Kwangmyongsong-4 So feiert Nordkorea den Raketenstart

Da lacht der Diktator: Kims Land hat einen Satelliten ins All geschossen, Staatsjournalisten fotografieren die Szene

(Foto: REUTERS)

Diktator Kim lacht, die Militärs klatschen: Die staatliche Propaganda bedichtet und besingt den Satellitenstart.

Von Bastian Brinkmann

Es ist ein Festtag für Nordkoreas Propagandamaschine: Das Land will einen Beobachtungssatelliten ins All geschossen haben. Der Zeitpunkt des Raketenstarts stößt China vor den Kopf. Denn der Raketenstart fällt auf den Vorabend des chinesischen Neujahrfestes, das ist der höchste Feiertag des Landes.

Das erwähnen die nordkoreanischen Jubelmeldungen nicht. Stattdessen zeigt das Fernsehen, wie die Rakete abhebt - und wie Staatschef Kim Jong Un und seine Entourage feiern. Die Militärs klatschen in die Hände, Kim lacht. Der Marschall, so sein offizieller Titel, habe den Befehl für den Start persönlich erteilt, meldet die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA.

Die Berichterstatter der nordkoreanischen Weltraumbehörde seien selbst für nordkoreanische Propagandisten heute richtig gut drauf, notierte ein Bloomberg-Journalist. Die Staatliche Verwaltung für Weltraumerschließung kürzt sich "Nada" ab und erinnert damit ein bisschen an die US-Behörde Nasa. Der erfolgreiche Start des Satellites Kwangmyongsong-4 sei die "stolze Verwirklichung" der Politik der großen Arbeiterpartei, heißt es in dem NADA-Bericht.

Der Kondensstreifen sei "faszinierend", durchziehe den klaren, blauen Frühlingshimmel, direkt vor dem "Tag des leuchtenden Sterns". Das ist der amtliche Name für den Geburtstag von Kim Jong Il, Vater von Kim Jong Un. Das staatliche Fernsehen zeigte Fotos des Diktators, wie er nach dem Raketenstart in den Himmel schaute - als würde Kim prüfen, ob die Rakete es auch bis ins All schafft. Nordkoreas Propaganda ist total auf die Kims zugeschnitten.

Einer will hoch hinaus: Die staatliche Propaganda inszeniert Kim Jong Un als Mann, der höchstpersönlich überwacht, ob die Rakete ins All kommt

(Foto: REUTERS)

Der Satellit bekommt in dem Report das Attribut "Juche", was auf Deutsch ungefähr Tschu-tschä ausgesprochen wird. Das Wort bezeichnet die staatliche Ideologie. Sie betont die Selbstständigkeit des Landes und des nordkoreanischen Volks. Juche durchzieht die Propaganda. Das innere, homogene Nordkorea muss sich darin ständig gegen ausländische Aggressoren wie die USA wehren. Nur deswegen gibt es aus offizieller nordkoreanischer Sicht Atomwaffentests. Selbst die Jahreszahlen werden in "Juche" gezählt: Dieser Raketenstart fand für Nordkoreaner nicht im Jahr 2016 statt, sondern im Jahr Juche 105.

Wer will, kann sich den Report der NADA auch als Radiosendung auf Englisch anhören.

Der Blog North Korea Tech schneidet das nordkoreanische Fernsehen mit und veröffentlicht Ausschnitte auf Youtube. Demnach feierte das TV die Nachricht des Raketenstarts nach der Verkündung mit diesem Lied. Es zeigt Montagen der Rakete und jubelnden Massen.

Der UN-Sicherheitsrat hat dem Land übrigens nun "einschneidende" Maßnahmen angedroht. Das UN-Gremium verurteilte den Abschuss einstimmig als "Bedrohung des Weltfriedens" und kündigte eine baldige Resolution mit Sanktionsbeschlüssen an.