Dementi aus Ägypten Mursi streitet Interview mit iranischer Nachrichtenagentur ab

Ein angebliches Interview des neuen ägyptischen Präsidenten sorgt für Ärger: Er plane eine Annäherung an Iran und wolle den Friedensvertrag mit Israel überprüfen, soll Mohammed Mursi darin behauptet haben. Doch der dementiert: Das Interview habe gar nicht stattgefunden, die Veröffentlichungen entbehrten "jeder Grundlage".

Ein angebliches Interview des neu gewählten ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi sorgt für Wirbel: Die iranische Nachrichtenagentur Fars hatte am Montag gemeldet, der islamistische Politiker habe ihr in einem Gespräch gesagt, dass er eine Annäherung an Iran suchen und den Friedensvertrag mit Israel überprüfen wolle.

Was hat Mohammed Mursi gesagt - und hat der neue Präsident Ägyptens überhaupt mit der iranischen Nachrichtenagentur gesprochen? Er bestreitet das.

(Foto: REUTERS)

Am Montagabend ließ Mursi den Bericht jedoch dementieren. "Der Präsident hat dieser Agentur kein Interview gegeben, und das, was veröffentlicht wurde, entbehrt jeder Grundlage", sagte sein Sprecher der staatlichen ägyptischen Nachrichtenagentur Mena.

Das Interview mit der regimenahen iranischen Agentur war nach deren Angaben noch vor der Verkündung des Wahlergebnisses geführt worden. Die Nachrichtenagentur veröffentlichte auch einen Audiolink zu der angeblichen Aufnahme des Gesprächs auf arabisch. Darin sagt Mursi laut Fars unter anderem, er werde den Friedensvertrag von Camp David mit Israel überprüfen lassen.

Die Ausweitung der ägyptisch-iranischen Beziehungen werde "ein wirksames strategisches Gleichgewicht in der Region" herstellen, soll Mursi demnach gesagt haben. Neben einer Revision des Friedensvertrags mit Israel soll sich der neue ägyptische Präsident zudem für das Rückkehrrecht der Palästinenser ausgesprochen haben, die in den Nahost-Kriegen fliehen mussten oder vertrieben wurden - für den Nachbarn Israel beunruhigend klingende Einlassungen.

Engere Beziehungen zwischen Kairo und Teheran wären für Israel eine strategische Katastrophe. Unter Mubarak war das Verhältnis der Führung in Kairo zu Iran eher frostig. Das Ajatollah-Regime hatte die diplomatischen Beziehungen 1979 wegen des Camp-David-Vertrags abgebrochen. Seit 15 Jahren strebt Teheran eine Aufwertung der Beziehungen an, stieß jedoch bei Mubarak auf taube Ohren.

In seiner ersten Ansprache am späten Sonntagabend als gewählter Präsident hatte Mursi erklärt, er wolle sich um ausgewogene Beziehungen zu allen internationalen Akteuren bemühen. Bestehende Verträge, darunter den Friedensvertrag mit Israel, werde Ägypten aber einhalten.

Der 60-jährige Kandidat der konservativ-religiösen Muslimbruderschaft hatte sich in der Stichwahl um die Präsidentschaft gegen den Ex-Ministerpräsidenten Ahmed Schafik durchgesetzt. Das Ergebnis war am Sonntag verkündet worden. Nach bisherigen Ankündigungen des herrschenden Militärrats soll Mursi am 30. Juni in sein Amt eingeführt werden. Er tritt die Nachfolge des im Februar 2011 gestürzten Hosni Mubarak an.