Italien Italiens Katholiken wehren sich gegen Gleichstellung homosexueller Paare

Matteo Renzi will homosexuelle Partnerschaften rechtlich aufwerten- und Traditionalisten laufen Sturm.

(Foto: REUTERS)
  • Italiens Premierminister Matteo Renzi will homosexuelle Partnerschaften rechtlich aufwerten.
  • Katholische Vereinigungen und Traditionalisten demonstrieren mit einem "Family Day" gegen das Gesetz.
  • Italien ist von allen großen Ländern im westlichen Europa das einzige ohne Rechtsrahmen für homosexuelle Paare.
Von Oliver Meiler, Rom

Was für eine Aufregung wegen einer Hausbeleuchtung! Seit Beginn der Woche brennt in einigen Dutzend Büros des "Pirellone", wie die Mailänder das Hochhaus aus Stahl und Glas der lombardischen Regionalverwaltung nennen, das Licht die ganze Nacht lang. Die Büros wurden so ausgewählt, dass die Lichter, wenn man sie als zusammenhängendes Ganzes wahrnimmt, eine Botschaft formen: "Family Day", liest man da.

Die rechte Regionalregierung der Lombardei stellt sich mit diesem Lichtspielchen in polemischer Manier hinter die Organisatoren einer Kundgebung, die am kommenden Samstag in Rom stattfinden soll. Hunderttausende werden erwartet. Am "Family Day" wollen katholische Vereinigungen und andere Traditionalisten gegen ein neues Gesetz der linken Regierungsmehrheit von Premier Matteo Renzi demonstrieren. Es soll die Rechte gleichgeschlechtlicher Paare garantieren. Der "Pirellone", finden nicht nur viele Mailänder, hat sich in dieser Frage herauszuhalten.

Versucht haben es schon mehrere Regierungen

Italien ist im Verzug. Von allen großen Ländern im westlichen Europa ist es das einzige, das noch immer keinen Rechtsrahmen für homosexuelle Paare geschaffen hat. Im vergangenen Sommer erhielt es dafür eine Rüge vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

Versucht haben es seit 1988 schon mehrere Regierungen. Doch alle beugten sich am Ende dem Druck der katholischen Kirche, die in gesellschaftspolitischen Angelegenheiten ihren Einfluss stets vehement geltend macht. Nun kommt ein neuer Vorschlag in den Senat. Ein moderater, kein radikaler Vorschlag - ein Kompromiss eben. Und dennoch wagt niemand vorauszusagen, ob er durchkommen wird. Die Gegner haben 6000 Abänderungsanträge gestellt.

Das Gesetz, die "Legge Cirinnà", trägt den Namen einer Abgeordneten des Partito Democratico: Die Römerin Monica Cirinnà, 52, verheiratet mit einem Parteikollegen, der vier Kinder in ihre Ehe brachte, hat es formuliert, sie muss es erklären. Seit Monaten tritt sie in allen Medien auf und versucht, der Debatte die Dramatik zu nehmen - freilich ohne Erfolg.

Ihr Vorschlag der "Unione civile" kommt dem deutschen Vorbild der Eingetragenen Lebenspartnerschaft sehr nahe. Künftig sollen homosexuelle Paare auch in Italien ihre Beziehungen offiziell registrieren lassen können, mit allen Rechten und Pflichten. Man hätte auch die Form der Homo-Ehe wählen können, wie das andere Länder getan haben, die ebenfalls stark katholisch geprägt sind - etwa Spanien, Portugal und Frankreich. Im italienischen Volk, das oft progressiver tickt als seine Politiker, wäre wohl auch dafür eine Mehrheit zu finden.