Die Basis ist schon glücklich, wenn er nur anwesend ist: Karl-Theodor zu Guttenberg ist der Star des CSU-Parteitags in München. Sein Parteivorsitzender Horst Seehofer wehrt sich nach Kräften gegen die Machtdämmerung - und hat Erfolg: mit heftiger Schelte für den neuen Hauptgegner der Union.
Er steht vorne auf der Bühne und müht sich redlich. Schon nach der Hälfte der Redezeit klingt seine Stimme heiser. Er ruft markige Sprüche ins Mikrofon wie "Bildung statt Schnaps" oder "Aktivieren statt Alimentieren". Es geht um das Sparpaket bei Hartz IV und darum, dass es in der Verantwortung einer christlichen Partei liege, dafür zu sorgen, dass Geld richtig investiert werde. Dann spricht er noch von Bayern, das in allen Bereichen Vorbild sei, vor allem auch in Sachen Integration: "Wir können als Bayern alles - auch Hochdeutsch!"
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Horst Seehofer auf dem Parteitag der CSU in München: "Die Grünen sind die Versager in der deutschen Politik." (© dapd)
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Es sind echte Steilvorlagen, die Parteichef Horst Seehofer den Delegierten liefert. Aussagen, die einen CSU-Parteitag in Wallung bringen können. Normalerweise. Doch diesmal plätschert der Applaus während der fast zweistündigen Rede des Vorsitzenden müde vor sich hin. Seehofer braucht viel Anlauf und einen riesigen Strauß an Themen, bis im Saal vereinzelte "Bravo"-Rufe erklingen.
Die Rede des Parteivorsitzenden war mit Spannung erwartet worden. Die CSU erlebt unruhige Zeiten, der Unmut an der Basis ist groß. Manche sprechen von Aufruhr, andere von Putsch. Angesichts schlechter Umfragewerte gibt es eine Diskussion um die Nachfolge des Parteichefs. Die Frage, ob Seehofer noch der richtige Anführer ist, schwebt über dem Parteitag. Dazu muss sie nicht auf der Tagesordnung stehen.
Nicht immer gelingt es den Delegierten an diesen zwei Tagen in der Münchner Messehalle, ihren Unmut zurückzuhalten. Am Freitag haben sie lange und emotional über die Frauenquote diskutiert. Es war Seehofers Projekt - doch es brauchte die Unterstützung von Kanzlerin Angela Merkel und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, bis die Basis schließlich dem Parteichef folgte.
Bei einem Thema hingegen, das Horst Seehofer noch bis vor kurzem als "Markenkern" der Partei bezeichnet hatte, gab es keinen Widerstand. Ohne Diskussion und mit großer Mehrheit verabschiedete sich die Partei von der Wehrpflicht. Weil Guttenberg es so wollte.
Der Thronfolger und vielleicht Kanzler in spe hält sich auch an diesem Samstag vornehm zurück. Er sitzt in der zweiten Reihe vor der Bühne schräg hinter Edmund Stoiber, der die Rede von Seehofer meist regungslos verfolgt, gar ein wenig missmutig die Fotografen vor ihm mustert.
Vorne zählt Seehofer die Verdienste der CSU auf. Er holt dafür weit aus und spricht fast jeden im Vorstand, der in den ersten zwei Reihen vor ihm sitzt, persönlich an. Ilse Aigner, die "liebe Christine Haderthauer", Ludwig Spaenle, Joachim Herrmann, Georg Schmid, Peter Ramsauer. Bei allen bedankt er sich für ihre Verdienste für die Partei. Einen Namen aber erwähnt er nicht: Karl-Theodor zu Guttenberg.
Andere sprechen dafür umso mehr von dem Baron. Georg Bogensperger zum Beispiel. Der zurückhaltende Herr sitzt hinten im Saal, ein gutes Stück von der Bühne entfernt. Und auch vom Parteivorstand. Bogensperger vertritt den Kreisverband Bamberg, er hat gesunde rote Wangen. Wenn er von dem Star seines Kreisverbands spricht, werden sie noch ein wenig röter.
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