DDR-Vergangenheit Linken-Politikerin soll Stasi-Spionin gewesen sein

Die Linke träumt von einer rot-rot-grünen Regierungskoalition, doch jetzt beschäftigen Stasi-Vorwürfe die Partei: Fraktionsgeschäftsführerin Ruth Kampa soll einem Bericht der "Welt" zufolge eine Top-Spionin der Stasi gewesen sein - und nicht nur das.

Seit Tagen appellieren prominente Linke an SPD und Grüne, ein rot-rot-grünes Bündnis auf Bundesebene zu erwägen. Nach nun enthüllten Stasi-Verstrickungen dürfte bei der Linken nun jedoch ein anderes Thema in den Vordergrund rücken. Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, wäre es ein heftiger Schlag für die Partei und speziell ihre Bundestagsfraktion. Nach Recherchen der Welt soll die langjährige Geschäftsführerin Ruth Kampa fast 20 Jahre lang für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) tätig gewesen sein.

Kampa, die als enge Vertraute Gregor Gysis gilt, war dem Bericht zufolge eine Top-Agentin der DDR-Behörde. Als Inoffizielle Mitarbeiterin (IM) soll die Juristin unter dem Decknamen "Sonja Richter" in der Bundesrepublik Deutschland spioniert und Westberliner für die Stasi angeworben haben.

70 Seiten starke IM-Akte

Von der Zeitung veröffentlichte, geheime Dokumente der Stasi-Unterlagenbehörde sollen zeigen, welchen Karriereweg Kampa nach ihrer Anwerbung 1969 nahm. Den Unterlagen zufolge war die damals 18-Jährige noch als Schülerin zur "Aufklärung" von Jugendlichen angeworben worden. Später leistete sie "abwehrmäßige Arbeit" und wurde zum "Einsatzkader Instrukteur/Werber ausgebildet". Die Auszüge sollen Teil einer 70 Seiten starken IM-Akte sein, die die Stasi über Kampa anfertigen ließ.

Konfrontiert mit den Vorwürfen wollte Kampa sich der Tageszeitung Welt zufolge nicht äußern. Sie wird mit den Worten zitiert: "Das muss ich jetzt erst einmal sacken lassen." Weiter sagte sie demnach, sie habe die Akte bislang noch nicht eingesehen.

Die Bundestagsfraktion der Linkspartei sieht vorerst keinen Anlass sich von Ruth Kampa zu trennen. Momentan gebe es nichts zu entscheiden, sagte ein Sprecher der Linken-Fraktion in Berlin. Über ihre Mitarbeiter werde die neue Bundestagsfraktion kommende Woche entscheiden.

Die Welt erhebt noch weitere Vorwürfe gegen die im Hintergrund wirkende Linken-Frau. So gebe es zwar keine Beweise, dass sie am Verschwinden von SED-Parteivermögen in Milliardenhöhe beteiligt war. Sie sei aber bis zum heutigen Tage an Gesellschaften beteiligt, "deren Vermögen unzweifelhaft aus den Hinterlassenschaft der Honecker-Partei stammen".