Nach Eskalation bei S21-Protesten Stuttgarter Polizeipräsident geht

Sieben Monate nach dem brutalen Vorgehen der Stuttgarter Polizei gegen Demonstranten im Schlossgarten nimmt der verantwortliche Polizeipräsident seinen Hut: Siegfried Stumpf gibt sein Amt Ende April auf - offiziell aus gesundheitlichen Gründen.

Als am 30. September im Stuttgarter Schlossgarten die bis dato recht friedlichen Proteste gegen das umstrittene Bauprojekt Stuttgart 21 eskalierten, übernahm Polizeipräsident Siegfried Stumpf die alleinige Verantwortung. Für das überharte Vorgehen seiner Beamten, die mit Wasserwerfern, Schlagstöcken und Pfefferspray gegen die Demonstranten vorgegangen waren. Mehr als 100 Gegner des Projekts wurden damals durch die Polizei-Maßnahmen verletzt.

Nun, sieben Monate später, hat der Polizeipräsident seinen Rücktritt verkündet - offiziell aus Rücksicht auf seine Gesundheit. Nach Angaben des Innenministeriums wird der 60-Jährige Ende April in den Ruhestand versetzt.

Die damalige rot-grüne Opposition in Baden-Württemberg hatte hinter der Verantwortungsübernahme des Polizeipräsidenten politisches Kalkül vermutet und gemutmaßt, der damalige Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) habe den Wechsel der Polizeistrategie angeordnet. Stumpf hatte bis zum sogenannten "schwarzen Donnerstag" die "Stuttgarter Linie" mitgeprägt, die auf Gewaltfreiheit und Deeskalation setzt. Zudem gilt er als loyaler und pflichtbewusster Polizist, der selbstverständlich seinen Kopf hinhält.

Stumpf hatte allerdings im Untersuchungsausschuss zu den Vorfällen am 30. September bestritten, auf Anordnung von oben gehandelt zu haben. "Die Polizei war nicht mehr Herr der Situation", verteidigte Stumpf den umstrittenen Einsatz. Die Beamten hätten nur zu rechtmäßigen Mitteln gegriffen. Wer Stumpf ins Amt nachfolgt, wurde nicht bekanntgegeben.

"Ein trauriger Tag für Stuttgart"

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