Drängeln von Israels Premier in Paris Pusch den Bibi

Endlich am Ziel angekommen: Netanjahu fühlt sich wohler in der ersten Reihe. Nicht ganz so glücklich blicken Malis Präsident Keita und Frankreichs Präsident Hollande.

(Foto: REUTERS)
  • Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu steht für sein Verhalten beim großen Gedenkmarsch in Paris bei seinen Landsleuten in der Kritik.
  • Vor laufenden Kameras hatte er sich neben den Präsidenten von Mali in die erste Reihe gedrängelt.
  • Ein Internetspiel der Jugendorganisation der Arbeitspartei entwickelt sich zum Hit im laufenden Wahlkampf.

Netanjahu bahnt sich seinen Weg

Wenn Menschen ins Ausland reisen, dann begleiten sie die Vorurteile ihrer Nationalität verlässlicher als jeder Reisepass. Englische Reisegruppen gelten als trinkfreudig und akustisch auffällig, Russen als besonders durchsetzungsstark am Buffet, Deutsche als vielleicht nicht immer ganz so stilsicher. Und Israelis? "Die Warteschlange missachten, am Buseinstieg drängeln und mit Ellbogeneinsatz nach vorn kommen, das ist dermaßen israelisch", attestiert sich und seinen Landsleuten der bekannte Autor der israelischen Tageszeitung Haaretz Jossi Verter.

Anlass gab ihm der dieser Tage bekannteste reisende Israeli: Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, der zuletzt in Frankreich unterwegs war. Zu dem Ausflug hatte er sich spontan entschlossen und sich, so berichteten jedenfalls israelische Medien, aus Wahlkampfgründen selbst zum großen Pariser Gedenkmarsch eingeladen. Und das, obwohl Frankreichs Präsident Hollande in eigentlich gar nicht dabei haben wollte.

Zwischen Lachen und Fremdschämen

Manche Israelis beobachteten am Sonntag amüsiert, andere peinlich berührt, wie Netanjahu sich forsch seinen Weg in die erste Reihe des Trauermarsches bahnte. War er zu Beginn noch in der zweiten Reihe postiert, nutzte er den ersten Fotostopp der Kolonne, um den vor ihm laufenden Präsidenten von Mali zum Händeschütteln aufzufordern. Dabei zwängte er sich mit einer geschickten Körperdrehung neben ihn und damit in die erste Reihe - wo er nur mit wenig Abstand zum Palästinenserpräsidenten Abbas zweifellos für ein Bild mit Symbolkraft sorgte.

In den Medien, im Taxi, im Café oder beim Friseur ist Netanjahus Vorgehen das große Thema. Beobachter merken nun süffisant an, zwischen Mali und Israel gebe es bislang nicht einmal diplomatische Beziehungen. Fast alle israelischen Medien lachten, schimpften oder ätzten in den vergangenen Tagen über diesen Auftritt: "Peinlich", "ein PR-Desaster".

"Je suis Bibi" und "Pusch den Bibi"

Jossi Verter aber kommentiert das Verhalten in der Haaretz nachsichtiger: "Das sind doch dermaßen wir selber, dass ich versucht bin auszurufen: Je suis Bibi!", schreibt der Kolumnist unter Anspielung auf den Spitznamen des Regierungschefs.

Sogar in den laufenden Wahlkampf für die Knesset hat es die Pariser Episode schon geschafft. Die Jugendorganisation der israelischen Arbeitspartei, größter Herausforderer beim Urnengang im März, hat das Internetspiel "Pusch den Bibi" ins Netz gestellt. Darin kann Netanjahu von der letzten in die erste Reihe des Marschs getrickst werden - zwischen Kanzlerin Angela Merkel und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. Doch egal, ob man das Ziel in 30 Sekunden erreicht oder nicht - am Ende erscheint der Warnhinweis: "Wenn Bibi gewinnt, verlieren alle anderen."