Die amerikanischen Medien stürzen sich auf Faisal Abdul Rauf. Sie schmähen ihn als "Imam von Ground Zero", der an einem Ort nationaler Trauer "ein Denkmal islamischen Sieges" errichten wolle. Dabei galt er jahrelang als Amerikas Muster-Muslim.
Vielleicht hat er geahnt, was auf ihn zukommt. Schon damals im Frühjahr 2002, nur ein paar Monate nach den Terroranschlägen des 11. September. In jenen Tagen wurde Faisal Abdul Rauf gefragt, was das Leben eines Muslims in Amerika so ausmache. Und Rauf, der Imam der al-Farah-Moschee von Lower Manhattan, hat milde gelächelt. Er hat sich über seinen stets akkurat frisierten Graubart gestrichen und selbstverständlich die Freiheit gelobt, die seine Glaubensbrüder in den USA genießen: "Religion ist hier Privatsache." Nur, manchmal sei es schwierig: "Viele Muslime in diesem Land fühlen sich wie einst die Christen in Rom, die man den Löwen zum Fraß vorwarf." Amerikas Raubtiere seien die Medien, die jeden Muslim mit Argwohn beäugen würden.
Imam Feisal Abdul Rauf. (© ASSOCIATED PRESS)
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Nun haben sie sich auf Faisal Abdul Rauf gestürzt. Sie schmähen ihn als "Imam von Ground Zero", der an einem Ort nationaler Trauer "ein Denkmal islamischen Sieges" errichten und "den Opfern des 11. September ins Herz stechen" wolle. Tausende Protestbriefe hat Rauf erhalten, seit er im Frühjahr seine Idee publik machte, zwei Straßenblocks von der Trümmerstätte des World Trade Centers entfernt eine islamische Kultur- und Begegnungsstätte zu errichten. Zwischen E-Mails und Päckchen fanden sich etliche Todesdrohungen. Für ein paar Tage wenigstens ist dieser so koran- wie bibelfeste Geistliche, der vor 27 Jahren nach New York kam und dort ein Miteinander der Religionen predigt, der Hatz entkommen: Im fernen Malaysia hält er Vorträge zur Lage des Islam in Amerika.
Dabei galt der heute 62-jährige Imam jahrelang als Amerikas Muster-Muslim. Unmittelbar nach dem 11. September 2001 wurde Rauf, der westliche Kleidung bevorzugt und seit dem Studium in England einen blasiert britischen Akzent pflegt, zum Antlitz eines moderaten Islams. Er verurteilt alle Gewalt, mahnt zum Dialog, sucht Versöhnung: "Auch unsere Gemeinde hat geblutet, 200 von uns haben an Ground Zero ihr Leben verloren." Rauf ist ein Sufi, Anhänger einer so mystischen wie toleranten Auslegung des Koran. Das FBI suchte seinen Rat im Umgang mit radikalisierten Jugendlichen, schon die Bush-Regierung schickte ihn als PR-Botschafter um die Welt.
Nur, der Intellektuelle in ihm mochte sich mit patriotischen Schwüren nicht begnügen. Rauf kritisierte immer wieder Amerikas Kurs im Nahen Osten, und er erklärte dem TV-Publikum, warum Millionen Muslime den Vereinigten Staaten misstrauten. Manche Formulierung wird jetzt wieder ausgegraben - etwa die, dass die US-Außenpolitik "ein Helfershelfer des Verbrechens" von 9/11 sei. Dieser Videoschnipsel findet sich nun auf vielen Internetseiten der rechten US-Szene, genauso wie jener Moment, als der Imam in einer Debatte nicht die palästinensische Hamas-Bewegung als Terrororganisation verdammen wollte.
Kein Zweifel, Rauf hat die Proteste unterschätzt. Er hat geglaubt, er könne für sich behalten, bei wem er die 100 Millionen Dollar für den Bau seines Zentrums sammeln will. Nun steht er mitten in der Arena. Und es scheint, als könne ihn nicht einmal mehr das Machtwort seines Präsidenten Barack Obama vor den Löwen schützen.
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(SZ vom 18.08.2010/segi)
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"Aber was tun die friedfertigen Muslime, die Radikalen unter ihnen unter Kontrolle zu halten? "
Bitte???? Was soll das denn für eine Frage sein????? Wollen sie Blockwarte installieren? Wie stellen Sie sich denn sowas vor?
Wie stellt unsere Gesellschaft denn sicher, dass wir unsere Kriminellen unter Kontrolle halten und sie keine Straftaten mehr begehen? GAR NICHT! Wenn wir nicht jeden präventiv einsperren wollen, dann wird sich nicht verhindern lassen, dass Menschen verwerfliche Dinge tun.
Übrigens: wie halten wir denn unsere Politiker unter Kontrolle, die Angriffskriege führen und damit tausendmal mehr Menschen ermorden als alle Terroranschläge zusammen? Gar nicht! Wir wählen sie alle paar Jährchen und das war´s dann. Die Moslems haben noch nicht einmal diese Möglichkeit.
"Ich denke mit einer Studie eines Vereins, der vom Verfassungsschutz beobachtet wird, Verbindungen zum Islamistischen Terror hat und den Islam als einzig wahres Gesellschaftsbild verbreiten möchte, kommen Sie nicht sehr weit."
Ach ploxy, sie sollten weniger denken und dafür ein bissl mehr lesen. :-))))))))
Ich habe ein Gallup-Umfrage zitiert. Wenn ihr Bildungsniveau so unterirdisch ist, dass sie die nicht kennen, dann sollten Sie sich eben informieren. Da ich nicht zuverlässig davon ausgehen kann, dass sie die Bedienung der Suchfunktion wirklich beherrschen, sende ich ihnen gerne gleich einen Link mit:
de.wikipedia.org/wiki/Gallup_Organization
(P.S.: Sie lassen aber auch KEIN Fettnäpfchen aus, gell! :-)))))
...allein, mir fehlt der Glaube! (In allem Respekt Ihnen gegenüber gesagt).
Zahlenmäßig sind sicherlich die meisten Muslims friedfertig, vielleicht auch ihre Religion.Aber was tun die friedfertigen Muslime, die Radikalen unter ihnen unter Kontrolle zu halten? Ich erwähne - außer dem WTC, von dem Sie behaupten, es sei nicht von Muslimen durchgeführt worden - nur London, Madrid, Bombay und andere Orte mörderischer, terroristischer Gewalt über viele Jahre hinweg.Zur Zeit des Angriffs auf die Londoner U-Bahn war ich in London - und von offizieller muslimischer Seite in GB KEIN Wort der Verdammung des Attentats.
Der friedfertige Imam von New York befürwortet übrigens auch für die USA das Gesetz der Scharia (so von ihm geäußert).Da wird mir schon ein bißchen angst.Ich persönlich möchte nicht zurück ins Mittelalter.
...ist hier gründlich schiefgegangen. Erst befürwortet er die Moschee, dann paddelt er zurück,als er die heftigen Reaktionen der betroffenen Familien hört...Seine üblichen Relativierungen,so habe er das nicht gemeint. Wishy-washy wie immer.David Gergen sagte gestern auf CNN, Obamas Einmischung sei nicht weise gewesen und das werde ihm noch aufstoßen ("It's going to haunt him"). Seiner Partei habe er keinen guten Dienst erwiesen, denn inzwischen sei es - so kurz vor den Wahlen - ein nationales Thema geworden.Obama habe wieder einmal den Eindruck des Abgehobenen vermittelt:"You can't feel my pain".Gleichzeitig forderten die Helfer der ersten Stunde, die zum Teil mit "pulverisiertem Glas in den Lungen leben müßten", die Verabschiedung eines Gesetzes, das die Krankenfürsorge für sie garantiert - aber da schweige sich Obama aus und verschiebe auf den Sankt-Nimmerleinstag.
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