Erst sorgt die Kirche für mehr Transparenz, dann macht ein Kurienkardinal Homosexualität für Pädophilie verantwortlich. Der Vatikan springt im Missbrauchsskandal vor, zurück und seitwärts.
Das Verhalten des Vatikans im Missbrauchsskandal erinnert an die Echternacher Springprozession. Dort sprangen einst die Gläubigen drei Schritte vor und zwei zurück und kamen dann irgendwann doch beim Grab des Heiligen Willibrod an, der zur Hilfe bei Krämpfen und Nervenkrankheiten angerufen wird. Im Missbrauchsskandal ist es so, dass die römische Kurie nicht nur vor und zurück, sondern auch noch seitlich springt: Einem Bekenntnis folgen zwei Beschwichtigungen und drei Ausreden.
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Einem Bekenntnis folgen zwei Beschwichtigungen und drei Ausreden: Kurienkardinal Tarcisio Bertone und Papst Benedikt XVI. (© Foto: dpa)
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Soeben wieder: An einem Tag veröffentlicht der Vatikan seine internen Regeln, welche die kirchlichen Verantwortlichen verpflichten, bei sexuellem Missbrauch sofort den Staatsanwalt einzuschalten. Das war ein Schritt der Wahrheit.
Am nächsten Tag aber folgt der Schritt der Unwahrheit: Kurienkardinal Bertone schiebt die Schuld am sexuellen Missbrauch durch Priester auf die Homosexualität, also auf die Beziehungsform, welche die katholische Kirche seit jeher verdammt.
Neue Schuld durch Abwiegeln
Diese verweigert sich der Erkenntnis, die der heilige Irenäus von Lyon schon im vierten Jahrhundert hatte: Nihil salvatur, nisi acceptatur. Nichts kann geheilt werden, was nicht zuvor akzeptiert worden ist. Die Kirche will ihre Verantwortlichkeit für den sexuellen Missbrauch durch Priester nicht ohne Wenn und Aber akzeptieren.
Sie lädt neue Schuld auf sich, wenn sie abwiegelt. Und sie lädt Schuld auf sich, wenn sie überführte Sexualstraftäter in einem kirchlichen Dienstverhältnis belässt und es dann zu einer erneuten Tat kommt. Die Kirche hat eine Garantenpflicht. Sie verletzt diese Pflicht in strafbarer Weise, wenn Sexualstraftäter von ihr die Macht zurückbekommen, die sie missbraucht haben.
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... geriatrischen Mummenschanzverein ein ewiges Leben !
Aber , bitte , nicht in d i e s e r Welt !
Herr Prantl hat, wie auch in seinen früheren Kommentaren zu den traurigen und zum Teil kriminellen Ereignissen in der katholischen Kirche und deren oft hilflosen Versuchen diese zu bewältigen, den Kern der Sache getroffen.
Dr.med. Dipl.theol.(kath) L. Rogg
Der Beitrag von Lena632 u.a. zeigt, dass es nur einen Weg für den denkenden Teil der Menschen im Einzugsbereich religiöser Krimineller gibt:
Verlasst diese Organisation, nutzt keine ihrer Einrichtungen, spendet keinen Cent für Aktionen, wo die Kirchen auch nur mit Einzelpersonen beteiligt sind, verweigert Euch religiösen Symbolen, Ritualen, Bauten in jeder Form.
Und lasst uns die Diskussion mit dem Aberglauben und seinen Protagonisten beenden. Wir sind doch keine Therapeuten.
Rettet erstmal Eure Kinder. Wenn die Religiösen und Abergläubischen eher einen Missbraucher ihrer Kinder verteidigen als das Wohl ihrer Kinder zu schützen, sind sie zwar zu verachten, aber kaum zu überzeugen.
Ich sprach von Minderheiten, die soziologischen Erkenntnissen nach besonders geeignet sind als Sündenböcke eingesetzt zu werden um von eigenem Versagen abzulenken. Was diese Erkenntnis mit Gutmenschentum zu tun hat, ist mir rätselhaft.
Und wenn Sie die katholische Kirche mit einem Anteil von ca. 32% an der Gesamtbevölkerung als Minderheit bezeichnen, dann finde ich das einfach lächerlich.
Erklären Sie mir lieber, warum die Schuldzuweisung von Vatikan-Außenminister Bertone auf die Homosexualität kein Ablenkungsmanöver sein sollte.
Bei aller Emotionalität eines Themas wie dem des Missbrauchs, insbesondere dem an Kindern und Schutzbefohlenen, scheint es um so notwendiger, auf beiden Seiten zu einer neuen Sachlichkeit zu finden, die das Problem in der Katholischen Kirche nicht weiter zerredet, sondern zu ernsthaften Konsequenzen und präventivem Vorgehen führt.
Die Kirche muss sich der Realität stellen, nicht länger mit religiösen Floskeln und tief verwurzelter schwarz-weiß-Malerei auf Vorwürfe zu reagieren und sie als Generalangriff zu verstehen, und all jene, die nur zu gern mit unbelegbaren Behauptungen und grundlegender Antipathie argumentieren, sind ebenso aufgefordert etwas mehr Differenziertheit an den Tag zu legen.
Wir alle wissen dass Kindesmissbrauch eine Vielzahl von Ursachen und Auslösern hat. Würde man sich die Mühe machen die Täter in den Kirchen genauer zu analysieren, käme man mit Sicherheit auf die verschiendensten Ursachen, und oft auf mehrere zu gleich.
Dass neben Juden, Freimaurern, Atheisten und Sexshopangestellten nun auch Homosexuelle ins Visir geraten ist offenbar nur ein weiterer Versuch, von eigener Schuld abzulenken. In diesem Falle jedoch auf besonders perfide Weise. Dass in katholischen Ämtern eine Vielzahl von Homosexuellen zu finden sind, hat doch unter anderem den Grund, dass sie in einem Umfeld der Ablehnung und Denunzierung aufwachsen. Wenn man täglich, wie am Sonntag bei Anne Will live zu erleben, gesagt bekommt, dass das was man fühlt, die Zuneigung und Liebe die man empfindet pervers, abartig und der Untergang des Abendlandes ist, dann flüchtet man ganz natürlich in eine Welt, in der man sich einer solchen Problematik nicht weiter stellen muss. Das zölibatere Leben ist für jemandem mit entsprechendem Umfeld ein Ausweg, den leider noch immer viel zu viele gehen. Ist es doch ein deutlich leichterer Weg, als sich dem eigenen Ich zu stellen und auch gegen Widerstände zu leben.
Dass derartige Gefühlswelten auch mit dem ernstgemeintesten Schwur nicht aus der Welt zu schaffen sind, liegt in der Natur der Dinge. Und dass ein solches Leben mitunter auch dazu führen kann, den unterdrückten Bedürfnissen dort nachzugeben, wo sich die Gelegenheit bietet, bei den anvertrauten Kindern also, ist auch naheliegend. Daraus schließend aber die Homosexualität verantwortlich zu machen ist absurd. Es ist nicht das Schwulsein, sondern der gesellschaftliche und besonders der kirchliche Umgang damit. Die Schuld daran trägt zu einem großen Teil die Institution Kirche selbs
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