Vor den in Silber gerahmten Fotos seiner Enkel wandte sich der in einen staatsmännisch dunklen Anzug gekleidete Premier am Sonntagabend in einer Videobotschaft an seine Parteifreunde. Darin wies Silvio Berlusconi alle Vorwürfe zurück. Er beschuldigte, wie schon oft, die Staatsanwälte, ihn zu verfolgen. Außerdem sei seine Freundin bei den Abenden in Arcore dabei gewesen und hätte kaum geduldet, dass sich Unschickliches zugetragen habe.

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Es sei "absurd, auch nur zu denken, ich könnte für Beziehungen mit einer Frau bezahlt haben. So etwas habe ich nicht ein einziges Mal in meinem Leben getan. Das würde ich als Herabsetzung meiner Würde empfinden." Dass Berlusconi persönlich Geld für gewisse Dienstleistungen übergeben hat, ist in der Tat nicht bekannt.

Dafür aber gibt es diverse Aussagen aus früheren Affären, dass Frauen für ihre Besuche mehrere hundert oder tausend Euro von Leuten aus Berlusconis Umgebung erhielten. In Erinnerung ist auch die sich zu ihrem Beruf bekennende Escort-Dame Patrizia D'Addario. Sie hatte mit ihrem Handy eine Unterhaltung aufgezeichnet, die sie mit Berlusconi in dessen Bett in seiner römischen Wohnung führte.

Deutlich hat der Mailänder Oberstaatsanwalt Edmundo Bruti Liberati am Montag auf die Anschuldigen des Regierungschefs gegen die Justiz reagiert: "Die Staatsanwaltschaft Mailand geht ihrer täglichen Arbeit in aller Sachlichkeit nach und hält dabei unerschütterlich fest an den Verfassungsprinzipien der Gleichheit aller vor dem Gesetz, der Pflicht zur Strafverfolgung und der Unschuldsvermutung", antwortete er.

Die Abgeordneten sind peinlich berührt

Unterdessen tun Berlusconis Anwälte Niccolò Gheddini und Piero Longo das Ihre. Einerseits weisen sie die Vorwürfe zurück. Sie versuchen aber auch, mit formalen Einwänden gegen die Vernehmung des Premiers zwischen 21. und 23. Januar und vor allem gegen eine Prozesseröffnung vorzugehen. So bestreiten sie die Zuständigkeit der Mailänder Staatsanwälte. Für einen Teil der Vorwürfe sei ein besonderes Gericht für Minister zuständig, für einen Teil das Gericht in Monza, wozu Arcore gehört.

Allerdings wohnten die fraglichen Frauen und die übrigen Beschuldigten in Mailand. Dort soll auch Geld für Besuche in Arcore geflossen sein, und Ruby wurde in Mailand festgenommen. Wie es weitergeht, entscheidet ein Gremium des Abgeordnetenhauses. Den Mitgliedern gingen am Montag die Ermittlungsakten zu. Sie sollen entscheiden, ob sie einem Antrag der Staatsanwälte stattgeben. Diese wollen in Mailand die Büros eines bei Berlusconis Unternehmen angestellten Finanzprüfers durchsuchen.

Der immer wieder als "Kassenwart" der Familie bezeichnete Giuseppe Spinnelli soll Teilnehmerinnen der Abende in Arcore ausgezahlt haben. Wie das Parlamentsgremium entscheidet, soll am Mittwoch feststehen. Einer der Abgeordneten soll am Montag gesagt haben, er sei nach Lektüre der Akten peinlich berührt.

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(SZ vom 18.01.2011/mob)