In den Parteien werden die Ämter neu verteilt, der neue Bundestag steht bereits fest. Ein Abbild der deutschen Gesellschaft ist das Parlament mit seinen 622 Abgeordneten nicht.
Die SPD durchläuft eine Verjüngungskur: Auf den Vorsitzenden Franz Müntefering folgt ein jüngerer Genosse. Der Partei würde diese Frischzellentherapie nicht nur inhaltlich guttun - der Bundestagsfraktion allerdings auch. Denn die neue, 146 Mann kleine SPD-Bundestagsfraktion hat die ältesten Mitglieder im frisch gewählten Bundestag. 51 Jahre alt ist der durchschnittliche SPD-Abgeordnete; zwei Jahre älter als sein Parlamentskollege aus der Union.
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Der jüngste Abgeordnete im neuen Bundestag: Ab sofort sitzt der 22-jährige Florian Bernschneider für die FDP im Parlament. (© Foto: dpa)
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Zur Erinnerung: Früher, als es noch drei Fraktionen gab und die SPD sowas wie ein festes Milieu hinter sich vereinigte, da wurde der konservativen CDU hartnäckig nachgesagt, sie sei ausschließlich für die "alten Leute".
Der 17. Bundestag: 622 Abgeordnete, davon 202 neue Mandatsträger, werden die nächsten vier Jahre die Politik in Deutschland mitbestimmen. Die Herren und Frauen Parlamentarier repräsentieren die gesamte Gesellschaft. Denkt man. Ein genauer Blick auf die Zusammensetzung des 17. Bundestags zeigt ein anderes Bild.
49-jährige Juristen
Der typische Parlamentarier ist im Schnitt 49 Jahre alt. Er ist Rechtsanwalt oder Richter und übt vorwiegend Dienstleistungsberufe aus; er ist in allen Parteien vertreten und stellt mit 100 Mandaten fast ein Sechstel des Parlaments. Handwerker oder andere Arbeiter sucht man unter den Abgeordneten fast vergeblich: Es gibt genau sieben davon. Die CDU und die Grünen führen einige Abgeordnete mit landwirtschaftlichen Berufen, während die SPD lediglich aus dem Bergbauberuf einen Abgeordneten vorschickt.
Der jüngste Abgeordnete im neuen Bundestag heißt Florian Bernschneider, ist 22 Jahre alt und kommt aus Braunschweig. Der Student gehört aber nicht der Fraktion mit den jüngsten Mitgliedern an (den Grünen mit 46 Jahren Durchschnittsalter) sondern der FDP. Ähnliches gilt für den ältesten Abgeordneten. Heinz Riesenhuber ist 74 Jahre alt und sitzt nicht für die SPD, sondern für die CDU im Bundestag.
Riesenhuber ist allerdings nicht nur mit seinem Alter ein statistischer Ausreißer, sondern auch mit seinem Beruf: Er ist Diplomchemiker. Ansonsten macht er seinem Namen alle Ehre, zumindest was seine "riesige" Fülle an Ämtern und Posten betrifft: Von 1982 bis 1993 war er Bundesminister für Forschung und Technologie, danach saß er zeitweise im Aufsrichtsrat unter anderem von Mannesmann, Henkel und Evotec. Seit 1976 vertritt Riesenhuber den Wahlkreis Main-Taunus im Parlament.
Die jüngste Abgeordnete aller Zeiten war übrigens Anna Lührmann, die 2002 mit 19 jungen Jahren für die Grünen in den Bundestag zog. War, denn sie wird dem neuen Bundestag nicht mehr angehören. Zurzeit macht sie in Khartum ihren Master an der Ahfad University for Women; ihr Ehemann ist deutscher Botschafter im Sudan.
Migranten vertreten, Frauen unterrepräsentiert
Stichpunkt Ausland: Jede Fraktion hat Abgeordnete mit Migrationshintergrund in ihren Reihen. Bei den Grünen sind es gleich fünf, bei der SPD vier und bei der Linken drei. Die FDP hat mit dem Deutsch-Türken Serkan Tören und dem in Teheran geborenen Bijan Djir-Sarai zum ersten Mal Abgeordnete mit Migrationshintergrund in ihren Reihen. Für die CDU sitzt Michaela Noll im Parlament, deren Vater aus dem Iran stammt. Insgesamt 15 Parlamentarier mit ausländischen Wurzeln vertreten nun die Belange von 5,6 Millionen Deutschen mit Migrationshintergrund. Im vorigen Bundestag waren es nur elf. Aufholbedarf haben allerdings die Aussiedler aus Osteuropa. Auch im neuen Parlament sind sie durch keinen Parlamentarier vertreten.
Bei der Männer-Frauen-Bilanz bleibt es fast beim Gleichen. Zwar ist der Frauenanteil im Bundestag von 32,07 (16. Bundestag) auf 32,79 Prozent gestiegen. Doch im Parlament spiegelt sich keineswegs das Geschlechterverhältnis der Wähler wieder. 418 männlichen stehen 204 weibliche Abgeordneten gegenüber; während 32 Millionen Frauen und 30 Millionen Männer Stimmrecht besaßen.
Ein männliches, altes Parlament als Vertreter einer mehrheitlich weiblichen Wählerschaft möchte man fast meinen. Repräsentativ ist der neue Bundestag lediglich bei den Namen. Die häufigsten deutschen Nachnamen sind erneut etliche Male vertreten: Müller, Schmidt, Beck, Fischer ... Wenigstens darin liegt die SPD im Durchschnitt - die ehemalige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt konnte erneut einen Listenplatz ergattern.
Zoff im Bundesgerichtshof: Eine Personalie führt zu heftigen Verwerfungen – die Akte Karlsruhe. Seite Drei Jetzt lesen ...
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(sueddeutsche.de/maz/mati)
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Solche Menschen wie Sie - Zielsicher - bräuchte man mehr. Sie blickten voraus. Aber - wir haben Halbblinde auf der Kommandobrücke.
cc.
Die Feststellung der Nicht-Repräsentativität des Deutschen Bundestages ist richtig. Aber woher kommt das?
Man stelle sich einmal vor, einer der 5 Mio. Gesellen des Handwerks wollte seine Interessen politisch vertreten. Er müßte dann in die Gewerkschaft und in die SPD eintreten. Wie das am Anfang der Arbeiterbewegung ja war. Man betrachte die Berufe der ersten SPD-Reichstagsabgeordneten. Bei den meist konservativen, liberalen oft sogar rechtsradikalen Betriebsinhabern würde das auf Dauer nicht gut gehen. Die Kirche ruft auf, "christlich" zu wählen. Bei Meisterfeiern und Gesellenfreisprechungen wird dazu aufgerufen, sich politisch zu betätigen. Dabei ist allerdings nicht das zuvor Gesagte gemeint, sondern man soll, wie die Chefs (natürlich) für Schwarz-Gelb eintreten. Die doch sehr niedrigen Gesellen-Stundenlöhne würden jedoch ein MEHR an Arbeitnehmerinteressen und -durchsetzung geradezu zwingend erfordern.
Kurzum: Handwerksgesellen können kaum "ihre Interessen" öffentlich vertreten, jedenfalls nicht in exponierter Form, allenfalls als "Dackel" des Chefs.
Nur Leute im ÖD und in Konzernen haben etwas mehr Schutz und Freiraum, müssen sich aber auch "vorsehen", wenn sie wirklich Arbeitnehmervertreter sein wollen.
In den USA geht es bei Präsidentenwahlen und Senatswahlen doch darum, ob der Millionär der Republikaner oder der Demokraten gewählt wird. Senatoren geben oft 3-4 Mio. US-$ aus für ihre Kampagne. Obama habent 200 Mio und McCain 180 Mio US-$ ausgegeben. Wallstreet läßt grüßen. Für die antikapitalistischen Lehrbücher von ehedem, aus Moskau und Ost-Berlin hätte man keine besseren Beispiele erfinden können.
Ich habe, in den 60er Jahren, bei einer Uni-Diskussion, vorausschauend gesagt, dass, wenn der Kommunismus mal weggefallen sein wird ( wofür ich Gründe nannte), die Arbeiterbewegung ( also Parteien der linken Mitte undGewerkschaften) von der Geld- und publizistischen macht "nach Belieben um die vier Ecken gejagt werden".
Ich stelle zwei Dinge fest:
Es ist genau so gekommen. Siehe BT- und Europawahl.
Millionen Menschen, verdummt, desinformiert und manipuliert, wählen ihre eigenen Metzger selber.
Wer hat denn noch die "Opferbereitschaft" im Bundesparlament zu sitzen. Doch nur die, für die es eben kein Opfer ist.
Unternehmer?
Nee, warum sollte er seine Firma vernachlässigen, die mehr Freiheit und auch Einkommen generiert. Lieber lässt er durch seine Lobby die Politiker nach seiner Pfeife Tanzen.
Freiberufler?
Für einen erfolgreichen Freiberufler gilt das selbe, wie für den Unternehmer.
Arbeiter? Angestellter?
Bereits in der Schule schon auf gehorchen getrimmt, verbringt tagtäglich seine Zeit damit , wenigstens das Nötigste für seine Familie zu verdienen. Nimmt lieber Zweitjob, als seine Zeit mit Juristen und Oberlehrern und anderen Karrieristen in der Partei zu verbringen.
Was bleibt, ist das, was Heute im Bundestag sitzt.
"Handwerker oder andere Arbeiter sucht man unter den Abgeordneten fast vergeblich: Es gibt genau sieben davon."
Jetzt braucht man nur noch denen die Hände zu drücken und man wird feststellen, dass die Arbeiter alle seit Jahren nicht mehr gearbeitet haben. Die Schwielen haben die nur noch an einer ganz anderen Stelle. Sie haben sich über Gewerkschaften und mitbestimmenden Aufsichtsratspöstchen das Bundestagsmandat ergattert. Da guck ich doch gar nicht mehr hin. Das weiss ich doch. Die missbrauchen den Titel Arbeiter für Karrierezwecke.
Die repräsentative Demokratie repräsentiert sich nur noch selbst. Das Land da draussen wird zum unbekannten Abenteuerspielplatz.
Ich halte die Regeneration der Alpengletscher für die deutlich wahrscheinlichere Variante.
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