Klartext zum Missbrauchsskandal: Der frühere Prior des Klosters Andechs, Anselm Bilgri, plädiert für eine Öffnung der Kirche - und kritisiert Bischof Mixa.
Anselm Bilgri, Jahrgang 1953, kam in Unterhaching zur Welt. 1975 trat er in den Benediktinerorden ein, studierte Theologie und Philosophie, 1980 weihte ihn der damalige Münchner Erzbischof Joseph Ratzinger, der heutige Papst Benedikt XVI, zum Priester.
Anselm Bilgri: "Es ist falsch, wenn die Kirche sich angesichts dieser furchtbaren Fälle einigelt." (© Foto: Stephan Rumpf)
Anzeige
Der breiteren Öffentlichkeit wurde der Mönch Anselm Bilgri bekannt als Cellerar der Abtei St. Bonifaz und Prior im Kloster Andechs. Seit seinem Ordensaustritt lebt Bilgri als Buchautor in München. Er ist weiterhin Priester.
sueddeutsche.de: Herr Bilgri, der Missbrauchsskandal in katholischen Einrichtungen weitet sich von Tag zu Tag mehr aus. Was ist Ihr Rat an die Kirche in dieser Situation?
Anselm Bilgri: Kurzfristig: Unbedingte Offenheit, Klarheit und Transparenz. Auf keinen Fall etwas vertuschen oder auch nur den Eindruck erwecken, etwas verschleiern zu wollen.
sueddeutsche.de: Der Vatikan reagiert mit harschen Tönen auf die Missbrauchsmeldungen aus Irland, Deutschland und anderswo. Der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper sprach davon, in der Kirche "aufräumen" zu wollen. Ist dies der richtige Weg?
Bilgri: Wenn Kardinal Kasper damit den offenen Umgang mit der Causa meint, dann ja. Aber wenn das "Aufräumen" bedeutet, dass man nur die alte Sexualmoral einhämmert und die Schotten dicht macht, dann tut sich die Kirche keinen Gefallen. In dieser Hinsicht folgt ihr die Gesellschaft nicht mehr.
sueddeutsche.de: Können Sie das näher erläutern?
Bilgri: Mit den Missbrauchsfällen wird ein für die Kirche ohnehin hochsensibles Thema berührt: Der Umgang mit Sexualität insgesamt. Fakt ist: Viele Katholiken empfinden heute die Freiheit der sexuellen Selbstbestimmung, die Kirche hält strikt dagegen. Und nun kommen ausgerechnet im innersten Kreis, bei Ordensleuten, immer neue Fälle ans Tageslicht, wo mit Sexualität in solch menschenverachtender Weise umgegangen wurde. Die Kirche hat damit ein Glaubwürdigkeitsproblem. Aber dieser Missbrauchsskandal trägt - so furchtbar er ist - auch eine Chance für die Kirche in sich.
sueddeutsche.de: Die da wäre?
Bilgri: ... dass sie sich jetzt offener mit Sexualität auseinandersetzt.
sueddeutsche.de: Was sie bislang nicht tut. Ultrakonservative Kirchenmänner wie der Augsburger Bischof Mixa geißeln den Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen sogar als Folge der sexuellen Revolution.
Bilgri: Ich halte dies für einen Fehlschluss. Es ist falsch, wenn die Kirche sich angesichts dieser furchtbaren Fälle einigelt.
sueddeutsche.de: Herr Mixa tendiert zum Verbarrikadieren.
Bilgri: Bischof Mixa vertritt ja bloß die herkömmliche katholische Sexualmoral. Die besagt, Sex dürfte nur in der Ehe stattfinden. Alles andere ist Sünde, sogar schwere Sünde. Dieser Charakter der schweren Sünde ist die Hauptbarriere, hier sollte man ansetzen. Es müssten andere Wege gefunden werden.
sueddeutsche.de: Wie könnte so ein Ansatz lauten?
Bilgri: Beispielsweise, indem die Kirche auch einen Lernprozess im Bereich der Sexualität auf dem Weg zu dieser Vollform Ehe akzeptiert, ein Unterwegssein. Voraussetzung ist selbstverständlich: Die Freiheit anderer Menschen darf nie beeinträchtigt werden.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum Anselm Bilgri auch das Thema Zölibat diskutieren will.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 3 nächste Seite
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Thema
- Anselm Bilgri RSS
- Kirche und Missbrauch Nun will der Vatikan durchgreifen 06.03.2010
- Missbrauchsskandal Trost oder Grenzübertretung? 09.03.2010
- Misshandlungen bei den Domspatzen Ratzingers Beichte 09.03.2010
- Missbrauchsskandal "Und dann kommen die Machtspiele" 09.03.2010
- TV-Kritik: Menschen bei Maischberger Ab ins finsterste Mittelalter 10.03.2010
- Stress und Burn-out In der Ruhe liegt die Kraft 20.09.2009
Bilder des Tages
anderen Blickwinkel, als der damalige Erzbischof von München.
Trotzdem sollte die Kirche es mindestens den Weltpriestern freistellen zu heiraten oder nicht. Das wäre schon der erste notwendige Schritt und würde Ruhe reinbringen.
Mißbrauch wird dadurch natürlich nicht ausgeschlossen und es sollte offen damit umgegangen werden via Staatsanwalt.
Mixa liest sich gern in der Presse. Der Pfarrer von Schrobenhausen. er ist hier nicht ernst zu nehmen.
Pfoten weg. Berühren der Figüren mit den Pfoten ist verboten.
"stellt sich die Frage eines geordneten Mittelweges, eines Realitätsprinzips, das der Komplexität des Wirklichen gerechter wird als das Bisherige"
Die aktuelle Empörung um den Missbrauch in katholischen Einrichtungen ist wenig hilfreich. Geschürt werden vor allem Vorurteile ... Aber die Dinge liegen anders, komplexer. - - -
Empörung oder Rebellion und Revolte gegen den Missbrauch von Kindern ist sehr wichtig, selbst wenn dabei einige Vorurteile verbreitet werden sollten. Ein bisschen Che darf schon sein. Nur so kann dieses Unrecht mit seinen Ursachen in der fast 2000jährigen Geschichte der KK im Hinblick auf den Kindesmissbrauch erkannt und aufgelöst werden. Der Gruppengeist sollte dem nicht im Wege stehen. Das wäre gegensätzlich und selbst eine noch so gut gemeinte Apologie (Verteidigung) auch. Besser ist eine ehrliche Aufklärung, und dass wir jede Träne von ihren Augen abwischen und dass keine Trauer, noch [Weh]Geschrei, noch [Seelen]Schmerz mehr sein wird, bei Opfern und Tätern. (Offb. 21:4) - - -
Das Zölibat ist Mitverursacher, nicht monokausal, für diverse sexuelle Abartigkeiten. Die quasi magnetische Seele diverser Täter hat sich einst, durch ihre nachhaltigen gegensätzlichen Empfindungen, Gedanken und Taten, mit solchen unnatürlichen Praktiken infiziert. Das Ganze ist in der Tat komplexer, umfassender und vielfältig verflochten, verstärkt durch Menge mal Zeit in der Ewigkeit. So ist eine Infizierung z. B. auch im alten Griechenland oder Rom möglich gewesen. Der nachhaltige sexuelle Umgang mit einem Lustjungen kann sich in der Seele verfestigt haben und strahlt in den Körper ein. So wurde auch gesät und der Mensch wird es ernten und ist pädophil. - -
Ja, theokratisch geführte Organisation tendieren zur Unterwerfung. Oft wird bedingungsloser Gehorsam verlangt. Schutzbefohlene, wie die Kinder, können sich so nicht frei entfalten. Oftmals sind sie eingeschüchtert, abhängig, die Täter haben leichtes Spiel. - - -
Der Weg von einer normalen Entwicklung auf einen ganz anders gelagerten Charakter der geschlechtlichen Gefühle ist oft nicht weit, denn in der Not frisst der Teufel Fliegen. - - -
Eine Umstrukturierung, welche einen höchstmöglichen Schutz der Abhängigen gewährleistet, ist dringend erforderlich. Rabbi Jesus, der jüdische Prediger soll gesagt haben, indem er die Kinder einschloss: Weide meine Lämmlein, Hüte meine Schafe., Weide meine Schafe. (Johannes 21:15-17)
Zitat Interview: "Bischof Mixa vertritt ja bloß die herkömmliche katholische Sexualmoral. Die besagt, Sex dürfte nur in der Ehe stattfinden. Alles andere ist Sünde, sogar schwere Sünde. Dieser Charakter der schweren Sünde ist die Hauptbarriere, hier sollte man ansetzen. Es müssten andere Wege gefunden werden. Beispielsweise, indem die Kirche auch einen Lernprozess im Bereich der Sexualität auf dem Weg zu dieser Vollform Ehe akzeptiert, ein Unterwegssein. Voraussetzung ist selbstverständlich: Die Freiheit anderer Menschen darf nie beeinträchtigt werden."
Nachdem schon Luther die Sexualität vom Kontext des Sündhaften eher in den Kontext des Natürlichen stellte, und schon Paulus sinngemäß schrieb, man sollte Kinder nicht misshandeln, "damit sie nicht mutlos werden", andererseits aber Tendenzen moralischen Verfalls quer durch die Geschichte erkennbar sind, stellt sich die Frage eines geordneten Mittelweges, eines Realitätsprinzips, das der Komplexität des Wirklichen gerechter wird als das Bisherige.
es geht doch nur noch darum, irgendwoher Kohle zu bekommen, den alten Weg weiterzugehen und den Alten das Himmelreich zu versprechen.
Nix für eine neugierige Jugend und obendrein sterbenslangweilig, man darf ja nicht mal vernünftig Wissenschaffen.
Der letzte mache das Licht aus, so wird wenigstens Energie gespart! 500 Jahre ungenutzte Zeit....
Paging