Krisenstaat Zypern Wie ein Parteibuch zum Rettungsschirm wird

Zum Staatsbankrott dürfte es in Zypern nicht kommen, das würden die EU und der Internationale Währungsfonds nicht zulassen. Erst recht, falls der konservative Parteifreund Angela Merkels, Nikos Anastasiadis, neuer Präsident werden sollte. Doch mit EU-Hilfen und einem Sparhaushalt allein wird der Inselstaat nicht zu retten sein.

Ein Kommentar von Christiane Schlötzer

Von Finanzexperten in Europa wird eine Pleite Zyperns bereits mit spitzem Stift durchgerechnet. Zum Staatsbankrott des kleinen Euro-Landes dürfte es jedoch kaum kommen. Die EU und der Internationale Währungsfonds werden der Inselrepublik recht bald zu Hilfe eilen, auch wenn Berlin augenblicklich noch zögert und Zypern als Geldwäscheparadies im Mittelmeer schmäht (was sich in der Vergangenheit auch für einige deutsche Firmen als nützlich erwies). Aller Voraussicht nach wird künftig Nikos Anastasiadis, ein Parteifreund Angela Merkels, als Präsident die Geschicke des hochverschuldeten Euro-Mitglieds lenken. Und Freunde lässt man nicht so leicht fallen.

Anastasiadis ist ein erfahrener und besonnener Politiker, er ist zudem bereit, die bittere Rezeptur zu schlucken, die von den internationalen Geldgebern nun auch Zypern verschrieben wird: Gehälter runter, Steuern rauf, Staatsbesitz verkaufen. Dies allein aber wird die zyprische Malaise nicht kurieren. Zyperns Banken haben sich viel zu viele Risiken aufgeladen, und zu hoch in Griechenland gepokert, was Zyperns Krise zur Katastrophe macht. Die Europäische Zentralbank verlangt Einsicht in die Bankbücher, und Anastasiadis hat - im Gegensatz zu seinem kommunistischen Amtsvorgänger - nichts gegen externe Wirtschaftsprüfer.

Der Mann hat im Wahlkampf nichts beschönigt, und trotzdem in der ersten Runde 45 Prozent der Stimmen erhalten. Das ist ein ziemlich deutliches Votum. Es zeigt, dass viele Zyprer wissen, dass Reformverweigerung das falsche Rezept ist. Von den beiden linken Rivalen des Konservativen spielte einer die populistische Karte, der andere versuchte, mit Anti-EU-Parolen zu punkten.

Anastasiadis hatte aber auch um die Stimmen der Nationalisten geworben, also um jenes Lager, das 2004 unter Führung des damaligen Präsidenten Tassos Papadopoulos den UN-Plan zur Wiedervereinigung der in einen griechischen und einen türkischen Teil gespaltenen Insel fulminant hatte scheitern lassen. Anastasiadis war damals und ist heute ein entschiedener Befürworter eines vereinigten Zypern. Das verzeihen ihm seine Gegner nicht. In dieser Hinsicht ist ein Wahlergebnis von weniger als 50 Prozent in der ersten Runde kein gutes Omen für künftige Friedenspläne.

Zypern hofft auf Gas

Große Hoffnung setzten Zyperns Griechen zuletzt auf die jüngst entdeckten Gasfelder im Mittelmeer. Sollten die Quellen in der Tiefe wirklich so ergiebig fließen, wie vermutet wird, dann könnten sie nicht nur den Energiebedarf des kleinen EU-Landes decken, sondern Zypern auch neuen Reichtum bescheren.

Aber die Energie von morgen wird die Probleme von heute nicht lösen. So schnell fließt das Gas nicht. Und Zyperns Dauerproblem - die Teilung der Insel - erweist sich auch hier als teurer Anachronismus. Denn der kürzeste Weg für zyprisches Gas auf die europäischen Märkte würde nun mal via Unterseepipeline über die Türkei führen. Pragmatische Lösungen aber sind durch den politischen Konflikt gründlich verbaut.