Internet-Überwachung NSA und Snowden streiten über angebliche Beschwerde

Hat Edward Snowden die NSA-Überwachung erst intern kritisiert, bevor er zum Whistleblower wurde? Mit Veröffentlichung einer E-Mail will der US-Geheimdienst NSA diesen Verdacht zerstreuen. Doch Snowden zufolge gibt es noch mehr brisante Mails.

Ein Jahr nach den Enthüllungen streiten Snowden und Vertreter der NSA darüber, ob der Whistleblower schon während seiner Tätigkeit für die NSA Kritik an der in seinen Augen nicht verfassungskonformen Abhörpraxis äußerte, aber nicht gehört wurde.

Snowden hatte in einem Interview mit dem US-Fernsehsender NBC behauptet, er habe über offizielle Kanäle die Legalität der Überwachungspraxis in Frage gestellt; dabei erwähnte er ausdrücklich eine E-Mail an die Rechtsabteilung der NSA .

Die NSA dagegen widersprach Snowdens Darstellung, dass er vor seinen Enthüllungen intern die Abhörmethoden kritisiert habe. Der Nachrichtendienst habe nach entsprechenden Hinweisen gesucht, aber nichts gefunden, teilte die NSA mit. Sie veröffentlichte eine einzige E-Mail Snowdens an die NSA-Rechtsabteilung vom April 2013, in der es lediglich um rechtliche Fragen ging. Wie eine Beschwerde wirkt die E-Mail nicht.

In einer E-Mail-Stellungnahme an die Washington Post schrieb Snowden, die Veröffentlichung der NSA sei nicht vollständig. Er rief das Weiße Haus dazu auf, seine ehemaligen Mitarbeiter und Vorgesetzten zu befragen, ob er damals Bedenken gegen die teils verfassungswidrige Abhörpraxis geäußert habe. "Es dürfte nicht lange dauern, bis sie eine Antwort bekommen", sagte Snowden.

"Massiver Bruch" der US-Verfassung

Snowden hatte vertrauliche Informationen über die Spähprogramme der NSA von den Servern des Geheimdienstes heruntergeladen. Ende Mai 2013 setzte er sich nach Hongkong ab und begann, Unterlagen über die systematische Überwachung des Internets und das Ausspähen von Telefonaten den Medien zuzuspielen.

Derzeit lebt der 30-Jährige im Asyl in Russland. Dem Sender NBC sagte er, ihm sei es von Anfang an darum gegangen, seinem Land zu dienen. Der "massive Bruch" der US-Verfassung durch die NSA habe ihm als "Patrioten" keine andere Wahl gelassen, als dessen weltweite Spähaktivitäten zu enthüllen.