Ehemaliger Generalsekretär CDU-Politiker Heiner Geißler ist tot

  • Der CDU-Politiker Heiner Geißler ist tot. Er starb im Alter von 87 Jahren im pfälzischen Gleisweiler.
  • Geißler war von 1977 bis 1989 Generalsekretär der CDU. Das Amt wurde zu seinem zweiten Vornamen.
  • Er galt als Modernisierer der Partei und als streitbar, nach dem Rückzug aus seinen politischen Ämtern trat er auch als Schlichter auf.
Von Heribert Prantl

Heiner Geißler ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Der CDU-Politiker starb nach Angaben seines Sohnes Dominik nach schwerer Krankheit zu Hause im Kreis seiner Familie im pfälzischen Gleisweiler, Landkreis südliche Weinstraße.

Sein zweiter Vorname war "Generalsekretär", und das ist so geblieben, obwohl die Berufung in dieses Amt nun schon vierzig Jahre zurückliegt. Als Generalsekretär und Modernisierer der CDU wurde Heiner Geißler zu einem der politischen Kriegselefanten der Bundesrepublik; und er blieb das auch noch, als er schon lange kein politisches Amt mehr hatte, als er nur noch Geißler seiner Partei war oder Schlichter war, einer der erfolgreichsten in der deutschen Wirtschaft, bei der Bauindustrie, bei der Druckindustrie.

Generalsekretär, Querdenker, Schlichter

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Als junger Mann war Heiner Geißler Jesuit. Von 1982 bis 1985 war er Bundesminister für Jugend, Familie und Gesundheit; er profilierte sich als Sozialpolitiker. Von 1977 bis 1989 war er Generalsekretär der CDU unter - für ihn stets "neben" - dem CDU-Vorsitzenden Helmut Kohl; er war der Generalsekretär mit der längsten Dienstzeit, führte drei Bundestagswahlkämpfe für die CDU und war der bisher einzige, der neben seiner Aufgabe als Generalsekretär ein Amt als Bundesminister bekleidete.

Er galt als ein Meister der pointierten politischen Auseinandersetzung und Zuspitzung. 1983 sprach er von der SPD als "fünfter Kolonne der anderen Seite", also Moskaus, als es um die Stationierung der US-Mittelstreckenraketen in Europa ging; er erntete für diesen Satz erbitterte Kritik. Im Bundestagwahlkampf von 1983 setzte er ein Brecht-Zitat gegen die SPD ein: "Wer die Wahrheit nicht weiß, ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher."

1989 auf dem Parteitag in Bremen unterlag Geißler im Machtkampf mit Kohl: Er hatte ihn als Parteivorsitzenden absetzen und durch Lothar Späth, den baden-württembergischen Ministerpräsidenten, ersetzen wollen - weil er zusammen mit Rita Süssmuth und anderen an eine gute Zukunft der CDU unter Kohl nicht mehr glaubte. Der Fall des Eisernen Vorhangs kam dazwischen. Kohl setzte ihn als Generalsekretär ab. Der Bruch wurde nie mehr gekittet. Geißler wurde einer der engagiertesten Kapitalismuskritiker in der Bundesrepublik, gewann nun den Respekt und die Anerkennung seiner früheren politischen Gegner.

Vor ein paar Tagen hat sich Heiner Geißler aus der Klinik, in der er wegen einer schweren Erkrankung lag, nach Hause bringen lassen - "zum Sterben", wie er sagte. Am Dienstagmorgen ist Heiner Geißler im Alter von 87 Jahren gestorben.

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