Steinmeier: Politische Auszeit "Ich selbst werde der Organspender sein"

Steinmeiers Frau Elke Büdenbender ist schwer nierenkrank. Der SPD-Fraktionschef wird noch in dieser Woche eine Niere spenden und für einige Wochen ausfallen - und das in einer delikaten Phase für die SPD.

Von Thorsten Denkler, Berlin

Gefasst ist wohl der richtige Ausdruck für die Haltung von Frank-Walter Steinmeier an diesem Montagmorgen. Mit einer Stunde Vorlauf hatte er zu dieser Pressekonferenz auf die Fraktionsebene des Deutschen Bundestages geladen. Ein Thema war nicht angegeben. Üblicherweise schrillen nach so einer Ankündigung bei den politischen Beobachtern sämtliche Alarmglocken. Nein, kein Rücktritt, hieß es auf Nachfrage aus der SPD-Fraktion. Aber etwas sehr Wichtiges.

Frank-Walter Steinmeier zieht sich für einige Wochen aus der Politik zurück - und hofft, dass seine Nierenspende seiner Frau das Leben rettet.

(Foto: Getty Images)

Was Frank-Walter Steinmeier zu sagen hat, ist in der Tat sehr wichtig. Es geht um das Leben seiner Frau Elke Büdenbender. Steinmeier, 54, und Elke Büdenbender, 48, sind seit 1995 verheiratet und haben eine 14-jährige Tochter.

Steinmeier versucht diese Pressekonferenz professionell zu überstehen. Er erklärt, beantwortet Fragen, klingt dabei phasenweise so, als ginge es um irgendein politisches Sachthema. Das soll nicht täuschen. In seinem Gesicht liegt eine Spannung, die selten an ihm zu beobachten ist.

Seine Frau sei schwer an der Niere erkrankt, eröffnet Steinmeier die Pressekonferenz. So schwer, dass nur eine Organtransplantation helfen könne. "Ich werde selbst der Organspender sein", sagt Steinmeier. Die Fraktionsgeschäfte wird in den kommenden Wochen der SPD-Haushaltsexperte und Fraktionsvize Joachim Poß übernehmen, "der dienstälteste Abgeordnete", wie Steinmeier sagt. Das sei mit SPD-Chef Sigmar Gabriel abgesprochen.

Noch in dieser Woche soll operiert werden. Er werde deshalb "für einige Wochen nicht auf der politischen Bühne aktiv sein". Er habe die "herzliche Bitte" an die Medien, "mit Rücksicht auf unsere Familie von eigenen Nachforschungen abzusehen". Nein, er werde auch das Klinikum nicht nennen, in dem die Operation stattfinden soll.

Seit Wochen müssen Steinmeier und seine Frau auf diese Entscheidung zugetrieben haben. Sie hätten natürlich auch nach alternativen Behandlungsmöglichkeiten für die Nierenerkrankung gesucht, sagt Steinmeier. Aber nicht gefunden. Am Ende sei nur noch eine Lebendspende in Betracht gekommen.

"Ich bin sicher, dass Sie mich bald in alter Frische wiedersehen werden"

Die Wartelisten für Spenderorgane sind lang. Es kann sich über Jahre hinziehen, bis ein passendes Organ gefunden wird. So viel Zeit war offenbar nicht mehr. Frank-Walter Steinmeier, Kanzlerkandidat der SPD für die Bundestagswahl 2009, lässt sich für seine Frau eine Niere entnehmen.

Steinmeier zeigt sich "persönlich zuversichtlich", dass er selbst die Operation gut überstehen werde, und dass es auch mit einer Niere "für mich keine Einschränkungen geben wird". Er sei sich sicher, "dass Sie mich bald in alter Frische wiedersehen werden".

Politisch fällt die Operation in eine delikate Phase. In der SPD ist gerade ein Streit um die Rente mit 67 entbrannt. Steinmeier gilt als uneingeschränkter Befürworter der Rente mit 67 und damit als einer der beiden Pole in der Debatte. Auf der anderen Seite findet sich der SPD-Vize-Vorsitzende und Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit. Der will am liebsten zurück zur Rente mit 65.

Steinmeiers Ausfall dürfte jene stärken, die Wowereits Position für die richtige halten. Noch ist nicht endgültig entschieden, ob die Frage zu einem Kernthema des SPD-Sonderparteitages Ende September in Berlin wird. Wenn dort nichts entschieden wird, kann Steinmeier das nur recht sein. So wie es aussieht, würde er dort seine Linie wohl nicht verteidigen können.

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