Meter lange Werk in den sechziger Jahren geschaffen. Es umschließt den nüchternen Zweckbau wie eine Bauchbinde. Damals regierte Genosse Walter Ulbricht die DDR. Es zeigt Alltagsszenen von glücklichen, zufriedenen, sozialistischen Menschen. Lachend am Strand, lachend in den Werkhallen, lachend unter einem Apfelbaum.

Der Fries muss auf die Linke an diesem sonnigen Wintertag wirken wie ein Gruß aus einer fernen Zeit. Dabei ist es kaum mehr als ein Jahr her, als die Linke genau soviel zu lachen hatte, wie die Menschen auf dem Fries. Nach einem phänomenalen Siegeszug von Landtagswahl zu Landtagswahl holte sie am Ende bei der Bundestagswahl im September 2009 ihr bis dahin bestes Ergebnis.

Dann ging Parteichef Oskar Lafontaine, gesundheitsbedingt. Gesine Lötzsch und Klaus Ernst übernahmen die Führung und plötzlich ist alles in Frage gestellt: die Erfolge, die Themen, die Personen.

Es droht ein Katastrophenjahr

Dieser Montag sollte eigentlich ein Tag der Selbstvergewisserung sein. Einer, der den Genossen den nötigen Rückenwind gibt für das Superwahljahr 2011. Sieben Landtagswahlen stehen an. Dazu kommen diverse Kommunalwahlen.

Doch weit gefehlt. Das Jahr 2011 könnte für die Linke das werden, was das Jahr 2010 für die FDP war: katastrophal. Die politische Existenz der Linken steht auf dem Spiel.

Die ersten beiden Wahlen in Hamburg und Sachsen-Anhalt könnten für die Linke noch glimpflich ausgehen. In Hamburg spricht viel dafür, dass die Linke den Wiedereinzug in die Bürgerschaft schafft. Es könnte dort für rot-grün reichen. Für die Linke wäre das gut. Bisher hat sie es nur in Opposition zu SPD und Grünen geschafft, beim Wähler zu punkten.

In Sachsen-Anhalt ist die Linke traditionell stark. Dort geht es darum, ob die Linke stärkste Kraft wird und damit reelle Chancen hat, erstmals mit Spitzenkandidat Wulf Gallert einen Ministerpräsidenten zu stellen.

Dann aber beginnen die Problem-Wahlen für die Linke. In Baden-Württemberg und in Rheinland-Pfalz will am sie 27. März erstmals in die Landtage einziehen. Schafft sie es nicht, ist das ein herber Rückschlag für das Projekt Westausdehnung.

Ende Mai wird in Bremen gewählt und die Linke muss fürchten, vom Wähler erstmals wieder aus einem Westparlament hinauskomplimentiert zu werden. Damit würde sich ein klarer Abwärtstrend abzeichnen. Der dürfte bis zu den beiden letzten Wahlen in diesem Jahr in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin (beide im September) kaum zu stoppen sein.