Barack Obama Präsident auf Personalsuche

Kaum aus dem Urlaub zurück, muss US-Präsident Barack Obama nach zwei Jahren im Amt viele wichtige Posten neu besetzen. Nicht wenige Mitarbeiter verlassen das Weiße Haus - und wechseln ins Wahlkampfteam des Präsidenten.

Von Reymer Klüver

Wenn Präsident Barack Obama an diesem Dienstag aus dem Urlaub in Hawaii ins Weiße Haus zurückkehrt, erwarten ihn zweierlei Herausforderungen, denen er erkennbar nicht entgegengefiebert hat. Zum einen tritt am Mittwoch der neue Kongress zusammen mit einer soliden oppositionellen Mehrheit im Repräsentantenhaus und selbstbewussten Republikanern auch im Senat. Sie haben genug Stimmen, um fast jeden von Obamas Plänen zu vereiteln.

Eben noch beim Golfen in Hawaii und schon zurück im Politalltag des weißen Hauses: Für US-Präsident Barack Obama stehen wichtige Personalentscheidungen an.

(Foto: AP)

Und dann ist da, zum anderen, die lästige Aufgabe, seinen Beraterkreis im Weißen Haus neu zu ordnen: Sein Top-Wirtschaftsmann ist zum Jahreswechsel gegangen, und sein wichtigster politischer Ratgeber wird seinen Schreibtisch im West Wing Ende des Monats räumen.

Obama mag keine Veränderungen, schon gar nicht im persönlichen Umfeld. Doch lässt ihm die neue politische Realität - und die beginnende Kampagne zu seiner Wiederwahl im kommenden Jahr - keine andere Wahl. Als erstes dürfte er den Nachfolger von Larry Summers benennen, den Chef-Ökonomen des Weißen Hauses, der an die Universität Harvard zurückkehrt. Eigentlich hätte der Nachfolger schon längst berufen sein sollen. Summers hatte seine Entscheidung bereits im September bekannt gegeben.

Doch hat das lange Tauziehen um den Steuerkompromiss und den Startvertrag im Senat offenkundig alle Ressourcen im Weißen Haus in Anspruch genommen, so dass keine Zeit mehr für die Vergabe des Postens blieb. Im Rennen sind offenbar weiterhin der Investmentbanker Roger Altman, Richard Levin, der Präsident der Yale Universität (der großen Konkurrenz von Harvard, wo Summers zuvor der Chef war), Gene Sperling, der Top-Berater von Finanzminister Timothy Geithner, und Jason Furman, der bisherige Vize von Summers.

Broker gegen Sparer

Die geringsten Chancen dürfte Altman haben wegen seiner Nähe zur Wall Street. Auch Sperling war als Berater an der Wall Street tätig. Während der Clinton-Jahre hat er indes ein Gesetz zum Abbau der Staatsschulden ausgearbeitet. Seine Berufung könnte also ein Signal für größere Anstrengungen zur Reduzierung des Haushaltsdefizits sein - eine der wichtigsten Forderungen der Republikaner.

Levin und Furman gelten als Befürworter schärferer Kontrollmechanismen für die Finanzmärkte. Levins Ernennung wiederum könnte als bewusster Hinweis Obamas gedeutet werden, dass er bereit ist, auf Rat von außen zu hören. Denn einer der wesentlichen Kritikpunkte an Obamas bisheriger Amtsführung ist der Umstand, dass er sich in den vergangenen zwei Jahren zusehends auf einen kleinen Kreis enger Berater verlassen hat - trotz gegenteiliger Versicherungen bei seinem Amtsantritt. Selbst die Ersatzleute für ausscheidende Berater rekrutierte er fast nur aus dem vorhandenen Personalpool im Weißen Haus.