Guttenberg: Biographie Als der Hofhund den Papagei fraß

Adel verpflichtet: In der ersten Biographie über Karl-Theodor zu Guttenberg verklärt die Autorin Anna von Bayern ihren Freund "KT". Königliche Hoheit begründet dessen Erfolg mit seiner Abstammung. Was passierte nicht alles bei Hofe!

Von Wolfgang Jaschensky

Angela Merkel, seit fünf Jahren Kanzlerin, hat schon mehrere. Guido Westerwelle auch, der ist schließlich schon ewig FDP-Chef. Horst Seehofer hat aber noch keine, und Markus Söder, die CSU-Hoffnung aus Franken, erst recht nicht. Das wiederum dürfte Karl-Theodor zu Guttenberg freuen.

Der adelige Shooting-Star hat jetzt das, was einen Politiker von Rang auszeichnet: eine Biographie. Karl-Theodor zu Guttenberg - Aristokrat, Politstar, Minister heißt das erste Betrachtungswerk über den CSU-Mann und aktuellen Verteidigungsminister.

Für einen Politiker ist eine Biographie als Statussymbol ungefähr so wichtig wie für einen russischen Oligarchen die 60-Meter-Yacht. Guttenbergs Statussymbol liegt nun in Buchhandlungen und signalisiert: Der Freiherr, der hat's geschafft. Und das mit 38!

Doch hinter dem Umschlag verbirgt sich weniger eine Biographie als vielmehr eine Heldensaga aus der politischen Neuzeit. Erzählt werden Anekdoten und Anekdötchen über Karl-Theodor zu Guttenberg, der elegant und formvollendet seinen Baron steht - egal, wie unmöglich das Unterfangen erscheint, egal, wie widrig die Umstände und wie übermächtig die Gegner sind.

Hanebüchener als die Glorifizierung des beliebten Ministers ist allerdings die Erklärung, die die Autorin für den Erfolg des Politikers liefert: Guttenbergs aristokratische Abstammung. Die These kommt aus berufener Feder: Die Biographin nennt sich Anna von Bayern.

Adelsrechtlich steht sie weit über dem Verteidigungsminister. Der ist ein schnöder Freiherr, die Bild-am-Sonntag-Redakteurin entstammt hingegen der fürstlichen Familie von Sayn-Wittgenstein-Berleburg und trägt seit ihrer Heirat mit Prinz Manuel den Titel Prinzessin von Bayern. Wer Anna von Bayern korrekt ansprechen möchte, nennt sie "Königliche Hoheit", erklärt die Protokollchefin des Hauses Wittelsbach.

Königliche Hoheit schreibt also über Niederadel. Ihre steile These streut Anna von Bayern über das gesamte Buch: "Guttenberg ist ein Aufsteiger von oben", heißt es da zum Beispiel. Seine Souveränität beziehe er aus seinem familiären Hintergrund, Status und Vermögen empfinde er nicht als Inhalt, sondern als Verpflichtung. Er sei vorher schon was gewesen und werde es nachher wieder sein.

Als Gipfel der aristokratischen Überlegenheit präsentiert Ihre Königliche Hoheit das alte Credo "Adel verpflichtet" - und übersetzt es für den bürgerlichen Laien mit: "Das, wofür du stehst, ist größer und wichtiger als du und dein Leben." So viel Schloss-Weisheit wird den Citoyens dieser Welt als Teil der Guttenberg'schen DNS gereicht.

91 Jahre nach Abschaffung der Adelsprivilegien erfährt der bürgerliche Leser nun also, dass auf die Dienste der Prinzen, Grafen und Barone der Republik viel zu lange verzichtet wurde. Wann hat eine Prinzessin die angebliche Überlegenheit der Aristokratie zuletzt mit so viel Chuzpe präsentiert? In der Französischen Revolution wurde man schon für geringere Vergehen geköpft.

Märchenonkel Guttenberg

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