Formel 1 Ausschreitungen überschatten Rennen in Bahrain

"Nein zur Blut-Formel-1": Das gesamte Wochenende des Rennens kommt es im Wüstenstaat Bahrain zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei. Der Rennzirkus scheint sich um die Menschenrechte im Land kaum zu scheren.

Rund um das vierte Rennen der Formel-1-Saison im Golfstaat Bahrain haben sich schiitische Demonstranten Straßenkämpfe mit der Polizei geliefert.

Stunden vor dem Start setzten maskierte Jugendliche am Sonntagmorgen auf Straßen nahe der Hauptstadt Manama Autoreifen in Brand. Ein Großaufgebot an Sicherheitskräften konnte zwar den störungsfreien Ablauf des Autorennens gewährleisten, das Weltmeister Sebastian Vettel gewann - doch der politische Druck auf die Formel-1-Bosse und Veranstalter des Großereignisses wächst.

Die Demonstranten blockierten mehrere Straßen in schiitischen Dörfern nahe Manama. Dabei skandierten sie Parolen gegen das "Blutrennen" südlich der Hauptstadt. "Euer Rennen ist ein Verbrechen", "Die Formel 1 ist eine Maske, die Verbrechen verschleiert" und "Nein zur Blut-Formel-1" - diese Parolen sollen die Aufständischen gerufen haben. Die Polizei setzte Tränengas ein, um Protestgruppen aufzulösen. Gepanzerte Fahrzeuge, Polizeiwagen und bewaffnete Wachmänner schützten den Zugang zur Rennstrecke. Bahrains Sicherheitschef Tarek al-Hassan zufolge wurden Sicherheitskräfte in alle Landesregionen abgeordnet.

Bereits am Samstag waren Hunderte Menschen dem Aufruf der radikalen Oppositionsbewegung "14. Februar" gefolgt, auf dem Perlenplatz in Manama zu demonstrieren. Allerdings wurden sie vor dem Platz von Polizisten mit Tränengas auseinander getrieben. Einige Demonstranten warfen Benzinbomben. Zudem wurden dem Innenministerium zufolge zwei Männer durch Molotowcocktails verletzt, die am Samstag auf eine Polizeistreife in Manama geschleudert wurden.

Der Perlenplatz war das Zentrum von Protesten im März 2011, die mit Hilfe saudi-arabischer Truppen blutig niedergeschlagen wurden. Die schiitische Opposition nutzt nun das Formel-1-Rennen, um die Aufmerksamkeit auf ihre Proteste zu lenken. Während jugendliche Mitglieder der Bewegung 14. Februar den Sturz des Königs verlangen, fordert die gemäßigte Opposition die Errichtung einer echten parlamentarischen Monarchie, in der das Parlament die Regierung bestimmt.

Der als moderat geltende Kronprinz und Vize-Ministerpräsident Salman bin Hamad Al-Chalifa erklärte am Samstag, die Opposition habe das Recht, friedlich zu demonstrieren. "Gewalttätige Extremisten" lehnte er aber ab. "Zwar gebe es Streitfragen im Land", aber diese müssten "in einem politischen Prozess gelöst werden". Zugleich wies der Kronprinz den Vorwurf zurück, dass sein Land den Grand Prix missbrauche, um Bahrains Image aufzupolieren und die Wirtschaft anzukurbeln.

Die Bevölkerung von Bahrain ist mehrheitlich schiitisch, aber das Königreich wird seit jeher von einer sunnitischen Dynastie regiert. Seit dem Beginn des Aufstands vor zwei Jahren wurden nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen mindestens 80 Menschen getötet. Derzeit laufen Verhandlungen zwischen Regierung und Opposition. Bisher machte die Regierung jedoch keine nennenswerten Zugeständnisse.