12.000 Menschen warten in Deutschland auf ein Spenderorgan - viele von Ihnen werden die Wartezeit nicht überleben. Um die Zahl der Spenden zu erhöhen, haben sich die Gesundheitsminister der Länder auf ein neues Verfahren geeinigt: Künftig soll jeder Bürger persönlich gefragt werden, ob nach seinem Tod Organe entnommen werden dürfen. Drei Antworten sind möglich.
Jeden Tag sterben in Deutschland laut Statistik drei Menschen, weil sie nicht rechtzeitig ein Spenderorgan erhalten. Das soll sich ändern. In Zukunft soll jeder Deutsche ausdrücklich gefragt werden, ob er nach seinem Tod Organe spenden will oder nicht. Darauf einigten sich die Gesundheitsminister der 16 Länder am Donnerstag auf ihrer Konferenz in Frankfurt. Sie hoffen, auf diese Weise mehr Menschen als Spender zu gewinnen.
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Deutschland fehlen die Spenderorgane - mit einem neuen Verfahren wollen die Gesundheitsminister der Länder mehr Menschen als Spender gewinnen. (© dpa)
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Den Plänen zufolge könnten die Bürger zum Beispiel beim Abholen ihres Personalausweises oder Führerscheins gefragt werden, wie sie zur Organspende stehen. Drei Antworten sollen dann möglich sein, sagte die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Malu Dreyer (SPD): Man kann sich einverstanden erklären mit einer Transplantation nach dem Tod; man kann ihr widersprechen; oder man kann angeben, sich im Moment nicht entscheiden zu wollen.
In diesem Fall würden die Ärzte bei einem Hirntod wie bisher auch die Angehörigen fragen, ob sie einer Organentnahme zustimmen. Welche Behörde genau die Bürger künftig nach ihrer jederzeit veränderbaren Entscheidung fragen soll, ist noch nicht beschlossen. Der Vorschlag der Länder sei jedoch ein einstimmiges Signal an den Bundestag, das Problem rasch zu lösen, sagte Dreyer.
In Berlin soll das Transplantationsgesetz bis zum Jahresende neu geregelt werden. Auch die dortigen Fraktionschefs Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Volker Kauder (CDU) sind für die sogenannte Erklärungslösung und haben bereits einen fraktionsübergreifenden Gesetzentwurf angekündigt. Steinmeier spendete vergangenes Jahr seiner Frau eine Niere, was das Problem der fehlenden Spender wieder in die Öffentlichkeit rückte.
Es fehlt an Informationen
In Deutschland warten etwa 12.000 Menschen auf ein Spenderorgan, davon allein 8000 auf eine neue Niere. Die Betroffenen müssten im Schnitt fünf bis sechs Jahre ausharren, sagte die Sprecherin der Deutschen Stiftung Organtransplantation, Birgit Blome. Viele würden die Wartezeit nicht überleben. Sie begrüßte daher den Vorschlag der Minister: "Das ist ein guter Weg, um immer wieder Anstöße zu schaffen und die Menschen zu informieren."
Bislang fühlt sich die Hälfte der Deutschen nicht ausreichend informiert über das Thema, wie eine Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zeigt. Drei Viertel wären zwar grundsätzlich bereit, nach ihrem Tod ein Organ zu spenden. Doch nur ein Viertel der Befragten gab an, tatsächlich einen Spenderausweis zu besitzen, in dem ihre Zustimmung dokumentiert ist.
Organspenden sollen zum Normalfall werden
Nur 16 Spender kommen in Deutschland derzeit auf eine Million Einwohner. In Spanien sind es dagegen 34. Dort gilt ein anderes Modell, die sogenannte Widerspruchslösung: Wer nicht ausdrücklich widerspricht, gilt automatisch als spendenwillig. Für diese Lösung machten sich am Donnerstag in Frankfurt die Länder Hessen, Bayern, Sachsen-Anhalt und Saarland stark.
Damit würde die Organspende in Deutschland endlich zum Normalfall werden, argumentieren sie. Die Mehrheit der Länder lehnte ihren Vorstoß jedoch ab. Es gebe tiefgreifende ethische Bedenken, sagte die rheinland-pfälzische Ministerin Dreyer. Außerdem sei fraglich, ob sich dieser Vorschlag mit dem Schutz des Persönlichkeitsrechts vereinbaren lasse.
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(SZ vom 01.07.2011/feko)
wollte ich nur ergänzen.
Ich muss laVictoria zustimmen.
Ich habe massive Zweifel, ob es viel mehr Spender geben wird, nur weil die 'will ich nicht drüber nachdenken' Fraktion (die wohl die Mehrheit darstellen dürfte) jetzt zur 'Frag mich später nochmal' (am besten nie mehr) Fraktion wird.
Wenigstens werden die Leute mit der geplanten Version zum Nachdenken über Organspende gezwungen; ein Anfang.
Das Gesundheitsministerium hat sich mit ihrer Infopolitik aber auch nicht gerade mit Ruhm beckleckert. Anstatt Kampagnien pro Organspende zu machen und das Phantom des skalpellwetzenden Arztes, der nur lechzend auf Unfallopfer wartet, um ihnen die Organe zu entnehmen, endlich auszumerzen wurde Däumchen gedreht.
Die moderne Angst vor dem alten Lebendig-Begraben Mythos (in der neuen Version von: mir werden Organe entnommen und ich getötet obwohl ich wieder gesund werden würde) halte ich für völlig falsch. Der für die Organentnahme nötige Hirntod wird in keinem Krankenhaus zwischen Tür und Angel festgestellt, schon wegen des Haftungsrisikos.
Aus gutem Grund gilt in unserem Rechtsystem der Grundsatz, dass sich niemand ohne meine ausdrückliche Einwilligung an meinem Hab und Gut bedienen darf. Dieser Rechtsgrundsatz hat für meinen Körper und Teile davon ebenso und erst recht zu gelten. Niemand darf meine Körperlichkeit ohne meine ausdrückliche Einwilligung für die Zwecke anderer im wahrsten Sinne ausschlachten - und das soll und muß auch so bleiben. Denn am Ende geht es in unserer vor allem monetär geprägten Gesellschaft auch bei der s. g. Organspende vor allem um viel Geld und Ruhm für Kliniken und Ärzte und dafür gebe ich mich ganz sicher nicht her - auch wegen der großen Mißbrauchsgefahr - denn für Geld und Ruhm gibt es für viele bekanntlich keine Tabus!
nichts wird sich ändern.
Die einzig vernünftige Regelung wäre das Widerspruchsverfahren gewesen.
Wer sich nicht ausdücklich verweigert stimmt zu.
Nun werden potentielle Spender wieder zuhauf mit dem "Weiß nicht" Schildchen am Zeh zu Grabe getragen.
In Schwaben sagen die Locals " Mir gebbet nix"
Und die Schulmedizin ist in der Lage, diese zu geben? Sie kennt sich bestens mit dem Sterben und der Zeit danach aus?