Mit dem Streit um den Amtsantritt von Außenministerin Ashton schlittert die EU einer neuen Peinlichkeit entgegen. Die Europäer sollten den Konflikt lösen - schnell und lautlos.
Die Europäische Union schlittert einer weiteren Blamage entgegen. Erst sah die Welt mit einiger Verblüffung, wie die EU jahrelang ungeniert über eine neue, moderne Vertragsgrundlage stritt. Als der Reformvertrag von Lissabon endlich ratifiziert war, begann das zuweilen bizarre Geschacher um die neuen Spitzenjobs.
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Catherine Ashton soll EU-Außenministerin werden - doch wann? (© Foto: AP)
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Wer soll Präsident des Europäischen Rates werden, und wer Hoher Vertreter für Außen- und Sicherheitspolitik? Kaum haben sich die Staats- und Regierungschefs nun überraschend schnell geeinigt, international nahezu unbekannte Personen auf diese Posten zu hieven, da verheddern sich Europas Macher schon wieder in ihrer selbstgeschaffenen Bürokratie.
Keiner weiß zu sagen, ab wann sich Baroness Catherine Ashton tatsächlich Außenministerin nennen darf. Ist die bisherige Handelskommissarin bereits ab 1. Dezember im neuen Amt, wenn der Lissabon-Vertrag in Kraft tritt? Darauf dringt jedenfalls der Europäische Rat.
Oder muss sie warten, bis die neue Europäische Kommission gebildet und bestätigt ist, was nicht vor Februar des kommenden Jahres passiert? Das fordert das Parlament. Brüssel droht erneut in kleinlichem Kompetenzstreit zu versinken.
Peinlich daran ist, dass Ashton ausgerechnet aufgrund des als Reform gepriesenen Lissabon-Vertrages in dieser Zwitterrolle steckt. Der sieht vor, dass der Hohe Vertreter sowohl dem Rat angehört als auch der Kommission, weil er eben auch deren Vizepräsident ist. Und über die Kommission wiederum darf das Parlament das letzte Wort sprechen.
Die EU wäre gut beraten, den Konflikt zügig und lautlos zu lösen. Sonst ist nicht nur die Außenministerin vor Amtsantritt international beschädigt, sondern auch der herbeigesehnte Lissabon-Vertrag.
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(SZ vom 23.11.2009/gal)
Protest gegen dritte Startbahn
"Sonst ist nicht nur die Außenministerin vor Amtsantritt international beschädigt..." sorgt sich C Gammelin.
Beschaedigt wurde bereits das Amt des EU-Aussemninsters, als es mit einem nobody ohne relevante Erfahrung aus der britischen Provinz besetzt wurde, nur um dem politischen Proporz innerhalb der EU Genuege zu tun. Wie sagte Nigel Farage: "Ashton ist ideal fuer den Job. Sie wurde noch nie in ein Amt gewaehlt und hatte noch nie einen echten Job." Da ist die Frage wann genau sie antritt wirklich zweitrangig.
"Peinlich daran ist, dass Ashton ausgerechnet aufgrund des als Reform gepriesenen Lissabon-Vertrages in dieser Zwitterrolle steckt. Der sieht vor, dass der Hohe Vertreter sowohl dem Rat angehört als auch der Kommission, weil er eben auch deren Vizepräsident ist. Und über die Kommission wiederum darf das Parlament das letzte Wort sprechen."
Scheint also dass ein paar Details im Lissabon-Vertrag nicht ganz durchdacht sind. Aber macht nix, er ist eh so gut wie angenommen. Und das Gute ist, das Kompetenzwirrwarr in der EU wird durch den Vertrag noch groesser - jetzt weiss man schon nicht mehr wann EU-Funktionaere ihren Posten antreten koennen/duerfen/sollen.
Sehr geehrte Frau Gammelin,
ich weiß nicht recht, wie ich auf Ihren Meinungsbeitrag reagieren soll. Belustigt? Fassungslos?
Was ist denn bitte "peinlich" daran, wenn ein politisches Amt erst angetreten werden darf, wenn die verfassungsgemäßen (hier: vertragsgemäßen) Voraussetzungen erfüllt sind?
Frau Ashton wird Vizepräsidentin der Kommission und wird Chefin der mit Auswärtigem betrauten Generaldirektion der Kommission. Selbstverständlich kann sie dies erst sein, wenn die neue Kommission korrekt im Amt ist.
Vielleicht ist es Ihnen ja entgangen, aber auch Guido Westerwelle musste über einen Monat warten, bis er sich Außenminister nennen durfte, obwohl jeder wusste, dass er es wird. Ein amerikanischer Präsident wartet übrigens länger als 2 Monate.
Das möchte ich sehen, daß sich Frankreich und England ihre Außenpolitik durch ein EU-Außenministerin vorschreiben lassen...
Ein EU-Außenminister ohne Land,
Ein EU-Parlament ohne Volk,
aber einen Lissaboner Vertrag ohne breite demokratische Zustimmung erzwungen zu haben....
Da fragt man sich, was wohl als nächstes passiert......
"Die EU" hat sich nicht "jahrelang ungeniert" über den "Vertrag von Lissabon" gestritten. Die Eurokratie hat Jahre gebraucht diese "moderne Vertragsgrundlage", gegen den Willen der großen Mehrheit ihrer Bürger durchzupressen! Nur in einigen osteuropäischen Neumitgliedern ist dieses Vertragswerk, in Referenden von der Bevölkerung akzeptiert worden. Die deutsche Bevölkerung wurde von vornherein, via Bundestag entmündigt, und als der ursprüngliche Verfassungswerk in Frankreich und Holland glatt durchfiel, hat man das "gute Stück" als "Vertrag von Lissabon" umbenannt, einfach parlamentarisch verabschiedet Nur in Irland ging das nicht... -dort lies man "wählen" bis das Ergebnis passte!
Was dieser Vertrag wert ist, zeigt sich auch an den neuen Posten eines "ständigen Ratsvorsitzenden" und des "hohen Vertreters für Außen- und Sicherheitspolitik", vulgo: "EU- Außenminister" ohne Land! Sie sind wahrscheinlich nur weitere überbezahlte Früstücksdirektoren, die eigentlich nur die Euro- Kakophonie nach außen verstärken können... -wenn man allerdings als ausländische Regierung wissen will was "Europa" plant, fragt man am Besten gleich das State Department in Washington D.C.!
Die EU gehört in dieser Form abgeschafft. Sie ist undemokratisch, hat mafiöse Stukturen und ist zudem ein Sammelplatz inkompetenter/unfähiger/lustloser Politikvertreter, die sich geradezu wolllüstig in das (nur für sie selbst natürlich) Schlaraffenland EU stürzen - weit weg jeglicher Bürgerkontrollen.
Die EU zerstört kleine wie grosse Gemeinschaften, kulturelle Idenditäten, europäische Arbeitsmärkte und damit gesellschaftliche Harmonien. Sie ist zu sehr das Instrument globaler Kapitalinteressen.
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