FPÖ-nahe Zeitschrift "Aula" Rechtsradikaler erschleicht Beckstein-Interview

CSU-Veteran Beckstein hat mit Rechtsextremen nichts zu tun - und doch erschien ein Interview zum Thema Islam mit dem früheren bayerischen Ministerpräsidenten in dem dubiosen Magazin "Die Aula".

Von Oliver Das Gupta

Anfang August kommt eine E-Mail im Büro von Günther Beckstein an, an deren Folgen sich der CSU-Politiker noch lange erinnern dürfte. Ein Journalist aus dem oberfränkischen Hof bedankt sich damals überschwänglich: Bayerns früherer Ministerpräsident habe sich ja im Vorjahr in Nürnberg mit ihm fotografieren lassen. Eines der Bilder hänge in seinem Büro, und zwar "als Riesenformat".

Der Mann zeichnet kurz und bündig mit "Weber", die Mailadresse lautet auf Michael Weber. In dem Schreiben teilt er mit, für den Wochenspiegel Sachsen zu arbeiten. Seine Bitte: ein schriftliches Interview. Die Fragen, eher umständlich formuliert, liefert Weber gleich mit. Es geht dabei auch um "Masseneinwanderung" und "fortschreitende Muslimisierung".

Der CSU-Politiker Beckstein, der noch im Bayerischen Landtag sitzt, antwortet schriftlich: Der Islam stelle "primär keine Bedrohung" dar; "sehr viele Muslime" seien eine "große Bereicherung für unser Land". Das sind liberale Äußerungen für einen Konservativen. Beckstein klingt mehr nach Bundespräsident Christian Wulff als nach CSU-Chef Horst Seehofer.

Nachzulesen ist das Interview jedoch nicht im Wochenspiegel Sachsen, einem Anzeigenblatt. Es findet sich vielmehr in der im Oktober erschienenen Ausgabe einer dubiosen österreichischen Zeitschrift - in Die Aula, dem Organ der Freiheitlichen Akademikerverbände.

Das ist eine Truppe, die sich im Dunstkreis der FPÖ bewegt, erklärt das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands. Bis vor wenigen Jahren war ein ehemaliger SA-Mann der Aula-Schriftführer. Der heutige Blattmacher Martin Pfeiffer sagte schon mal der NPD-Postille Deutsche Stimme seine Meinung zum "internationalistischen Zerstörungswerk mittels Multikulti" und dem "Kniefall" der Kirche vor "Judentum und Freimaurerei".

Das Innenministerium in Wien bestätigt auf Anfrage der Süddeutschen Zeitung, dass die Autoren der Zeitschrift "teilweise aus dem rechtsextremen Umfeld" kommen. Die Aula sei "wohl nach wie vor als rechtsextremes Blatt" einzustufen, sagt auch der Innsbrucker Rechtsextremismusforscher Reinhold Gärtner. Interviews mit Vertretern demokratischer Parteien wie Beckstein sollen den Eindruck erwecken, dass die Aula ein seriöseres Medium sei. "Das sind die Alibis für solche Publikationen", sagt Gärtner der SZ.

Ein Blick auf das Aula-Cover lässt wenig Zweifel an der Ausrichtung: Das Thema "Umvolkung" steht im Zentrum. Dazu erscheint die Story "Sarrazin & Zion - Hintermänner im Dienste des Davidsterns?" sowie ein Interview mit dem niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders. Und, prominent angekündigt: "Bayerns Ex-Ministerpräsident im Aula-Gespräch".

Im Innenteil findet sich das Foto, auf dem Beckstein "im Gespräch mit Herrn Weber" zu sehen ist - es wirkt so, als ob die Aufnahme während des Interviews entstanden ist. Der Schock im Büro Beckstein ist groß, als der Politiker ein Belegexemplar einsieht.