Jenseits von Bananenverordnungen, Agrarsubventionen und verbotenen Glühlampen ist die Europäische Union politisch noch immer ziemlich machtlos. Das muss sich ändern. Denn die aktuellen Finanzprobleme sind überhaupt erst entstanden, weil die Mitgliedsländer der EU auf ihrer Souveränität bestehen - vor allem in Geldfragen.
Wenn sich jemand im Büro, am Stammtisch oder im Internet zur Schuldenkrise äußert, lautet der beliebteste Vorwurf an die Politik, speziell an die Bundeskanzlerin, sie handele nicht rechtzeitig, sondern reagiere nur und das immer zu spät. "Europa", so wird gerne gesagt, müsse jetzt eben nur ein paar harte Entscheidungen treffen, zum Beispiel die Griechen aus dem Euro werfen, und dann mal sehen, wie die Spanier damit umgehen.
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Die EU hat zwar eine Gemeinschaftswährung - aber keine sanktionskräftigen Institutionen zur Überwachung der Regeln für den Euro. (© dpa)
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Die simple Weltsicht ist weit verbreitet - leider auch unter Leuten, die es eigentlich besser wissen müssten, zum Beispiel Spitzenmanager. Übrigens schlägt sich gerade die spezifische Arroganz mancher CEOs und CFOs gegenüber Politikern in Sätzen wie diesem nieder: "Wenn ich meine Firma so führen würde, wie die ihre Regierung . . ." In Wirklichkeit ist eine Regierung ungleich schwieriger zu führen als RWE oder die Deutsche Bank, weil die Rahmenbedingungen von Politik sehr komplex sind. Die Schuldenkrise ist dafür leider ein gutes Beispiel.
Die Europäische Union ist als Dachorganisation eines immer noch relativ lockeren Staatenverbundes in den Kernfragen der Politik ziemlich machtlos. Die EU-Kommission besteht im Prinzip aus Entsandten der Länder; das EU-Parlament hat zwar an Bedeutung gewonnen, aber die Schicksalsfragen Europas werden definitiv nicht in Brüssel und Straßburg entschieden.
Europaweiter Verschuldungskonsens
Lässt man all die Bananenverordnungen, Agrarsubventionen und verbotenen Glühlampen beiseite, stellt man schnell fest, dass die Nationalstaaten nach wie vor souverän über ihre jeweilige Außenpolitik, den Einsatz des Militärs, wichtige Bereiche der Sozial- und Innenpolitik und natürlich über den Staatshaushalt sowie dessen Finanzierung bestimmen. Gewiss, den Gauweilern in ganz Europa ist selbst die bisher ziemlich bescheidene Übertragung von Souveränitätsrechten an die EU ein Gräuel. Das aber ändert nichts daran, dass die größeren EU-Krisen der jüngeren Zeit ihren Ursprung in ebenjener Souveränität einzelner Staaten haben.
Die bisher größte, bedrohlichste dieser Krisen ist die Schuldenkrise. Es ist eine Binsenweisheit, dass die Mehrzahl der in der EU organisierten Staaten ihre Etats über Jahrzehnte hinweg durch massive, manchmal unverantwortlich hohe Staatsschulden finanziert haben. Es gab europaweit einen faktischen Verschuldungskonsens, der jedes Jahr in vielen Staaten von den jeweils dort herrschenden Regierungen in nationale Haushalte umgesetzt wurde.
Auch in Deutschland war dies so, egal ob Schwarz-Gelb, Rot-Grün oder Rot-Gelb regierte. Der Bundeshaushalt beruht auf Pump - wenn auch nicht auf ganz so viel Pump mit so wenigen Sicherheiten wie zum Beispiel in Griechenland oder Italien. Notabene, mit Ausnahme eines kurzen Aufblitzens im Bundestagswahlkampf 2002, gehörte die Staatsverschuldung nie zu den herausragenden, gar wahlentscheidenden Themen der politischen Debatte. Die Wähler empfanden es entweder als nicht so schlimm oder sie interessierten sich nicht dafür.
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"The Substance" im Kino
Hallo Herr Kurt Kister,
Sie können mich getrost vom Stammtisch als arroganten " Manager " abholen, wegen der praktizierten Überzeugung und tatsache, daß erfolgreiche Frauen/Männer der Wirtschaft es besser können als die aktuell herrschende Klasse der Politiker , z.B. ein Unternehmen, daß in der Krise - gleich ob selbst-verschuldet oder fremdbestimmt - zum Erfolg führen, gemeinsam mit der Belegschaft, innerhalb von 3 - 4 Jahren, also überschaubar.
Z.B. mit einem Sparkonzept - nicht verwechseln mit Sanierung/ Entlassungen - mit weniger Häuptlngen, mit vorhandenen Indianern - mit Verzicht auf üppige Manager/Geschäftsführergehälter, ohne jeglichen Luxus, z.B. in Bürausstattung, Repräsentation, mit kleinem Fuhrpark, geschäftlichen Flügen/ Reisen in der 2. Klasse, Verzicht auf Hochglanzbroschüren - und, ganz wesentlich, mit Fleiss, mit Engagement, frischen Ideen und Innovationen, Service pur für die Kunden.
Und, was haben wir - nur beispielhaft, in Brüssel : Herr van Rompuy errichtet aktuell einen Palast, ca. 300 Mio € schwer, Kommentar David Cameron: extrem frustrierend.
Haben Sie jemals von Gehaltskürzungen, Minimierung der Aufwands-entschädigungen etc., und zwar jeglicher EU Abgeordneten, gehört ?
Wie, das seinen nur Peanuts im Verhältnis zur Gesamtverschuldung ? Wo bleibt die immer wieder geforderte Vorbildfunktion, Gerechtigkeit, Solidarität mit Arbeitslosen in Griechenland, Spanien, mit jungen Menschen ?
Aufgabe oder Abgabe der Souveränität Deutschlands an Brüssel, mit d i e s e m Personal und Intention, mit Vorschlägen aus dem Tollhaus Eurobonds ( Baroso ) , z.B. kongruent wie die unserer Opposition, Leistungsbilanzüberschüsse aufgeben mittels Stimulierung der Binnennachfrage !!, und damit Defizitsündern helfend, irrationaler Realitätsverlust pur, nachgewiesene Regierungsunfähigkeit.
Es ist n o c h nicht zu spät, die derzeitig praktizierte realitätsleugnende Sturheit ist ein Irrweg. Deutschland und Frankreich müssen vorangehen, Initiative ergreifen, Vorbild sind - siehe oben - die sogen. " guten arroganten Manager " oder Haushaltsvorstände, die auch nur das ausgeben, was sie v e r d i e n en / erwirtschaften, z.B. Urlaub verschieben !!
Nur prosperierende Staaten können hilfebedürftigen Länder helfen, im eigenen Interesse, wie im richtigen Leben, das meint
Bernd L. Müller
großen wirtschaftlichen Ungleichgewichte.
Und warum gerade Deutschland Macht an Brüssel abgeben muss und nicht die Schuldensünder erschließt sich mir überhaupt nicht.
ganz im gegenteil. Die, die solide wirtschaften , sollten besonders viel Macht und Gewicht in den Entscheidungsvorgängen der EU haben, was die anderen natürlich ablehnen.
die Vergemeinschaftung der Fiskalpolitik bedeutet, das die Schuldenländer die Mehrheit haben und uns überstimmen,
wie in der EZB, die deshalb munter Schrottanleihen auf vor allem Deutschlands Kosten kauft, weshalb schon zwei deutsche Spitzenleute in der EZB zurückgetreten sind
Es geht gar nicht anders und man braucht auch nicht groß über andere Modelle nachzudenken. Man kann sich aber darüber freuen, an einem so historischen Prozess teilhaben zu dürfen.
Wie der Weg genau aussehen wird, ob friedlich im Konsens oder voller Abwehr (wahrscheinlich), ist im Ergebnis irrelevant. Der Druck von außen durch die anderen großen Wirtschaftsräume, lässt es nicht mehr zu, dass Einzelstaaten ihr Süppchen kochen, wollen sie noch irgendeine Rolle spielen, wenn es um die zentralen Fragen der Zukunft geht. Um Umwelt, um Menschenrechte, um Gerechtigkeit und Freiheit. Ein verwandter Kulturraum braucht eine gemeinsame Stimme.
Die Abwehrreaktionen der betroffenen Menschen, vor allem in den reicheren Ländern, sind doch nichts als die Ängste, von ihrem Lebensstandard etwas nach unten reichen zu müssen. Es geht also wieder mal ganz egoistisch um das Eigene.
Bis alle Nationalstaaten ihre Verfassung hierzu geändert haben, können mindestens 10 Jahre vergehen. Ich werde schon mal mit NEIN stimmen. Im Übrigen müsste dann die Europäische Kommission aufgelöst werden, das EU-Parlament und der Europäische Gerichtshof gestärkt werden, die nationalen Parlamente um 50% verkleinert werden, kleinere DE-Bundesländer müssten miteinander fusionieren und jeder Abgeordnete müsste im EU-Babylon mit über 25 Sprachen mindestens drei Sprachen verhandlungssicher beherrschen, um wählbar zu werden. Über weitere Nebenwirkungen einer Abgabe von Souveränitätsrechten und Finanzhoheiten des fleißigen deutschen Volkes (u.a. Facharbeiter mit Rente ab 67) möchte ich mich nicht äußern!
Unabhängig davon, wie man zu der Analyse des Autors steht, für eine Fiskalunion ist es zu spät. Sie wird politisch nicht durchsetzbar sein, die Bürger Europas wollen sie nicht. Ausgehend von dieser Situation müssen nun endlich echte Lösungsvorschläge diskutiert werden.
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