Dschihadist aus Deutschland Einer, der für den IS in den Krieg zog

Geboren in Hessen, Kicker bei jüdischem Club, radikalisiert in einer Moschee: In Frankfurt der erste Prozess gegen einen Islamisten, der für IS in Syrien gekämpft haben soll.

Von Jan Bielicki

Mit dem Bus fuhr er in den Krieg, mit dem Flugzeug kam er zurück. Doch bei seiner Rückkehr aus Syrien am 12. Dezember vergangenen Jahres wurde Kreshnik B. am Frankfurter Flughafen festgenommen.

Seither sitzt er in Untersuchungshaft, an diesem Montag muss der heute 20-Jährige vor dem Oberlandesgericht Frankfurt erscheinen. Die Anklage lautet auf Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung und Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat.

Kreshnik B. ist der erste Angeklagte, der als mutmaßlicher Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vor einem deutschen Gericht steht. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm vor, sich dem IS - in der Anklage Islamischer Staat im Irak und Großsyrien (ISIG) genannt - angeschlossen und sich an Kampfeinsätzen beteiligt zu haben.

Treueeid auf die Terrormiliz

Der junge Mann, in Bad Homburg als Sohn von Einwanderern aus Kosovo geboren, in Frankfurt aufgewachsen und in der Freizeit einst Abwehrspieler einer Fußball-Jugendmannschaft, ausgerechnet des jüdischen Klubs TuS Makkabi, soll sich in einer Frankfurter Moschee radikalisiert und entschieden haben, in den Heiligen Krieg zu ziehen.

Mit Gesinnungsfreunden reiste er Anfang Juli via Istanbul in die Südtürkei und ging dort über die Grenze nach Syrien. Bereits Ende Juni soll er einen Treueeid auf den IS abgelegt haben. Er soll Sanitäts- und Wachdienste geschoben haben, aber auch im Umgang mit Waffen ausgebildet worden sein. Laut Anklage beschaffte er sich eine Schusswaffe und nahm an insgesamt drei Kampfeinsätzen des IS teil. Warum er danach aus dem Kriegsgebiet wieder nach Deutschland zurückkehrte, ist nicht bekannt.

Von den mehr als 400 Islamisten aus Deutschland, die nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes in die Kampfzonen Syriens und des Irak gereist sind, sollen 120 bereits wieder zurück sein. Etwa 25 von ihnen sollen demnach Kampferfahrung gesammelt haben - darunter eben auch Kreshnik B., dem nun bis zu zehn Jahre Haft drohen. Und er wird wohl nicht der letzte Islamist sein, der sich als mutmaßlicher IS-Terrorkämpfer vor einem deutschen Gericht verantworten muss.

Derzeit 140 Ermittlungsverfahren in Deutschland

Laut einem Bericht des Spiegel sind derzeit etwa 140 Ermittlungsverfahren anhängig, die sich mit der Terrormiliz beschäftigen, 33 davon bei der Bundesanwaltschaft. Demnach haben die Bundesanwälte das Berliner Justizministerium bereits gewarnt, dass die Belastungsgrenze erreicht sein könnte, falls die Zahl der Verfahren wegen Mitgliedschaft oder Unterstützung einer ausländischen Terrorgruppe weiter so rapide steige.

Erst am Freitag hatte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) jegliche Aktivität des IS in Deutschland verboten. Auch das Zeigen der schwarzen Fahnen und anderer Symbole der Terrortruppe steht seither unter Strafe.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) kündigte an, geläuterten IS-Terrorkämpfern Hilfe beim Ausstieg anbieten zu wollen. Man werde sich darüber unterhalten müssen, wie sie "den Weg zurück in die Realität finden können", sagte er der Leipziger Volkszeitung. Wer aber zurückkehre, um hier Straftaten zu verüben, werde "die volle Härte des Strafrechts spüren", fügte Maas an.