Gesetzentwurf zu Lebenspartnerschaft Homo-Ehe spaltet Polen

Schwule und Lesben demonstrieren in Warschau.

(Foto: AFP)

Die Homo-Ehe spaltet Polen: Während das Parlament über die Einführung einer "eingetragenen Lebenspartnerschaft" berät, wächst der Widerstand bei Konservativen und in der Kirche. In der Bevölkerung allerdings macht sich ein Wertewandel bemerkbar.

Von Klaus Brill, Warschau

Dass Kardinäle sich für Demonstrationen begeistern, kommt nicht sehr häufig vor. Dem Erzbischof von Warschau, Kazimierz Nycz, indes hat unlängst eine machtvolle Kundgebung mit mehreren Hunderttausend Teilnehmern ganz ausgezeichnet gefallen. Sie fand nicht in Warschau statt, sondern in Paris, und sie richtete sich gegen die geplante Einführung gleichgeschlechtlicher Ehen in Frankreich.

Etwas Ähnliches kommt nun auch auf Polen zu, auch hier werden die Demonstranten nicht lange auf sich warten lassen. Das Parlament in Warschau eröffnete am Mittwoch die Beratungen über die Einführung einer "eingetragenen Lebenspartnerschaft" für homosexuelle Paare. Für Kardinal Nycz ist es ein quasi teuflischer Plan. "Jeder Versuch, Lebenspartnerschaften einschließlich homosexueller Beziehungen, mit Ehen gleichzusetzen, ist jämmerlich", erklärte er der katholischen polnischen Nachrichtenagentur KAI.

Polen zerfällt in zwei Lager

Das Thema löst seit langem leidenschaftliche Auseinandersetzungen aus, die die polnische Gesellschaft nahezu in zwei gegensätzliche Lager teilen. Auf der einen Seite stehen die liberaleren, weltoffenen Bürger der Städte und der westlichen Landesteile, unter ihnen viele junge Leute mit guter Ausbildung. Sie bilden die Stammwählerschaft der liberal-konservativen Bürgerplattform (PO) des Ministerpräsidenten Donald Tusk. Auch die eher linken Gruppen haben hier die meisten Anhänger.

Auf der anderen Seite finden sich unter anderen die Bewohner der ländlichen Regionen im Osten Polens, wo die Arbeitslosigkeit besonders hoch ist und die Mahnungen der Geistlichkeit noch starken Widerhall finden. Hier hat die nationalkonservative Partei Recht und Gerechtigkeit der Brüder Kaczynski ihre stärksten Bastionen. Moderne steht gegen Tradition, die Öffnung nach Europa gegen altpolnischen Eigensinn.

Wie in anderen Ländern des postkommunistischen Kosmos hat der Umbruch von 1989 einen fundamentalen Wertewandel mit sich gebracht. Die Position der katholischen Kirche, die in Polen aus historischen Gründen besonders stark war, wurde geschwächt. Ihre Lehren werden weniger befolgt als früher, und sie fühlt sich herausgefordert durch die Anerkennung homosexueller Partnerschaften ebenso wie durch die Diskussionen über einen weniger restriktiven Umgang mit Euthanasie und Abtreibung.