Holocaust-Leugner Mahler arbeitete für die Stasi

Der Ex-RAF-Anwalt und Neonazi Horst Mahler soll eingeräumt haben, jahrelang mit der Staatssicherheit der DDR zusammengearbeitet zu haben. Inoffizieller Mitarbeiter der Stasi will er aber nicht gewesen sein.

Von Hans Leyendecker

Etwa 624.000 Inoffizielle Mitarbeiter (IM) führte das Ost-Berliner Ministerium für Staatssicherheit (MfS) in seiner fast fünfzigjährigen Geschichte. Die allermeisten IM waren in der DDR im Einsatz; die Zahl der im "Operationsgebiet" Bundesgebiet tätigen IM wird insgesamt auf etwa 12.000 geschätzt. War der gelernte Jurist Horst Mahler, der einer der RAF-Gründer war und heute Neonazi ist, einer dieser Inoffiziellen?

Im Zusammenhang mit den Ermittlungen der Berliner Generalstaatsanwaltschaft zum Mord an dem Studenten Benno Ohnesorg im Juni 1967 tauchte dieser Verdacht auf und beschäftigt in diesen Tagen selbst internationale Medien und die Politik. Die Antwort auf die eigentlich einfache Frage fällt so kompliziert aus wie vieles im Fall Mahler: jein.

Die Stasi führte Mahler, der damals Rechtsreferendar war, von 1962 bis 1964 unter einer ordentlichen Vorgangsnummer als "Vorlauf IM". Mahler war von einem echten Westberliner IM dem MfS als potentieller Mitarbeiter empfohlen worden, aber vermutlich wusste Mahler selbst davon nichts. Die Sache zerschlug sich. Ein Hauptmann der MfS-Bezirksverwaltung in Berlin schloss im November 1964 dann die Akte des potentiellen Kandidaten.

Offenbar, das zeigen die neuen Ermittlungen im Mordfall Ohnesorg, hat Mahler dann selbst enge Kontakte zu Ost-Berlin gesucht und sich auch auf die Stasi eingelassen. Dieser Kontakt soll mindestens zwei Jahre bestanden haben. Wie aus Justizkreisen verlautet, wurde Mahler, der derzeit wegen Leugnung des Holocaust in München-Stadelheim in Haft sitzt, vor einigen Monaten dazu von Strafverfolgern vernommen. Er soll bei der Vernehmung eingeräumt haben, mit der Stasi zeitweise quasi kooperiert zu haben. Zugleich soll er aber bestritten haben, ein richtiger IM gewesen zu sein.

In den Stasi-Unterlagen, die vor knapp zwei Jahren von den Ermittlern bei der damaligen Birthler-Behörde angefordert wurden, soll zu diesen Fragen nicht Eindeutiges stehen: "Derzeit zumindest lässt sich nicht definitiv sagen, ob Mahler ein MfS-Agent war oder nicht", sagt ein Ermittler. In den Wendetagen seien zudem viele Akten vernichtet worden.

Auf eine Scheinexistenz mehr oder weniger kommt es möglicherweise in seinem Fall gar nicht mehr an. Mahler hat eine Achterbahnfahrt durch die Verrücktheiten des 20. Jahrhunderts zurückgelegt.

Vom RAF-Mitgründer zum Neonazi - das ist ein sehr weiter Weg. Nur Mahler sieht offenbar eine andere Wirklichkeit. In einem Film über Lebenswege deutscher Anwälte, der 2009 gezeigt wurde, hatte er gesagt: "Ich habe nicht das Gefühl, dass ich von links nach rechts gegangen bin."