Farc-Verhandlungen in Oslo Frieden wäre der Sieg
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Seit einem halben Jahrhundert tobt in Kolumbien der Bürgerkrieg. In Oslo wollen die kolumbianische Regierung und die Guerillabewegung Farc den anachronistischen Konflikt nun beilegen. Vor zehn Jahren haben sie sich das letzte Mal ohne Waffen gegenübergestanden.
Für Friedensgespräche kommen die kolumbianische Regierung und Anführer der Guerillagruppe Farc in Oslo zusammen.
(Foto: dpa)Es war für beide Seiten ein weiter Weg aus Kolumbien nach Norwegen. Zehntausend Kilometer trennen Bogotá von Oslo, wo am Donnerstag die Friedensmission der kolumbianischen Regierung und der Guerillabewegung Farc beginnen soll. Es hat außerdem lange gedauert, bis es zu dem Treffen kommen konnte. Der Bürgerkrieg tobt seit einem halben Jahrhundert, und die letzte Begegnung ohne Waffen liegt zehn Jahre zurück. Für die Regierung von Präsident Juan Manuel Santos ist dieser Vorstoß ein mutiger Schritt. Doch die komplizierteste Anreise hatten die Rebellen.
Viele von ihnen kommen aus dem Urwald und werden weltweit gesucht. Gegen die Mitglieder ihrer Delegation sind Hunderte Strafverfahren anhängig, Kolumbiens Justiz musste erst freies Geleit versprechen. Verhandlungsleiter Iván Márquez überquere gerade einen reißenden Fluss, berichtete Farc-Anführer Timoleón "Timochenko" Jiménez noch zu Wochenbeginn in einem Interview.
Márquez, der in Wirklichkeit Luciano Martín Arango heißt, versteckte sich im Grenzgebiet zu Venezuela, genauso wie Farc-Sprecher Ricardo Téllez alias Rodrigo Granda. Gegen sie alle liegen internationale Haftbefehl vor, ebenso gegen Tanja Nijmeijer, die exotischste Insurgentin. Die Niederländerin Nijmeijer schloss sich vor einem Jahrzehnt den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens an und trägt Kampfnamen wie Alexandra und Eileen. Inzwischen ist sie 34 und die einzige Europäerin auf der norwegischen Farc-Liste.
Das führte zu weiteren Verzögerungen, weil seit der Entführung dreier US-Amerikaner durch die Farc vor allem Washington hinter ihr her ist. Wegen der diplomatischen Verwicklungen wird Tanja Nijmeijer frühestens in Havanna am Tisch sitzen. Auf Kuba führen beide Lager seit eineinhalb Jahren geheime Vorgespräche, dort soll demnächst die zweite Phase der Kontakte stattfinden.
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Erste Gespräche in Oslo
Schauplatz der ersten Sitzungen aber ist Oslo. Nach Wetterkapriolen und juristischen Zweifeln geht es jetzt offenbar los. Der Regierungsvertreter Humberto de la Calle ist "gemäßigt optimistisch". Er glaubt, "dass wir gute Nachrichten nach Kolumbien bringen." Die Umstände sind günstig, einerseits. Das älteste Aufständischen-Heer der Welt ist müde. Seit 1964 ziehen die Farc gegen das Establishment zu Felde, als Folge des kubanischen Umsturzes von 1959. Ihre Revolution indes ist längst Utopie. Wegen der sozialen Ungerechtigkeiten haben die Guerilleros in der Provinz zwar noch eine Basis. Von ihren marxistischen Wurzeln sind allerdings nur Fragmente geblieben. Wie andere Banden verdienen die Farc mit Drogen und Erpressung. Von ursprünglich fast 20 000 Männern und Frauen ist kaum mehr die Hälfte im Einsatz. Der Staat hat sie in die Enge getrieben - und ahnt dennoch, dass die Schlacht nicht zu gewinnen ist.
Andererseits suchte man bisher dreimal einen Ausweg, dreimal ging es schief. Das dritte Experiment scheiterte zwischen 1998 und 2002 in der Wildnis. Der damalige Präsident Andrés Pastrana ließ für die Farc ein Gebiet von der Größe der Schweiz vom Militär räumen. Pastrana traf den legendären Farc-Gründer Manuel Marulanda alias Tirofijo (Blattschuss), beim zweiten Gipfel ließ Marulana ihn sitzen. Die Farc nützten die Waffenruhe, um aufzurüsten. Auch hatte Kolumbiens Armee seinerzeit kein Interesse an einem Ende des Konflikts. Nach Pastranas missglückter Initiative gewann der Hardliner Álvaro Uribe die Wahl und schickte mit US-Hilfe noch mehr Soldaten in die Schlacht. Gleichzeitig wurden rechtsextreme Todesschwadronen immer mächtiger.