Die Causa wurde Chefsache in der FDP. Nach Informationen von sueddeutsche.de schaltete sich Generalsekretär Dirk Niebel höchstselbst ein um gegen unliebsame TV-Fragesteller vorzugehen, die sich mit der Brüsseler Präsenz Koch-Mehrins und anderen Dingen beschäftigen.

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Am 25. Mai lud beispielsweise der SWR-Chefreporter Thomas Leif als Gäste seiner Sendung "2+Leif" die Politikerin Koch-Mehrin und den Grünen-Vorsitzenden Cem Özdemir zur Aufzeichnung ein.

Leif erlaubte sich tatsächlich, auch Fragen zu den Präsenzzeiten der EU-Abgeordneten Koch-Mehrin zu stellen. Das hat der Parteispitze offensichtlich nicht ins Konzept gepasst.

Dirk Niebel schrieb seinen Brief an SWR-Chef Boudgoust mit der geschwungenen Unterschrift. Darin kritisiert er auf anderthalb Seiten ausführlich die Leif-Sendung. Er wolle den Intendanten im "Nachgang" der Aufzeichnung auf "einige Ungereimtheiten im Vor- und Ablauf" der Sendung "aufmerksam" machen, so Niebel.

Dann beschwert er sich zunächst, dass seine Parteifreundin nicht - wie seiner Meinung nach vorher klar besprochen - als Erste von Moderator Leif befragt wurde, sondern Özdemir den Vortritt erhielt. Das sei eine "nicht von der Redaktion selbsttätig kommunizierte, grundlegende Änderung des Ablaufes" - und entspreche "nicht dem üblichen journalistischen Umgang", urteilt der FDP-General.

Dann aber kommt Niebel zum eigentlichen Anlass seines Protestbriefes. Leif, der auch der Journalistenvereinigung "Netzwerk Recherche" vorsteht, hat in der Aufzeichnung Koch-Mehrin mit der FAZ-Story zu den Präsenszeiten konfrontiert: Koch-Mehrin habe demnach "sehr oft geschwänzt", während er Özdemir bescheinigte: "Sie haben weniger oft geschwänzt."

"Unkorrekte Arbeitsweise"

Niebel muss das in Rage gebracht haben: Das sei "unsaubere Recherche", poltert er in dem Brief. Die FDP habe die FAZ-Berichterstattung per Pressemitteilung richtiggestellt, die FAZ habe sich korrigiert.

Es sei "nicht hinzunehmen", dass ein "herbeirecherchierter Themenblock in Bezug auf die Arbeitsleistung von Frau Dr. Koch-Mehrin weder angekündigt noch in irgendeiner Art und Weise im Vorlauf zur Sendung kommuniziert worden war". Seine Conclusio: "unkorrekte Arbeitsweise".

Zum Schluss bittet Niebel den SWR-Intendanten um "umgehende Aufklärung der beiden aufgeführten Sachverhalte". Ein Sprecher Niebels verteidigte gegenüber sueddeutsche.de den Brief: "Wenn wir uns ungerecht behandelt fühlen von Medien, dann werden wir das kundtun, wie wir es bei Politikern auch machen."

Was Niebel verschweigt: Die FAZ hatte nicht die eigene Berichterstattung berichtigt, sondern lediglich die Position von Koch-Mehrin im Internetangebot der FAZ ausführlicher wiedergegeben.

Und was er da noch nicht wissen konnte war, dass sich die FAZ vor dem Hamburger Landgericht gegen die einstweilige Verfügung erst einmal erfolgreich wehren konnte.

Aber vielleicht schreibt er ja noch einmal an den Intendanten.

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(sueddeutsche.de/odg)