Israel Vier Soldaten sterben bei Lkw-Anschlag in Jerusalem

  • Ein Palästinenser hat einen Lkw absichtlich in eine Gruppe von israelischen Soldaten gefahren, die sich gerade auf einem Ausflug befanden.
  • Laut dem israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu unterstützte der Mann die Terrormiliz Islamischer Staat.
  • Bei dem Anschlag wurden vier Menschen getötet, der Attentäter wurde von umstehenden Soldaten erschossen.

Bei einem Anschlag im Ostteil Jerusalems sind am Sonntag vier Menschen mit einem Lastwagen getötet worden. Das sagte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bei einem Besuch am Anschlagsort. Bei den Toten handele es sich um drei Frauen und einen Mann im Alter von 20 bis 22 Jahren. Mindestens 17 weitere Menschen wurden verletzt. Der Attentäter, der laut Netanjahu ein Anhänger des IS sein soll, wurde erschossen. Zu dem Anschlag bekannt hat sich bisher niemand.

Der Lkw sei absichtlich in eine Gruppe von Soldaten gesteuert worden, die auf der Armon Hanaziv Promenade in Ostjerusalem gerade aus einem Autobus gestiegen waren. Der Anschlagsort ist ein beliebter Aussichtspunkt, er bietet einen spektakulären Ausblick über die Jerusalemer Altstadt. Die Armee bringt häufig Soldaten zu Ausflügen dorthin, damit sie etwas über die Geschichte der Stadt lernen. In Jerusalem gilt nun eine erhöhte Sicherheitsstufe.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zufolge deutet derzeit alles darauf hin, dass der Attentäter ein Unterstützer der Extremistenmiliz IS war. Die Identität des Mannes sei mittlerweile bekannt. Er soll aus dem arabischen Ostteil Jerusalems stammen. Nachbarn sagten, er sei ein Anhänger des Salafismus gewesen, einer ultrakonservativen Auslegeung des Islam, die sowohl friedliche, als auch gewaltsame Strömungen hat.

Israels Armee belagerte danach das arabische Viertel Dschabal Mukaber, aus dem der Attentäter stammte. Die Polizei nahm fünf seiner Angehörigen fest.

Nachrichtensperre verhängt

Ein Busfahrer schilderte im Radio, der Fahrer habe seinen Lastwagen auf eine Gruppe von Soldaten zugesteuert. Diese hätten auf den Angreifer geschossen, der daraufhin gewendet habe und erneut in die Gruppe gefahren sei. Israelischen Fernsehsendern zufolge wurde der Angreifer dabei getötet.

Am Tatort erklärte Polizeichef Roni Alscheich, dass es keine Warnung vor einem solchen Anschlag gegeben habe. Der Inlandsgeheimdienst Schin Bet wurde in die Ermittlungen eingeschaltet. Zu den Ergebnissen wurde zunächst eine Nachrichtensperre verhängt. So blieb zunächst unklar, ob der Täter allein handelte und ob er den Lastwagen, der ein gelbes israelisches Nummernschild trägt, möglicherweise wie der Berlin-Attentäter zuvor gestohlen hatte.

Ein Mitarbeiter des Rettungsdienstes Zaka sagte, den Sanitätern vor Ort habe sich ein schlimmer Anblick geboten. Einige der Opfer, darunter auch Tote, waren unter dem Lastwagen eingeklemmt. Sie mussten mit einem Kran befreit werden.

Jerusalems Bürgermeister Nir Barkat sagte: "Die Grausamkeit der Terroristen kennt keine Grenzen und sie scheuen kein Mittel, Juden zu ermorden und den Alltag in der Hauptstadt zu stören. Jene, die zur Gewalt aufhetzen und den Terror unterstützen, müssen einen hohen Preis zahlen."

Ein Sprecher der im Gazastreifen herrschenden Hamas begrüßte den Anschlag, bekannte sich aber nicht zu der Tat. Der Anschlag zeige, dass der gewaltsame Widerstand gegen Israelis trotz einer Ruhephase nicht beendet sei, sagte Hamas-Sprecher Abdul-Latif Kanu.

Der Stadtteil Armon Hanaziv, wo sich der Anschlag ereignete, liegt in dem 1967 von Israel eroberten Teil Jerusalems. Die Palästinenser beanspruchen das Gebiet als Teil einer künftigen Hauptstadt für sich. Israel sieht jedoch ganz Jerusalem als seine "ewige, unteilbare Hauptstadt". In dem Stadtteil war es seit Beginn der neuen Gewaltwelle im Herbst 2015 immer wieder zu Anschlägen gekommen.

Erfahrungsgemäß führen solche blutigen Anschläge in Israel oft zu harten Reaktionen. Dies dürfte zu einer neuen Verhärtung der Fronten zwischen Israelis und Palästinensern führen, nachdem in den vergangenen drei Monaten die Zahl der Angriffe deutlich zurückgegangen war.