Die Linke: Richtungsstreit Das Lötzsch'sche Manifest

Mit ihrem Aufsatz "Wege zum Kommunismus" sucht Linken-Chefin Gesine Lötzsch die Nähe zu radikalen Kräften. Die Partei muss sich entscheiden: Will sie sich demokratisch aufstellen oder extremistische Kräfte hätscheln?

Ein Kommentar von Daniel Brössler

Stimmt schon, ein kommunistisches Manifest klingt anders. Gesine Lötzsch, die Vorsitzende der Linkspartei, hat einen Aufsatz geschrieben, in dem sie die Notwendigkeit einer raschen energetischen Sanierung des deutschen Gebäudebestandes herbeisehnt, den Ausbau hochwertiger öffentlicher Dienstleistungen verlangt und anderes, nicht eben Revolutionäres fordert.

Verspräche sie nicht in der Überschrift "Wege zum Kommunismus", hätte ihr Aufsatz ebenso wenig Beachtung gefunden wie die meisten anderen Texte von Gesine Lötzsch. Nun aber können Linke und Öffentlichkeit wahlweise die Ungeschicklichkeit oder die Uneinsichtigkeit Lötzschs beklagen. Am besten gleich beides.

Ungeschickt war ihr öffentliches Auftreten seit ihrer Wahl im Mai. Sie fühlt sich umstellt von missgünstigen Medien und wittert hinter Kritik stets eine Kampagne - auch jetzt, da in den Chor der Entsetzten auch Mitglieder der eigenen Partei einstimmen.

Dabei hätte Lötzsch absehen müssen, welche Wirkung ihr Gerede von kommunistischen Wegen in West wie Ost entfaltet - zumal sie auch noch über die Verbrechen der Kommunisten schwieg. Unbelehrbar aber ist Lötzsch, weil sie die Nähe zu den linken Sekten sucht. Sie will vielleicht nicht den Kommunismus, aber sie möchte wenigstens all denen gefallen, die ihn wollen.

Die Linke, die in diesem Jahr über ein neues Grundsatzprogramm debattiert, wird eine Entscheidung treffen müssen. Sie kann versuchen, sich als demokratische und potentiell regierungsfähige Kraft zu etablieren. Oder sie kann wie bisher extremistische Kräfte hätscheln. Dieser Weg führt vielleicht nicht zum Kommunismus, mit Sicherheit aber ins politische Aus.