Europawahl 2014 Die EU zum Preis eines Milchkaffees

Die Plakate hängen, das TV-Duell ist gelaufen, der Termin rückt näher: Von heute an wählen die Europäer ein neues Europaparlament - für das jeder Bürger übrigens 3,50 Euro im Jahr zahlt. Diese und weitere nützliche Zahlen zur EU, für den Smalltalk am Wahlsonntag.

Von Marc Zimmer
  • Die EU hat insgesamt 24 Amtssprachen von Bulgarisch bis Ungarisch. Als vorerst letzte kam 2013 Kroatisch hinzu. Jede Sitzung des Europäischen Parlaments wird in alle diese Sprachen übersetzt, das ergibt 552 Kombinationsmöglichkeiten für die Dolmetscher.
  • Das Europaparlament hat drei Amtssitze. Zwölf Sitzungswochen pro Jahr entfallen auf den Hauptsitz in Straßburg, die weiteren Sitzungen sowie die alltägliche Arbeit finden in Brüssel statt, wo die Abgeordneten ebenfalls über Büros verfügen. Das Generalsekretariat wiederum ist in Luxemburg angesiedelt. Diese Aufteilung verschlingt 15 Prozent des Budgets, etwa für die zwischen Brüssel und Straßburg pendelnden Lastwagen mit Akten.
  • Mit Hans-Gert Pöttering, der 2014 nicht mehr kandidiert, verlässt nach der Abstimmung der letzte EU-Abgeordnete der ersten Stunde das Parlament. Pöttering saß seit der ersten direkten Wahl zum Europäischen Parlament 1979 durchgehend für die CDU in Straßburg.
  • Der sogenannte "Trilog" ist eines der wichtigsten Instrumente der europäischen Gesetzgebung - obwohl er in keinem EU-Vertrag erwähnt wird. Der Begriff beschreibt die informellen Treffen zwischen Vertretern der EU-Kommission, der Ratspräsidentschaft und des Parlaments auf der Suche nach Kompromissen, die bei beiden Gesetzgebern der EU (Rat und Parlament) durchsetzbar sind.
  • Die Stimme eines Maltesers wiegt bei der Europawahl etwa zehnmal so viel wie die eines deutschen Wählers. Grund ist, dass jeder Mitgliedstaat sechs Sitze im Parlament bekommt - ungeachtet seiner Bevölkerungszahl. Die weiteren Sitze werden nach der Einwohnerzahl berechnet. So kommt es zur sogenannten degressiven Proportionalität: Deutschland als Staat mit den meisten Einwohnern erhält 96 Sitze, was einem Abgeordneten für 859 000 Einwohner entspricht. Auf Malta, das bevölkerungsärmste Land der EU, entfallen sechs Sitze, also einer auf 67 000 Einwohner. Im Durchschnitt kommt europaweit ein Sitz auf je rund 665 000 Einwohner.

"Wer Populisten wählt, wählt leere Sätze"

Die Europawahl als Duell: Martin Schulz tritt als Spitzenkandidat für die Sozialisten an, Jean-Claude Juncker für die Konservativen. Mit der SZ und ihren Partnerzeitungen sprechen beide über die Stärke Deutschlands, ihre Strategie gegen Populisten - und darüber, was die EU mit Christoph Kolumbus zu tun hat. Von Luis Doncel, Cerstin Gammelin, Philippe Ricard, Ian Traynor und Marco Zatterin mehr ...
  • Die EU ist zwar für 500 Millionen Menschen zuständig, hat aber mit 23 000 Beamten weniger Angestellte als der Flughafen in Frankfurt, wo 60 000 Menschen tätig sind. Selbst mit externen Experten und zeitlich befristeten Vertragsarbeitern kommt die EU insgesamt auf nur 34 000 Angestellte - 5000 davon entfallen auf das Europäische Parlament.
  • Während etwa 60 Prozent der Angestellten im Europaparlament weiblich sind, halten Frauen nur etwa ein Drittel der Abgeordnetensitze. Der Frauenanteil unter den Europaabgeordneten ist jedoch seit 1979 ständig gestiegen, von zunächst 18 auf 35 Prozent. Er liegt damit über dem Durchschnitt der nationalen Parlamente in Europa. Deutschland befindet sich mit 37 weiblichen von insgesamt 99 Abgeordneten im oberen Mittelfeld im europäischen Vergleich, den Finnland mit einem Frauenanteil von 62 Prozent anführt.
  • Das älteste Parlamentsmitglied in der aktuellen Legislaturperiode ist der Italiener Ciriaco De Mita (Jahrgang 1928), das jüngste Mitglied ist die Schwedin Amelia Andersdotter (Jahrgang 1987).
  • Das Budget des Europäischen Parlaments macht etwa ein Prozent des Gesamt-EU-Haushaltes aus. 2014 sind es etwa 1,76 Milliarden Euro - das entspricht 3,51 Euro pro Unionsbürger.