Schwarz-Gelb plant, die Gewerbesteuer abzuschaffen - ein milliardenschweres Geschenk an die Wirtschaft. Doch: Woher soll das Geld für die Kommunen sonst kommen?
In diesen Wochen hat mancher Kämmerer einmal den worst case durchgerechnet, den schlimmsten aller Fälle. Dann würde die Kommune alle Ausgaben streichen, die sie streichen darf, bis auf den letzten Cent. Sie würde nichts investieren in die Kinderbetreuung, keinen Zuschuss zahlen an die Sportvereine, kein Schlagloch mehr stopfen lassen.
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Da hilft alles Rechnen nichts: Die Kassen der Kommunen sind leer. Dieses vielsagende Foto enstand im Rathaus von Kiel (© Foto: dpa)
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Das Theater würde geschlossen und das Schwimmbad. Wenn der Kämmerer dann einen dicken Strich unter seine Sparliste zieht und rechnet, kommen heraus: rote Zahlen, noch immer.
Das Sparpotenzial bis über die Schmerzgrenze ausgereizt
Das ist kein Horrorszenario, das ist Realität. Die Zahl der Kommunen, die aus eigener Kraft nicht mehr aus der Krise kommen, wächst ständig. Die beliebte Kritik an Kommunalpolitikern, sie sollten erst mal sparen lernen und keine überflüssigen Verkehrskreisel bauen, bevor sie über Geldnot klagen, ist oft leeres Gerede.
Denn die meisten Kommunen haben ihr Sparpotenzial bis über die Schmerzgrenze hinaus ausgereizt und stehen dennoch vor einem Rekorddefizit.
Die Koalition in Berlin will helfen, und zwar durch die Abschaffung der Gewerbesteuer. Sie will den Städten ihre wichtigste Einnahmequelle nehmen und diese durch Luftbuchungen ersetzen.
Das ist so sinnvoll, als ob man einen Ertrinkenden aus einem Fluss mit Krokodilen ziehen und dann hungrigen Löwen vorsetzen würde. Kein Stadtoberhaupt der Republik, ob die Kommune nun klein oder groß ist, rot oder pechschwarz regiert wird, will so "gerettet" werden.
Da die Bundesregierung nun so vernünftig war, weitere Steuersenkungen auszuschließen, sollte sie auch das Projekt Abschaffung der Gewerbesteuer beenden.
Es wäre nichts als ein milliardenschweres Geschenk an die Wirtschaft, ohne dass die Frage seriös beantwortet wäre: Woher soll das Geld denn sonst kommen? Wer hat 30 Milliarden Euro oder mehr übrig, die den Städten dann zusätzlich fehlen würden?
Es ist leicht, auf Kosten anderer liberal zu sein. Statt sich auf steuerpolitische Abenteuer einzulassen, die vor allem auf ideologische Fixierungen der FDP zurückzuführen sind, müssten Bund, Länder und Kommunen etwas ganz anderes tun: alle Ausgaben, zu denen die Städte von Bund und Ländern gezwungen werden, überprüfen.
Und sie müssten für eine ordentliche Gegenfinanzierung sorgen, wenn, zum Beispiel durch den Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz, weitere Milliardenkosten auf die Rathäuser zukommen. Man kann nur Geld ausgeben, das man hat.
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(SZ vom 15. 05. 2010/odg)
ICE-Strecke
...liegt an der Tatsache, dass die Länder, die an der Spitze der Welt liegen und welche die größte Lebensqualität für die Bevölkerung aufweisen, in der Regel auch immer starke Wohlfahrtsstaaten sind
Je weniger Wohlfahrtseinrichtungen ein Land hat, umso weiter wandert es sowohl mit seiner Wirtschaftskraft, mit dem allgemeinen Bildungsniveau seiner Bevölkerung und auch bei der Lebensqualität seiner Menschen in der Rangliste nach hinten bzw. nach unten.
Länder völlig ohne oder mit sehr schwachen Wohlfahrteinrichtungen bzw. sehr schwachen Sozialsystemen weisen außerdem in der Regel völlig indiskutable Gesellschaftsverhältnisse auf: höchste Kriminalitätsraten, niedrigste Bildungsdichte und mieseste Lebensqualität für sehr viele Menschen.
Außerdem können die Kritiker des Wohlfahrtstaates merkwürdigerweise selbst(!) nie genug Wohltaten des Staates bekommen: Wer hat denn die letzten Jahrzehnte mehr Wohltaten des Staates bekommen (ohne Nutzen für die Bevölkerung!) als die unsittlich überbezahlten Macher, Wirtschafts- und Finanzhaie, Banken, Stiftungen, Börsenzocker, Großpleitiers und Großversager?
Stehen diese Typen nicht auch sonst fast jeden Tag vor der Staatskasse und wollen dauernd irgendwelche Geschenke, Vergünstigungen, Erleichterungen oder sogar Rettungsaktionen des Staates? Möchte vielleicht jemand abstreiten, dass die Macher auch gegenwärtig ständig in mitleidheischender Weise Forderungen nach Hilfen an Papa Staat richten? An jenen Staat, den sie ansonsten immer am liebsten niederhauen würden.
Fakt ist, dass die Staatsfeinde von der FDP doch nur da Steuern senken oder abschaffen wollen, wo ihre Klientel nicht betroffen ist. Bei Subventionsabbau sähe das schon wieder ganz anders aus.
wenn der Müll von der Stadt noch abgeholt wird. Sollte das auch noch privatisiert werden, wird im besten Fall jeden Tag Müll abgeholt oder gar nicht, immer von einer anderen Firma, Wettbewerb eben, bei den Kunden, die das noch bezahlen können.
Die Gewerbesteuer ist die einzige nennenswerte Einnahmequelle, deren Höhe in der Hoheit der Kommunen liegt. Es kann nicht darum gehen, sie abzuschaffen und durch Zuweisungen aus dem Bundeshaushalt (in der Diskussion ist ja ein gewisser Anteil aus der Mehrwertsteuer) zu ersetzen. Die Mehrwertsteuer wird nämlich um Bund beschlossen, der Anteil von "Zuweisungen" dann ebenfalls, und was von den Finanzierungszusagen des Bundes zu halten ist, das haben wir ja in den letzten Jahren. gesehen
Nein, die Grundlage der Gewerbesteuer muss vielmehr verbreitert werden. Warum muss ein Zahntechniker Gewerbesteuer zahlen, ein Zahnarzt nicht? Warum zahlt der Betreiber eines Schreibbüros, aber nicht der Rechtsanwalt? Warum eine Autowerkstatt, aber kein Ingenieurbüro? Warum ein Kiosk, aber keine Wirtschaftsberatung?
Ach, es gibt so viele Fragen, aber die Antworten sehen immer gleich aus und fangen meist mit FDP an.
Die FDP verstösst mit ihren Forderungen laufend gegen das Sozialstaatsgebot.
Man möchte den Staat schwächen und diskreditieren.
Volkseigentum an Freunde verscherbeln und sich und den Seinen einen leistungslosen Wohlstand verschaffen.
Der Rest? Ach Gott, die Domestiken und der Pöbel kommen doch immer irgendwie durch.
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