Verdeckte Ermittlungen in Hamburg Die Legende der Iris P.

  • Die Polizistin Iris P., die über Jahre verdeckt in Hamburgs linksautonomer Szene ermittelt hat, hat sich nun ausführlicher zu ihrem umstrittenen Einsatz geäußert.
  • Sie bestätigte, dass sie für einen Radiosender tätig war und diverse Privatwohnungen betreten hat. Zu Liebesbeziehungen zu Mitgliedern der Szene machte Iris P. keine Angaben.
  • Alle Aktivitäten seien mit ihren Vorgesetzen abgesprochen gewesene, so P..
Von Thomas Hahn, Hamburg

Für die Öffentlichkeit ist die Polizistin Iris P. so etwas wie ein Phantom. Seit Monaten beschäftigt sich die Hamburger Politik mit ihr, weil sie von 2001 bis 2006 als verdeckte Ermittlerin in der linksautonomen Szene tätig war und dabei offenbar tiefer ins Milieu vordrang, als es nach Moral und Gesetz gut war. Iris P. hatte Liebesbeziehungen zu Personen aus der Szene, die sie beschatten sollte, sie arbeitete außerdem beim linken Radiosender FSK mit, was wie ein Verstoß gegen die Pressefreiheit wirkt.

Tief in den Strukturen

Sechs Jahre soll eine Polizistin unter falschem Namen im Umfeld der Roten Flora in Hamburg ermittelt haben, dabei sogar Liebesbeziehungen eingegangen sein. Aktivisten haben sie kürzlich enttarnt. Nun beschäftigt der Fall die Politik. Von Hannah Beitzer mehr ...

Ihre Geschichte erzählt von einem Staat, der es mit der Kontrolle seiner Bürger übertreibt. Aber von Iris P. selbst ist nichts zu sehen, sie schützt sich vor den Blicken der anderen, wie ihr das zusteht. Immerhin, neuerdings liegen der Polizei Aussagen von ihr vor - und die haben Bewegung in den Fall gebracht.

Am Montagabend haben Innensenator Michael Neumann und Polizeipräsident Ralf Meyer im Innenausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft bestätigt, dass Iris P. sich vor der eigens für ihren Fall eingerichteten Arbeitsgruppe der Polizei ausführlicher als bisher zu ihrem Einsatz geäußert hat.

Alles sei mit ihren Vorgesetzten abgesprochen gewesen

Iris P. erklärte am 9. Juni, dass sie unter ihrem Decknamen Iris Schneider für den Sender FSK gearbeitet habe. Dass sie dort als Sprecherin einen Aufruf-Jingle zum Schanzenfest 2004 eingespielt habe. Und dass sie diverse Privatwohnungen betreten habe. Alles sei "zur Aufrechterhaltung ihrer Legende" nötig gewesen. Vor allem aber: Alles sei mit der Führung ihres verdeckten Einsatzes und anderen Vorgesetzten abgesprochen gewesen.

Diese Antworten der Iris P., die der Senat vorher schon auf eine kleine Anfrage der Linken-Abgeordneten Christiane Schneider hin öffentlich gemacht hatte, reichen weiter als die bisherigen Erkenntnisse der Arbeitsgruppe. Demnach waren die Erinnerungen der damaligen Vorgesetzten von Iris P. an deren Einsatz nämlich schwach oder nicht vorhanden. Innensenator Neumann hat die Innenrevision eingeschaltet zur neutralen Aufarbeitung der Widersprüche. Deren Erkenntnisse werden nach der Sommerpause erwartet.

Dass sie jetzt ausführlicher Stellung nimmt als vorher, hat Iris P. laut Neumann damit erklärt, dass sie sich vorher nicht über die rechtlichen Folgen ihrer Aussage im Klaren war. Allerdings antwortet die Beamtin Iris P. auch weiterhin nicht auf alle offenen Fragen. Zu den Liebesbeziehungen, die sie bei ihren Ermittlungen hatte, schweigt sie standhaft.