BND-Präsident Ernst Uhrlau Ein Mann schweigt sich in die Bredouille

Die Krise um die verschwundenen Baupläne für die neue Zentrale des Bundesnachrichtendienstes in Berlin könnte BND-Präsident Uhrlau den Job kosten. Weil er ungeschickt agiert - und weil ihm die richtigen Freunde in der Politik fehlen.

Von Hans Leyendecker

Eigentlich ist auch ein Nachrichtendienst nur ein gewöhnlicher Behördenapparat; aber wenn Interna aus diesem Dienstbetrieb bekannt werden, herrscht meist Aufregung. Wer weiß das besser als der Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), der große Schweiger Ernst Uhrlau? Seit drei Jahrzehnten ist Uhrlau, 64, mit den internen Abläufen in Sicherheitsapparaten vertraut. Und doch droht ihm jetzt, auf der Zielgeraden der Karriere, noch Ungemach. Es ist nicht auszuschließen, dass er wenige Monate vor dem geplanten Wechsel in den Ruhestand unfreiwillig gehen muss.

Ernst Uhrlau ist wegen seines Krisenmanagaments im Fall der verschwundenen BND-Baupläne in der Kritik.

(Foto: ddp)

Was Uhrlau zum Verhängnis werden könnte, ist eine eigentlich überschaubare Geschichte. Baupläne der neuen BND-Zentrale sind in Umlauf. Nichts wirklich Bedeutendes, aber weil Uhrlau beim Krisenmanagement ein bisschen sehr tough auftrat und möglicherweise auch voreilig, hat er jetzt Ärger. Unangenehm ist auch, dass fast zeitgleich Intimes aus dem Apparat bekannt wurde. Ein von Uhrlau geförderter Abteilungsleiter soll sich auf seinem Dienst-Computer Sex-Seiten angeschaut haben. Der Beamte wurde inzwischen intern versetzt.

Das alles kann der Chef des Auslandsnachrichtendienstes heil überstehen, wenn er sich mit der Aufsicht im Kanzleramt gut versteht. Aber Uhrlaus Verhältnis zur Regierungszentrale und auch zu wichtigen Leuten der Union ist, freundlich ausgedrückt, ein Nicht-Verhältnis. Das hängt zum einen damit zusammen, dass der gebürtige Hamburger, der früher den Verfassungsschutz der Hansestadt leitete und dort auch mal Polizeipräsident war, eingeschriebenes SPD-Mitglied ist. Er ist gewissermaßen das Überbleibsel der Regierung Gerhard Schröder.

In der Zeit von Rot-Grün koordinierte Uhrlau als Abteilungsleiter im Kanzleramt die Nachrichtendienste. Er fädelte beispielsweise humanitäre Aktionen zwischen der libanesischen Hisbollah und den Israelis ein und verkörperte geräuschlose Effizienz. Der Freund der Oper und der Literatur agierte meist ebenso diskret wie kundig.

Als die große Koalition kam, wurde Uhrlau Präsident des BND. Wenn die Behörde in die Schlagzeilen geriet, konnte er sich stets auf den damaligen Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) verlassen, aber die Sozialdemokraten sind jetzt in der Opposition. Das gibt Uhrlaus konservativen Kritikern noch mehr Gewicht, und an Freunden im Politikbetrieb mangelt es ihm ohnehin.

Mit großen Teilen der CSU hat es sich Uhrlau verscherzt, als er den Umzug des Dienstes von Pullach bei München nach Berlin durchsetzte. Nicht jeder Unionspolitiker war begeistert, dass der Diplom-Politologe Uhrlau die Geschichte des Dienstes von einer historischen Kommission aufarbeiten lässt. Da kann manches hochkommen, beispielsweise auch, wie der BND in der Gründerzeit die SPD bespitzelte. Außerdem unterzog Uhrlau den BND einer Reform, die Ärger machte. Abteilungen wurden zerschlagen und durch Arbeitseinheiten ersetzt.

Uhrlau hat bei alldem auch Fehler gemacht, die fallen nun ins Gewicht. Seit 26 Jahren hat kein BND-Präsident mehr das Pensionsalter im Dienst heil erreicht. Möglich, dass sich Uhrlau in diese Tradition einreihen muss.