Worauf warten die Regierungschefs der Eurozone? Seit mehr als einem Jahr müssten sie wissen, welche Risiken die griechische Schuldenkrise für die EU bedeuten. Von Entschlossenheit fehlt jede Spur, stattdessen dominieren nationale Egoismen und Zögerlichkeit. Entweder will man den Euro erhalten - oder ganz abwickeln. Dieser Schritt würde Europa um ein halbes Jahrhundert zurückwerfen.
Seit dem Beginn der griechischen Schuldenkrise im Spätwinter 2010 mussten und müssen die wichtigsten europäischen Akteure eigentlich um die Risiken und Konsequenzen wissen, die sich für die EU daraus ergeben. Sie hinterlassen beim Publikum aber nicht diesen Eindruck.
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Ein Rettungsschirm für Griechenland? Die Euro-Finanzminister wollen erst Sparbeschlüsse in Athen abwarten, bis weitere Milliardenhilfen fließen. (© dpa)
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Es geht seit damals nicht nur um Griechenland, sondern um sehr viel mehr: Es droht ein von der ungeordneten Insolvenz Griechenlands ausgehender Schneeballeffekt, der weitere Länder der südlichen Peripherie der EU, darunter auch sehr große, und damit systemrelevante europäische Banken und Versicherungen mit in den Abgrund reißen wird; es droht in der Folge davon eine erneute Krise des Weltfinanzsystems mit einem erneuten weltwirtschaftlichen Schock wie im Herbst 2008; und es droht ein Scheitern der Eurozone, das den gemeinsamen Markt nicht unbeschädigt lassen wird und deshalb auch zum ersten Mal in seiner Geschichte ein Scheitern des europäischen Projektes als solchem. Im Klartext: es geht um fast alles!
Warum aber regiert statt energischem Krisenmanagement und einer visionären Neuausrichtung der EU als Antwort auf deren existenzbedrohende Krise fast ausschließlich das Prinzip des "Zuwenig und zu spät"? Mangelnde Entschlossenheit, Zögerlichkeit, nationale Egoismen und ein dramatisches Führungsdefizit bestimmen das Verhalten der EU und ihrer wichtigsten Mitgliedstaaten in dieser Krise.
Auch Staaten können pleitegehen, aber anders als Unternehmen verschwinden sie danach nicht. Sie bleiben. Und man sollte deshalb Staaten weder bestrafen noch ihre fortgeltenden Interessen unterschätzen. Statt Bestrafung empfiehlt es sich, zahlungsunfähigen Staaten Hilfe zur Neustrukturierung zu gewähren, und zwar nicht nur im finanziellen Sektor, sondern darüber hinaus, damit sie sich aus ihrer Krise herausarbeiten können.
Dieses Faktum gilt heute ganz besonders für Griechenland, dessen Strukturprobleme noch weitaus umfassender sind als seine Zahlungsschwierigkeiten. Warum die EU bisher darauf verzichtet hat, diese umfassenden Strukturprobleme gemeinsam mit der griechischen Regierung anzupacken, eine entsprechende Wiederaufbaustrategie für die Realwirtschaft und die staatlichen Strukturen und deren Finanzierung zu entwickeln und so der griechischen Bevölkerung ein Licht am Ende des Tunnels zu zeigen, ist ebenfalls schwer erklärlich.
Jeder weiß, dass Griechenland sich ohne eine massive Entschuldung nicht aus seiner Krise wird herausarbeiten können. Die Frage ist nur noch, ob dies geordnet und kontrolliert geschieht oder ungeordnet und mit chaotischen Konsequenzen weit über Griechenland hinaus. Die Debatte in Deutschland, ob man die griechischen Schulden bezahlen müsse, ist angesichts der Faktenlage schlicht lachhaft, denn entweder kommt es zu einem geordneten Zahlungsausfall oder zu einem ungeordneten. Im ersten Fall wird Deutschland, gemeinsam mit anderen, bezahlen müssen. Im zweiten Fall gilt dies aber erst recht, weil dann sofort offensichtlich würde, dass es weniger um Griechenland als vielmehr um die Zahlungsunfähigkeit europäischer Banken und Versicherungen ginge, deren Pleite ein systemisches Risiko nach sich zöge.
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sind Infrastruktur, Bildung und produzierendes Gewerbe. Soll man doch die Währung ins Bodenlose abstürzen lassen, dann sind die Schulden (und vielleicht auch der virtuelle Sektor) weg.
Doch sollte man auch sagen, dass Fehler bei der EU-Gründung gemacht wurden. Es wurde ein Steuerwettbewerb zwischen den EU-Staaten zugelassen. Marktradikale Ideologen haben dann die Steuern vor allem der Grossverdiener nach unten gesetzt, um Kapital anzulocken - Irland ist sogar noch ein besseres Beispiel. Dadurch hatten die Staaten zu wenig Einnahmen und mussten Schulden bei den Leuten machen, den sie zuvor Steuergeschenke gemacht haben, um letztendlich an deren Zinsen zu ersticken. Ausserdem wurden Löhne zugelassen, die im unteren Bereich gar keine Steuereinnahmen mehr generieren (ausser Mehrwertsteuer). Und der Ottonormalbürger soll die Zeche nun zahlen, der griechische wie der deutsche.
Da liegt das grundlegende Problem und nicht wie Fischer denkt im Zusammenbruch des Weltfinanzsystems. Dieses kann man ruhig abstürzen lassen, es hat eh die geringsten Probleme sich zu regenerieren.
Mit all dem Geschrei von Fischer bis Forumsnutzer XY kommen wir doch nicht weiter.
Ernsthaft: Es gibt doch keine beste Lösung ausser der, welche die Mehrheit der Geber und Nehmer mitträgt. Einfach nur Demokratie.
Wenn also das griechische Volk mehrheitlich wirklich bereit ist, seine Selbstverantwortung zu tragen und seinen höchsteigenen Staat wirklich zu erneuern, Vetternwirtschaft, etc. ganz aussen vor zu lassen und hart zu bestrafen, so bin ich gerne bereit, dafür Steuern zu bezahlen. Wie das Volk seinen Staat will, ist mir erst einmal egal, aber es muss ein "Partner Griechenland" werden und nicht das abhängige Baby an Mutters Brust. Doch der Entscheid liegt beim Volk, nur so kann von jedem einzelnen Bürger Selbstverantwortung verlangt werden.
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'Wiederaufbaustrategie für die Realwirtschaft', das ist eine der üblichen Worthülsen aus dem ewigen Mantra Griechenland-Hilfe-um-jeden-Preis-Mekka.
Kein seriöser Ökonom geht davon aus, daß diese notwendigen strukturellen Eingriffe in GR überhaupt akezptiert werden und eben nicht wieder die üblichen nationalistischen Abwehrreflexe auslösen, vielleicht teilweise sogar verständlich. Da kurisert dann die Vorstellung eines EU Kommissars, der das Land modernisieren soll, wie einst römische Statthalter korrupte Provinzen, eine absurde völlig unpolitische Vorstellung.
Und es kann auch nicht darum gehen, den Griechen ihre Mentalität vorzuhalten, wenn sie damit so leben wollen. Nur im EURO Raum haben sie mit diesem Wirtschaftsverständnis nichts zu suchen, weil das Land in diesem Kontext nie eigenverantwortlich entwicklungsfähig ist.
Die Weimarer Republik war eine Republik. Was ist die EU?
60 Jahre Frieden hatten wir, weil wenige (!) Nachbarn friedlich zusammengearbeitet haben. Das konnten wir als EG sehr gut. Um mit einem Nachbarn befreundet zu sein, muß ich ihn ja nicht gleich heiraten!
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