Uneheliche Kinder? Homosexualität? Mit solchen Enthüllungen lässt sich heute kein Politiker mehr zum Rücktritt zwingen - wer einen politischen Gegner zu Fall bringen will, muss schwerere Geschütze auffahren. Der Sturz des CDU-Spitzenpolitikers Christian von Boetticher ist für Intriganten ein seltener Ausnahmefall.
Ein Sexskandal erschüttert die Republik. Betroffen: Der gerade 40 Jahre alt gewordene Karrierepolitiker Christian von Boetticher und seine inzwischen 17-jährige Ex-Geliebte. Boettichers Traum, für die CDU Ministerpräsident in Schleswig-Holstein zu werden, ist geplatzt.
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Einsam in der Seitengasse: Christian von Boetticher, nachdem er am Sonntagabend vom Amt des CSU-Landesvorsitzenden zurücktrat und seinen Verzicht auf die Spitzenkandidatur bei der Landtagswahl 2012 erklärte. (© dapd)
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Wohl selten ist sich das Publikum so einig in der Bewertung eines Sexskandals: Als Mann in der Lebensmitte mit einer 16-Jährigen anzubändeln, das ist moralisch verwerflich. Es dann auch noch Liebe zu nennen und gleichwohl - statt zu ihr zu stehen - die Verbindung zugunsten der politischen Karriere zu lösen, macht die Sache nicht besser.
Dass Boetticher jetzt zurücktreten musste, war aber vermutlich nicht allein Boettichers Entscheidung. Er zumindest war es nicht, der die pikante Liebesaffäre öffentlich gemacht hat. Hier haben Menschen im Hintergrund die Fäden gezogen. Menschen, die keiner sieht und denen Boettichers Verfehlungen gerade recht sind, um einen unliebsamen Kontrahenten loszuwerden.
Die Moralkeule ist ein beliebtes Instrument im politischen Spiel der Macht. Wer einen politischen Gegner nicht mit demokratischen Mitteln besiegen kann, der versucht es eben mit dem, was gemeinhin als Schmutz- oder Rufmordkampagne angesehen wird.
Nur ist es damit wie mit Giftgas, wenn der Wind unerwartet aus der falschen Richtung kommt: Nicht immer wird das Ziel getroffen.
So war es etwa im Jahr 2004, als sich Annette Schavan und Günther Oettinger in Baden-Württemberg um den CDU-Parteivorsitz und die Nachfolge von Erwin Teufel im Amt des Ministerpräsidenten bewarben. Es war ein enges Rennen, zu eng für manche Anhänger Oettingers. Sie verteilten Flugblätter gegen die alleinstehende und kinderlose Schavan. Die unmissverständliche Botschaft: Schavan sei lesbisch.
Beschädigte Angreifer
Oettinger konnte sich zwar am Ende durchsetzen. Doch die Sympathien hatte danach Schavan auf ihrer Seite. Die Unterstellung, lesbisch zu sein, hat sie zurückgewiesen. Dass einige zu solchen Methoden greifen, hat vor allem das Oettinger-Lager beschädigt. Auf Veranstaltungen wurden jene ausgebuht, die danach auch nur versteckt nach Schavans privatem Glück fragten.
Ebenso fehl ging der Versuch eines gewissen Ronald Barnabas "Richter Gnadenlos" Schill im Jahr 2003, den Ersten Bürgermeister der Hansestadt Hamburg mit dessen sexuellen Präferenzen zu erpressen. Schill, damals Chef der "Partei Rechtsstaatliche Offensive", war Innensenator in der Koalition mit CDU und FDP. In einem Vier-Augen-Gespräch eröffnete er Ole von Beust, wenn dieser Schills Parteifreund Walter Wellinghaus aus der Regierung schmeiße, werde er von Beusts Homosexualität und dessen angebliches Verhältnis zu Justizsenator Roger Kusch öffentlich machen.
Was Schill unterschätzte: Zwei Jahre nach dem Outing von Klaus Wowereit ("Ich bin schwul und das ist auch gut so") war Homosexualität in Deutschland für die Mehrheit kein Problem mehr. Ole von Beust ging selbst an die Presse, bestätigte seine sexuelle Präferenz, verneinte eine Verhältnis mit Kusch und blieb ein beliebter Erster Bürgermeister. Wer zurücktreten musste, war dagegen Schill.
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Meist diejenigen die es gerade nötig haben.
Was heißt denn hier unmoralisch? Wer entscheidet das? Die sog. öffentliche Meinung? Erwas Ungreifbares wird eine Moralinstanz.
Also jetzt hörts es aber auf. Solange keiner von beiden Gesetze verletzt hat, ist das deren beider Sache.
Für die Königsmörder natürlich ein gefundenes Fressen. Wieso habt ihr ihn den nicht demokratisch abgewählt? Da hattet ihr wohl keine Traute, liebe Parteifreunde, oder wie seh ich das?
Zwar bin ich absolut Ihrer Meinung, was die Bundesländerreform angeht, IMHO müsste sie dergestalt sein, dass dieselben abgeschafft werden, aber als die Beziehung anfing, war CvB noch nicht Vorsitzender und Spitzenkandidat.
Er hat die Beziehung beendet und kehrte kurz darauf zu seiner früheren zurück, bevor er sich so in den Vordergrund gebracht hatte.
Ich habe von ihm vorher noch nicht viel gehört und fand schon beim ersten Mal, dass er auftritt wie Ernie in "Stromberg". Auf seine Weise auch ein bisschen sympathisch, aber eben von seinen Ansichten her zu konservativ.
Losgelöst von seiner Person habe ich grundsätzlich nichts gegen eine solche Beziehung. Sie ist genauso legitim wie die zwischen zwei Männern, zwei Frauen, einem 60Jährigen und einer 30Jährigen oder oder oder... solange sich nur beide einig sind, was der Fall war.
Ihm ein rein sexuelles Interesse zu unterstellen, steht niemandem zu. Mit 24 habe ich selbst eine 14Jährige kennen gelernt, die mittlerweile Mutter meiner Tochter ist.
Ich habe die gleichen Anfeindungen, die gleichen "Argumente" von wegen Gefälle, Macht, Teenie-Spleen und sogar Pädo-philie ertragen müssen. Die Zeit sollte uns Recht geben, heute ist die Beziehung ganz selbstverständlich und sie war von Anfang an gleichberechtigt.
Die Gesellschaft hat große Schwierigkeiten mit allem, was "anders ist". Das war seinerzeit mit Homosexualität so oder mit Unehelichkeit und heute gibt es eine hysterische Tendenz, die (Klein-)Kindheit vor allem von Mädchen am besten bis in die frühen Zwanziger zu verlängern!
*Das* halte ich als Vater einer Tochter für wesentlich gefährlicher für die Psyche eines Mädchens als eine Beziehung mit Altersunterschied. Diese mag kaputt gehen, es mögen dort Spannungen geben und Dinge, die man später bereut, aber das passiert auch mit gleichaltrigen Beziehungen! Wie ich schon schrieb, da mussten die meisten von uns einmal durch.
Und persönlich denke ich, auch vor dem Hintergrund der sehr erfolgreichen Beziehung zu meiner Frau, dass ich meiner Tochter eher einen Mann wünsche, der sich aufrichtig in sie verliebt und dafür die Anfeindungen von Spießbürgern und Besserwissern erträgt (CvB tat das nicht und *das* würde ich ihm eher vorwerfen!) als ein halbstarker Gleichaltriger, der sich nur die Hörner abstoßen will.
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So schlimm wird es für CvB nicht werden.
Irgend ein Pöstchen bei irgendeinem Lobbyisten wird sich finden, dazu ein netter Platz in einer wohlhabenden Anwaltssozietät...
Kann sich jeder hier selbst ein Bild machen:
"In Clark County im US-Bundesstaat Nevada, dessen Verwaltungssitz Las Vegas ist, ist eine Heiratsurkunde hinterlegt. Danach hat Christian von Boetticher am 15. Oktober 2010 Anna Christina Hinze geheiratet (Marriage Certificate Nr.: 20101015000751090).
Elf Jahre lang ist der Politiker bereits mit Hinze zusammen.
Ob er die Beziehung während seiner Affäre mit einer 16-Jährigen weitergeführt hat, dazu gibt es unterschiedliche Angaben.
Unter Tränen sagte von Boetticher am Sonntag in der Pressekonferenz: „Ich habe zu diesem Zeitpunkt (der Teenager-Affäre, d. Red.) keinerlei Beziehung zu einer anderen Frau gepflegt.“
Die WELT hingegen schreibt, dass es keine Beziehungspause gab.
JA, er sei im Frühjahr 2010 „mehrere Monate lang“ mit einer „jungen Frau“ zusammen gewesen. NEIN, das sei keine „Affäre“ gewesen – schließlich habe er ja damals keine andere Beziehung gehabt.
Und trotzdem bleibt ein schales Gefühl. Denn Marie (geboren im Februar 1994) war wohl erst 15, als die beiden sich über Facebook Anfang 2010 kennenlernten.
Sex beim ersten Treffen
Sie sollen sich Hunderte Mails und SMS geschrieben haben. „Monate später folgte dann das erste persönliche Treffen im Steigenberger in Düsseldorf“, soll die junge Frau der Zeitung „Express“ gesagt haben.
Sie habe auch erzählt, dass sie dort Sex hatten. „Zwei Tage blieben wir im Hotel“, wird die Düsseldorferin im „Express“ zitiert.
Wer hat Schluss gemacht?
„Er sagte, dass er nicht mehr könne. Er müsse sich auf seine politische Arbeit konzentrieren. Ich solle warten, bis ich 18 bin, dann hätten wir keine Probleme mehr“, sagte Marie T. (heute 17, Name von der Red. geändert) dem „Express“.
Doch laut der Zeitung hatte das Mädchen daran kein Interesse. „Ich habe schließlich gebeten, dass er sich nicht mehr bei mir meldet. Daran hat er sich auch gehalten.“
Montagnachmittag – nur einen Tag nach dem Rücktritt ihres Ex-Geliebten – schrieb sie auf ihrer Facebook-Seite: „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.“ (Quelle: bild.de)
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