Exhumierung von Arafats Leiche Auf der Suche nach Polonium-210

Wurde Jassir Arafat vergiftet? Seit ein schweizerisches Labor eine radioaktive Substanz an der Kleidung des verstorbenen Palästinenserführers gefunden hat, hält sich dieses Gerücht hartnäckig. Nun wurde eine Probe entnommen um das Rätsel endgültig zu lösen.

Acht Jahre nach seinem Tod wurde die Leiche des ehemaligen Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat exhumiert. Experten nahmen in Ramallah Proben. Damit soll geklärt werden, ob der Palästinenserführer einem Giftmord zum Opfer fiel. Arafat war im November 2004 im Alter von 75 Jahren in einem Krankenhaus bei Paris gestorben.

Die Todesursache konnte damals nicht zweifelsfrei geklärt werden, offiziell starb er an den Folgen eines Schlaganfalls. Seither hält sich bei vielen Palästinensern die Theorie, Israel habe den Widersacher vergiftet. Dieser Verdacht verstärkte sich noch, als Schweizer Experten im Juli an der Wäsche Arafats Spuren der radioaktiven Substanz Polonium-210 fanden. Der festgestellte Wert soll bis zu zehn Mal höher als normal gewesen sein.

Israel bestreitet die Vorwürfe, auch unabhängige Experten bezweifeln die Theorie. Selbst die Schweizer Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass die Krankheitssymptome Arafats nicht auf eine Polonium-Vergiftung hindeuten. Auch Gerüchte, denen zufolge Arafat krebs- oder aidskrank gewesen sein, konnten bislang nicht durch Fakten untermauert werden.

Erneute Beisetzung noch am Dienstag

Arafats Witwe Suha hatte zunächst eine erneute Untersuchung abgelehnt, später dann aber zugestimmt, "um die Wahrheit herauszufinden". Experten aus der Schweiz, Frankreich und Russland nehmen nach Angaben des Leiters des palästinensischen Ermittlerteams, Taufik Tiraui, Proben von Arafats Knochen. Noch im Laufe des Dienstags soll Arafat dann mit militärischen Ehren wieder beigesetzt werden, allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Die Exhumierungsarbeiten in dem Mausoleum in Ramallah hatten schon vor zwei Wochen begonnen. Die französische Justiz hatte im August Ermittlungen wegen Mordverdachts eingeleitet, nachdem Arafats Witwe Suha dort Anzeige gegen unbekannt erstattet hatte. Die Analyse der Überreste Arafats könne bis zu vier Monate dauern, hieß es.

Die Exhumierung findet in einer wichtigen Woche für die Palästinenser statt: Führende Mitglieder der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) reisen nach New York, um am Donnerstag bei den Vereinten Nationen die Aufwertung des bisherigen Beobachterstatus zu einem Nicht-Mitgliedsstaat voranzutreiben.

Arafat hatte die PLO 35 Jahre lang angeführt, von 1994 bis zu seinem Tod war er der erste Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde. Die Grabstätte ist bereits seit Mitte November abgeriegelt. Alle Straßen, die zu dem Mausoleum in Ramallah im Westjordanland führen, sind gesperrt.