Angst vor Anschlägen US-Soldaten sollen in der Öffentlichkeit Zivil tragen

US-Fallschirmspringer bei einer Übung in der Oberpfalz (Archivbild vom Februar) - beim Einkauf in der Fußgängerzone sollen die US-Soldaten künftig auf Uniform verzichten.

(Foto: dpa)
  • Das Oberkommando der US-Streitkräfte in Europa rät seinen Soldaten, künftig in der Öffentlichkeit zivil zu tragen.
  • Ein Bericht vermutet dahinter die Angst vor Anschlägen durch "einsame Wölfe" - in Deutschland lebende radikalisierte Einzeltäter.
  • Das Bundesinnenministerium sieht keine Änderung der Gefährdungslage.
Von Felix Hütten

In manchen Regionen Deutschlands gehören sie zum Straßenbild: US-Soldaten in Uniform. Etwa 40 000 sollen in Deutschland stationiert sein, insbesondere im Rhein-Main-Gebiet, der Pfalz, in Bayern und in Baden-Württemberg.

Doch möglicherweise ändert sich das künftig: Das Oberkommando der US-Streitkräfte in Europa (EUCOM) rät seinen Soldaten, keine Uniform mehr in der Öffentlichkeit zu tragen. "Wir gehen von einer Gefahr für unsere Soldaten aus", schreibt Navy-Captain Greg Hicks, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit bei USEUCOM. Man habe sich für diesen Schritt entschieden, heißt es weiter, um alles zu tun, um die Sicherheit der Soldaten und ihren Familien zu gewährleisten.

Angst vor den "einsamen Wölfen"?

Ob das Oberkommando in Stuttgart konkrete Anschläge auf ihre Soldaten in Deutschland befürchtet, will es auf Anfrage von Süddeutsche.de weder bestätigen noch dementieren. Die Soldaten-Zeitung Stars and Stripes vermutet hinter der Empfehlung die Angst vor "einsamen Wölfen", also extremistischen Einzeltätern. Die Luftangriffe der US-Truppen auf die Kämpfer des "Islamischen Staats" in Syrien und im Irak könnten sie in Deutschland zu Racheaktionen anstacheln. Ähnlich wie in London: Da ermordeten 2013 zwei Angreifer einen britischen Soldaten auf offener Straße und riefen dabei islamistische Parolen. 2011 ermordete ein mutmaßlicher Islamist zwei amerikanische Soldaten am Frankfurter Flughafen. US-Soldaten in Deutschland könnten demnach weiterhin Ziel solcher Attacken werden, so die Argumentation in dem Bericht.

Für deutsche Soldaten hat sich die Gefährdungslage aber offenbar nicht geändert. Das Verteidigungsministerium jedenfalls plane für seine Streitkräfte derzeit keine neue Kleiderordnung in der Öffentlichkeit, heißt es in Berlin. Zwar gehe man weiterhin von einer abstrakt hohen Gefährdung in Deutschland aus, so ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. Doch die jüngsten Bombenangriffe der US-Streitkräfte in Syrien und im Irak änderten daran nichts. Und somit sieht das Bundesinnenministerium auch keine erhöhte Gefahr für US-Soldaten.

Keine Uniform in Supermärkten und Einkaufszentren

Die US-Streitkräfte in Deutschland haben inzwischen reagiert. Auf der Facebook-Seite der Baumholder Military Community, einem Teil der in Rheinland-Platz stationierten Truppen, werden die Soldaten angewiesen, in Fußgängerzonen, in der U-Bahn oder in Supermärkten auf ihre Uniform zu verzichten.