Einigung der Gesundheitsminister Organspende? Ja, nein, vielleicht

12.000 Menschen warten in Deutschland auf ein Spenderorgan - viele von Ihnen werden die Wartezeit nicht überleben. Um die Zahl der Spenden zu erhöhen, haben sich die Gesundheitsminister der Länder auf ein neues Verfahren geeinigt: Künftig soll jeder Bürger persönlich gefragt werden, ob nach seinem Tod Organe entnommen werden dürfen. Drei Antworten sind möglich.

Von Marc Widmann

Jeden Tag sterben in Deutschland laut Statistik drei Menschen, weil sie nicht rechtzeitig ein Spenderorgan erhalten. Das soll sich ändern. In Zukunft soll jeder Deutsche ausdrücklich gefragt werden, ob er nach seinem Tod Organe spenden will oder nicht. Darauf einigten sich die Gesundheitsminister der 16 Länder am Donnerstag auf ihrer Konferenz in Frankfurt. Sie hoffen, auf diese Weise mehr Menschen als Spender zu gewinnen.

Den Plänen zufolge könnten die Bürger zum Beispiel beim Abholen ihres Personalausweises oder Führerscheins gefragt werden, wie sie zur Organspende stehen. Drei Antworten sollen dann möglich sein, sagte die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Malu Dreyer (SPD): Man kann sich einverstanden erklären mit einer Transplantation nach dem Tod; man kann ihr widersprechen; oder man kann angeben, sich im Moment nicht entscheiden zu wollen.

In diesem Fall würden die Ärzte bei einem Hirntod wie bisher auch die Angehörigen fragen, ob sie einer Organentnahme zustimmen. Welche Behörde genau die Bürger künftig nach ihrer jederzeit veränderbaren Entscheidung fragen soll, ist noch nicht beschlossen. Der Vorschlag der Länder sei jedoch ein einstimmiges Signal an den Bundestag, das Problem rasch zu lösen, sagte Dreyer.

In Berlin soll das Transplantationsgesetz bis zum Jahresende neu geregelt werden. Auch die dortigen Fraktionschefs Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Volker Kauder (CDU) sind für die sogenannte Erklärungslösung und haben bereits einen fraktionsübergreifenden Gesetzentwurf angekündigt. Steinmeier spendete vergangenes Jahr seiner Frau eine Niere, was das Problem der fehlenden Spender wieder in die Öffentlichkeit rückte.

Es fehlt an Informationen

In Deutschland warten etwa 12.000 Menschen auf ein Spenderorgan, davon allein 8000 auf eine neue Niere. Die Betroffenen müssten im Schnitt fünf bis sechs Jahre ausharren, sagte die Sprecherin der Deutschen Stiftung Organtransplantation, Birgit Blome. Viele würden die Wartezeit nicht überleben. Sie begrüßte daher den Vorschlag der Minister: "Das ist ein guter Weg, um immer wieder Anstöße zu schaffen und die Menschen zu informieren."

Bislang fühlt sich die Hälfte der Deutschen nicht ausreichend informiert über das Thema, wie eine Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zeigt. Drei Viertel wären zwar grundsätzlich bereit, nach ihrem Tod ein Organ zu spenden. Doch nur ein Viertel der Befragten gab an, tatsächlich einen Spenderausweis zu besitzen, in dem ihre Zustimmung dokumentiert ist.

Organspenden sollen zum Normalfall werden

Nur 16 Spender kommen in Deutschland derzeit auf eine Million Einwohner. In Spanien sind es dagegen 34. Dort gilt ein anderes Modell, die sogenannte Widerspruchslösung: Wer nicht ausdrücklich widerspricht, gilt automatisch als spendenwillig. Für diese Lösung machten sich am Donnerstag in Frankfurt die Länder Hessen, Bayern, Sachsen-Anhalt und Saarland stark.

Damit würde die Organspende in Deutschland endlich zum Normalfall werden, argumentieren sie. Die Mehrheit der Länder lehnte ihren Vorstoß jedoch ab. Es gebe tiefgreifende ethische Bedenken, sagte die rheinland-pfälzische Ministerin Dreyer. Außerdem sei fraglich, ob sich dieser Vorschlag mit dem Schutz des Persönlichkeitsrechts vereinbaren lasse.