Islamkonferenz Angst vor dem bösen Muslim

Während in der arabischen Welt die Sehnsucht nach Demokratie die Menschen auf die Straße treibt, herrscht in Deutschland eine hysterische Furcht vor dem Islam. Innenminister Friedrich bedient Klischees erzkonservativer Kreise.

Ein Gastbeitrag von Aiman A. Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland

Die Bürger vieler arabischer Staaten beeindrucken uns alle durch ihren Mut: Unter Gefahr für Leib und Leben gehen sie auf die Straße, um für ihre Freiheit zu kämpfen. Alle Schichten der Gesellschaft sind beteiligt. Die Welt ist Zeuge geworden, wie Christen Muslime während des Freitagsgebets auf dem Tahrir-Platz vor bezahlten Schlägern schützten und umgekehrt Muslime die Christen während der Sonntagsmesse. Die ägyptische Revolution lieferte uns Bilder, die nicht zu den üblichen Klischees passten.

In anderen arabischen Ländern geht es leider weniger friedlich zu. Dies ist nicht den Demonstranten anzulasten, sondern der Brachialgewalt, wie sie beispielsweise Libyens Diktator gegen sein eigenes Volk anwendet. Ermutigt durch seine direkten Nachbarländer Ägypten und Tunesien ging auch hier das Volk zunächst friedlich für Freiheit und Demokratie auf die Straßen und wurde von Gaddafis Militärmaschine brutal niedergewalzt.

Europa hat jetzt die große Chance, verlorengegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. Aber das setzt voraus, dass es die eigenen, wohltönenden Worte auch in ehrliche Politik umsetzt - nicht zuletzt gegenüber ihren eigenen muslimischen Bürgern. Jahrzehntelang haben Europa und die USA mit Despoten gekungelt, während sie gleichzeitig blind waren gegenüber jenen, die wegen ihres Eintretens für Menschenrechte und Freiheit drangsaliert und ermordet wurden.

So sehr ich die hehren Worte beim Besuch des deutschen Außenministers auf dem Tahrir-Platz in Kairo begrüßt habe, der die ägyptische Revolution mit der in Osteuropa von 1989 verglich, so unverständlich ist für mich die anschließende Enthaltung der Bundesregierung beim UN-Abstimmungsprozess zum Libyen-Einsatz. Natürlich ist dies eine selten schwierige Abwägung. Aber die Begründung der Enthaltung ist nicht verständlich.

Ein Ja aus Berlin hätte nicht zwingend die Entsendung von Bundeswehrsoldaten bedeutet. Der Kampf am Boden ist ohnehin Aufgabe des libyschen Volkes, das bereit ist, seinen Tyrannen abzuschütteln.

Die Mehrheit der deutschen Muslime steht trotz der aktuellen Bilder aus dem Irak und Afghanistan hinter der UN-Resolution, die übrigens gemeinsam vom Westen und von der muslimischen Welt getragen wird; schon das ist bemerkenswert. Selbst die Arabische Liga ist dafür. Schon jetzt ist erkennbar, dass durch die Flugverbotszone Gaddafis Tötungsmaschine gestoppt wurde - ein erster Erfolg der Alliierten.

Und haben wir nicht noch den Völkermord in Bosnien vor Augen? Weil Europa sich seinerzeit wegduckte, wurden Tausende Menschen in den Tod getrieben. Nicht wenige Experten sind heute der Meinung, dass durch gezielte Luftschläge die Massenmorde von Srebrenica hätten verhindert werden können. Umso unverständlicher ist der Sonderweg Deutschlands in der Libyenfrage.