Debatte über rassistische Klubnamen im US-Sport Lauf, Rothaut, lauf!

Das Logo der Football-Mannschaft Washington Redskins ist ein Indianer auf goldener und burgunder Farbe. Es existiert in dieser Form seit 1979.

(Foto: Reuters)

In Washington herrscht eine angeregte Debatte über das örtliche Footballteam. Denn aus Sicht einiger Indianer sind Klubnamen wie "Redskins" und "Cleveland Indians" so anstößig, als würde man Teams die "San Francisco Schlitzaugen" nennen oder die "New Yorker Juden".

Von Nicolas Richter, New York

Amerikas Profi-Football wird scheinbar in der Wildnis gespielt: "Bären", "Adler", "Löwen", heißen die Mannschaften, oder aber "Räuber" und "Piraten". Ähnlich einschüchternd sollen die "Redskins" klingen, das Team der US-Hauptstadt Washington. Die "Rothäute" haben eine große Saison hinter sich, ihr Jungspieler Robert Griffin gilt als Talent des Jahres. Doch jetzt haben die Rivalen aus Baltimore (die "Raben") die Super Bowl gewonnen, Griffin ist verletzt und die Redskins sehen sich der neuen Forderung ausgesetzt, ihren Namen zu ändern. Rothaut gilt als Schimpfwort gegenüber jenen, die man korrekt "native americans" nennt.

In dieser Woche hat sich das angesehene "Smithsonian Museum des amerikanischen Indianers" am Fuße des Kapitols einen Tag lang rassistischen Klischees im Sport gewidmet und besonders der Rothaut-Kontroverse. Experten und Gäste bekannten sich zwar zu der Mannschaft, weigerten sich aber, deren Namen auszusprechen. Sein Logo, ein Indianerkopf im Profil, karikiert aus Sicht der Kritiker eine Minderheit. Es reduziere Indianer auf Krieger und entlasse die weiße Mehrheit aus der Verantwortung für das, was weiße Siedler einst den Eingeborenen angetan hätten. "Indianer taugen nicht als Maskottchen", sagt Sport-Professor Newton Jackson.

"Indianer taugen nicht als Maskottchen"

Die Debatte betrifft nicht nur die Redskins, sondern etwa auch die "Cleveland Indians" sowie etliche andere Profi-, Universitäts- und Schulmannschaften, die sich Namen von Indianerstämmen gegeben haben. Die "Redskins" heißen seit den Dreißigerjahren so und verteidigen sich mit dem Hinweis, sie wollten die Eingeborenen ehren - deren Mut, Stärke und Kampfgeist. Doch nicht alle Indianer fühlen sich gewürdigt. Der Indianer Manley Begay sagt, gerade das Wort "Redskin" sei abfällig. Er selbst sei von Weißen als "dreckige Rothaut" oder als "stinkender roter Neger" beschimpft worden. Aus Sicht etlicher - nicht aller - Indianer ist selbst der allgemeine Name "Cleveland Indians" so anstößig, als würde man Teams die "San Francisco Schlitzaugen" nennen oder die "New Yorker Juden".

Der "Redskins"-Streit dauert seit Jahrzehnten. Schon in den Achtzigerjahren trommelten Indianer aus Protest vor dem Stadion, wurden aber beschimpft und bespuckt. 1992 gewannen die Redskins die Super Bowl, die Debatte flammte abermals auf. Vergeblich. Allerdings wächst die Sensibilität für solche Themen in der Gesellschaft weiter. Mehr als die Hälfte der Mannschaften im ganzen Land haben ihre indianischen Namen inzwischen abgelegt, und auch in der Hauptstadt verlangen dies nun immer mehr Meinungsführer. Die Zeitung Washington Post forderte diese Woche eine Namensänderung. Und der Bürgermeister Washingtons, Vincent Gray, möchte die Mannschaft erst wieder in seiner Stadt spielen lassen, wenn sie sich umbenannt hat. Derzeit liegt deren Stadion im Nachbarstaat Maryland.

Noch aber sind die Redskins die Redskins. Die Marke ist etabliert und viel Geld wert; die Fans lieben ihre Schlachtrufe. Club-Eigentümer Daniel Snyder macht keine Anstalten, den Namen zu ändern. Dabei vermuten seine Kritiker sogar größte Verdienstchancen in einer Umbenennung: Alle Fans müssten neue T-Shirts und Mützen kaufen.