Kambodscha Früherer Rote-Khmer-Außenminister Ieng Sary ist tot

Er stand wegen Völkermords und Kriegsverbrechen vor dem Rote-Khmer-Sondertribunal, doch zu einem Urteil wird es nun nicht mehr kommen: Der ehemalige kambodschanische Außenminister Ieng Sary ist mit 87 Jahren gestorben. Damit müssen sich nur noch zwei ranghohe Rote Khmer für die Gräueltaten des Regimes verantworten.

Der wegen Völkermords, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen angeklagte frühere Außenminister der Roten Khmer in Kambodscha, Ieng Sary, ist tot. Er starb im Alter von 87 Jahren, wie das von den Vereinten Nationen unterstützte Sondertribunal zur Gewaltherrschaft der Roten Khmer in Phnom Penh mitteilte.

Ieng Sary sei am Donnerstagmorgen gestorben, nachdem er bereits seit zehn Tagen im Krankenhaus gewesen sei. Sein Anwalt sagte, Verdauungsprobleme hätten sein schwaches Herz zu sehr belastet.

Der Verstorbene gehörte zur Führungriege der Roten Khmer, die in den 1970er Jahren eine Gewaltherrschaft in Kambodscha aufbauten. Er galt als "Bruder Nummer Drei". Ieng Sary war Mitbegründer und Außenminister des Regimes, unter dessen Herrschaft Schätzungen zufolge bis zu zwei Millionen Menschen - und damit fast ein Viertel der kambodschanischen Bevölkerung - ums Leben kamen. Er stand seit 2011 vor Gericht, wo er sich wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermords verantworten musste.

Mit ihm angeklagt sind "Bruder Nummer Zwei" Nuon Chea, der 86 Jahre alt ist, und der inzwischen 81-jährige einstige Staatschef Khieu Samphan. Die Angeklagten haben die gegen sie erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen. Unter den Angeklagten war auch Sarys Frau Ieng Thirith. Sie war Sozialministerin unter den Roten Khmer. Gegen sie wurde das Verfahren bereits ausgesetzt, weil sie dement ist.

Ieng Sary wurde als Sohn einer armen Khmer-Familie Familie in Vietnam geboren und entwickelte sich zu einem radikalen Studenten. Er bestritt stets, von den Massenhinrichtungen unter den Roten Khmer gewusst zu haben.

Das Regime der Roten Khmer, das einen utopischen Agrarstaat schaffen wollte, wurde von "Bruder Nummer Eins" Pol Pot angeführt. Er starb 1998.