Flüchtlingsstreik vor dem Brandenburger Tor Sie wollen nicht betteln

Sie hungern und dursten schon seit Tagen vor dem Brandenburger Tor. 29 Flüchtlinge wollen die Bundesregierung dazu bringen, ihre Asylanträge anzuerkennen. Bisher hat sich niemand für Verhandlungen gemeldet. Doch nun gibt es neue Hoffnung.

Von Antonie Rietzschel, Berlin

Es tut weh, wenn der Hunger kommt. Brooks Tadele zeigt auf seinen Bauch, dort, wo der Schmerz beginnt. Dann wandert seine Hand Richtung Hals. Wie ein Brennen fühle es sich an, sagt er. Und dann der Durst: "Die Lippen springen auf und du kriegst schreckliche Kopfschmerzen."

Seit neun Tagen befindet sich Tadele gemeinsam mit 28 weiteren Flüchtlingen vor dem Brandenburger Tor im Hungerstreik. Am Montag hörten sie auf zu trinken. Am Mittwoch mussten zehn Menschen ins Krankenhaus eingeliefert werden - darunter auch Tadele. "Ich bin plötzlich ohnmächtig geworden", sagt der 24-Jährige.

"Ihr habt uns dazu gebracht"

Im Krankenhaus gaben ihm die Ärzte Infusionen und sagten, er müsse unbedingt Wasser trinken. Jetzt sitzt er wieder auf dem Pariser Platz, unter sich eine Styroporplatte, die die aufsteigende Kälte vom Boden abhalten soll. Er isst nicht, und er trinkt auch nicht.

Es ist nicht der erste Streik dieser Art für die Flüchtlinge, die aus Afghanistan, Pakistan, Äthiopien, Sierra Leone und dem Senegal stammen. Sie leben eigentlich in Asylbewerberheimen in Bayern. Im Juni hatten sie in München auf dem Rindermarkt vorübergehend ein Protestcamp errichtet, hungerten und durstenden tagelang - bis die Stadt das Lager von der Polizei mit der Begründung räumen ließ, es bestünde akute Lebensgefahr.

Zuvor waren im Frühsommer alle Vermittlungsversuche zwischen dem Land Bayern und den Sprechern der Flüchtlinge gescheitert. Letzteren reichte das Angebot, ihre Asylanträge würden innerhalb von 14 Tagen überprüft, nicht aus. Abgeordnete des Landtages vermittelten daraufhin für den 30. September ein Gespräch mit dem Leiter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. Die Behörde sagte das Treffen jedoch ab.

Schutz bieten nur die Regenschirme

Deswegen sind die Flüchtlinge jetzt in Berlin, um sich direkt an die Bundesregierung zu wenden. Sie fordern, dass ihre Asylanträge akzeptiert werden und sie unbegrenzt in Deutschland leben können. "Ihr habt uns dazu gebracht, die Straße als unseren Ort des Widerstands zu wählen", heißt es in einem an Innenminister Hans-Peter Friedrich adressierten Flyer. Ein Protestcamp wie in München konnten die Flüchtlinge jedoch nicht errichten. Ihre Zusammenkunft ist als Mahnwache angemeldet und die Polizei achtet penibel darauf, das nicht mehr daraus wird.

Mitgebrachte Zelte mussten gleich zu Beginn wieder weggeräumt werden. Gegen Wind und Regen schützen lediglich die vielen Regenschirme, die wie eine Mauer um die Flüchtlinge herum aufgestellt sind. Wer sich zudecken will, muss damit rechnen, dass ihm die Decke weggenommen wird.