Einsatz am Hindukusch Afghanische Bundeswehr-Mitarbeiter wollen nach Deutschland

Abflug: Bundeswehrsoldaten auf dem Flughafen von Kabul. Archivbild vom November 2012.

(Foto: AFP)

Sie sind seit Jahren verlässliche Helfer der Deutschen: Die afghanischen Mitarbeiter der Bundeswehr machen den Einsatz am Hindukusch erst möglich. Doch viele von ihnen werden von den Taliban bedroht. Nun soll sich die Bundesrepublik um sie kümmern.

Im Jargon der Bundeswehr heißen sie Ortskräfte, die afghanischen Mitarbeiter der Bundeswehr. Als Dolmetscher, Hilfsarbeiter im Lager oder geländekundige Führer leisten sie den deutschen Einheiten wertvolle Dienste. Erst durch ihren Einsatz wurde der Einsatz in Afghanistan überhaupt möglich.

Knapp zwei Jahre vor dem Ende des Nato-Kampfeinsatzes in Afghanistan haben die ersten Orstkräfte einem Medienbericht zufolge jetzt die Aufnahme in Deutschland beantragt. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums bestätigte dem Radiosender NDR Info, es lägen bisher drei Anträge von Mitarbeitern vor, "die nach deren eigener Einschätzung eine besondere individuelle Bedrohung anzeigten".

Infolge des Abzugs deutscher Soldaten befürchten viele der weit über 1000 afghanischen Ortskräfte nach Einschätzung der Menschenrechtsorganisation Pro Asyl Repressalien, vor allem durch Taliban. Der langjährige Bundeswehr-Dolmetscher Mohammed Hanif aus Kundus berichtet: "Schon öfter wurde gesagt: Der Hanif muss aus den deutschen Organisationen raus, sonst werden wir ihn umbringen."

Nouripour sieht "moralische Verpflichtung der Bundesrepublik"

Bernd Mesovic, stellvertretender Geschäftsführer von Pro Asyl, fordert deshalb, konkret bedrohte Mitarbeiter müssten sofort außer Landes gebracht werden. Es lägen konkrete Bedrohungen vor, sagt auch der sicherheitspolitische Sprecher der Grünen, Omid Nouripour NDR Info: "Es gibt bereits Berichte von Personen, die von Aufständischen als Kollaborateure gebrandmarkt werden. Es gab auch einen Fall, bei dem ein Kind eines Übersetzers entführt wurde. Und zwar mit der Ansage: Wir entführen dich, weil dein Vater mit den Deutschen zusammenarbeitet."

Nouripour, spricht von einer "moralischen Verpflichtung" der Bundesrepublik, "den Menschen, die ihr geholfen haben, auch zu helfen". Mesovic von Pro Asyl berichtet aus Gesprächen mit Ortskräften, die Bundeswehr weise ihre Mitarbeiter nicht aktiv auf Möglichkeiten zur Aufnahme in Deutschland hin. Das bestätigt Dolmetscher Hanif: "Was mit uns passiert, wenn wir die Arbeit verlieren oder rausgehen, darüber hat uns bisher keiner etwas gesagt."

Der Grünen-Politiker forderte die Bundeswehr auf, ihre Ortskräfte zu informieren: "Was hilft es, wenn die Leute davon nichts erfahren und am nächsten Tag passiert ihnen etwas Schlimmes, weil sie nicht geschützt sind. Auch, weil sie nicht wussten, dass sie woanders Schutz bekommen können." Pro Asyl verteilt jetzt ein Hinweisblatt für Ortskräfte in Afghanistan, in dem die Hilfsorganisation auch juristische Unterstützung anbietet.

Pro Asyl plädiert für ein "geordnetes Aufnahmeprogramm" für bedrohte Ortskräfte und ihre Familien. Eine generelle Lösung lehnt die Bundesregierung jedoch bislang ab. Das Innenministerium erklärt dazu: "Sollte ausnahmsweise bei unseren ehemaligen Ortskräften der Fall eintreten, dass die individuelle Bedrohung ein unvertretbares Maß annimmt, so wird die Option geprüft, dass diese Person mit einem zu definierenden Familienumfeld in Deutschland eine Heimat findet. Es wird dabei immer eine Einzelfallentscheidung geben." Die in Afghanistan tätigen Ressorts seien sich jedoch "der Fürsorgepflicht gegenüber ihren afghanischen Mitarbeitern bewusst".