Internationaler Strafgerichtshof Gaddafi soll Massenvergewaltigungen angeordnet haben

Wie brutal die Schergen des libyschen Diktators Gaddafi gegen Zivilisten vorgehen, offenbart der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs. Er verdächtigt Gaddafi, Frauen systematisch vergewaltigen zu lassen, um Schrecken zu verbreiten und Widerstand zu brechen - das Regime soll Containerladungen Viagra verteilt haben.

Von Verena Schälter, New York

Luis Moreno Ocampo beschäftigte sich in seiner Karriere mit schon manchem Verbrechen. Als Generalstaatsanwalt von Buenos Aires versuchte er die Untaten der Militärdiktatur in seiner Heimat aufzuarbeiten. Als Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) erwirkte Moreno Ocampo einen Haftbefehl gegen Sudans berüchtigten Machthaber Hassan al-Baschir, nun prangert der Argentinier einen weiteren Diktator an: Muammar al-Gaddafi.

Monströs ist der Vorwurf, den Luis Moreno Ocampo gegen den libyschen Despoten erhebt: Gaddafi und seine Gefolgsleute stehen im Verdacht, sexuelle Übergriffe befohlen zu haben. Der für seine bizarren Auftritte bekannte "Oberst" ließ offenbar sogar Potenzmittel an seine Kämpfer verteilen, um sie zu Vergewaltigungen zu ermutigen.

"Wir haben Informationen, wonach es in Libyen systematische Vergewaltigungen von Zivilistinnen gegeben hat", erklärte Moreno Ocampo auf einer Pressekonferenz bei den Vereinten Nationen in New York.

Sexueller Missbrauch aus kriegstaktischen Gründen ist aus Afrika südlich der Sahara bekannt, aber auch aus den Kriegen in Ex-Jugoslawien. In Libyen hingegen war diese Form der Repression vermeintlicher Oppositioneller Moreno Ocampo zufolge bislang nicht bekannt.

Dies sei auch ein Grund, warum er und seine Ermittler zuerst Zweifel gehabt hätten, ob die Vergewaltigungen tatsächlich auf Anordnung der libyschen Regierung stattgefunden haben. Diese Zweifel sind nun offensichtlich gewichen.

Mittlerweile gebe es aber Indizien, die belegen, dass Gaddafi sogar selbst beschloss, sexuelle Gewalt als Strafe für vermutete Regimegegner zu verhängen, erklärt der Jurist. Die perfide Absicht: Angst verbreiten, Widerstände zu brechen, die Frauen zu entwürdigen. Die Ermittlungen der UN-Ermittler laufen noch. "Wir versuchen herauszufinden, wer alles involviert war", so Moreno Ocampo.